French Films – White Orchid

French Films

Legt man „White Orchid“, das zweite Album von French Films, ein, wähnt man sich in einem sonnendurchfluteten Raum mit offenen Fenstern, vielleicht im Garten, möglicherweise sogar im Strand – Hauptsache wohlig warm. Dass dieses Quintett aus Finnland kommt, verwundert allerdings. Auf dem Sprung sind die Mannen aus dem Norden schon lange, debütierten vor zwei Jahren mit „Imaginary Future“ überaus erfolgreich und waren seither stets unterwegs. Auf „White Orchid“, eben jenem Zweitling, spielen die Finnen mit psychedelischen Klängen und wollen ihren Gitarrenpop ein wenig erwachsener klingen lassen.

Überstrahlt wird diese Platte von der ersten Single „Latter Days“, geschickt zur Halbzeit platziert. Sofort fällt der hibbelige Rhythmus auf, die Finnen drücken aufs Gaspedal, wirken in den Strophen noch gedämpft, zurückhaltend, bereiten auf einen großen Refrain vor; und wie groß dieser ist. Die Vocals überragen das euphorische, pumpende Arrangement, das klassischen Gitarren-Rock, Shoegaze und einen Hauch von Post Punk nebeneinander stellt. „Latter Days“ ist jener Song, auf den The Vaccines seit ihrem Übersong „Wreckin‘ Bar (Ra Ra Ra)“ warten und überzeugt nach jedem Durchlauf noch mehr.

Jetzt bloß keine Sorgen machen, „White Orchid“ ist alles, nur kein One-Trick-Pony. Bereits der eröffnende Titeltrack mit seinen Breitwand-Gitarren und der bereits vertrauten Mischung aus lakonisch dargebotenen Strophen und pumpendem Refrain punktet. „Where We Come From“ klingt nach einer weiteren Single, rückt die Gitarren in den Mittelpunkt und erinnert in so manchem mehrstimmigen Part gar an Blondie. Näher stehen die Finnen wohl The Drums – „Ridin‘ On“ trägt ein wenig Surf-Pop in sich, kommt dafür ohne Depressionen aus. Eine gewisse Melancholie findet man im knapp sechs Minuten langen „In Thousand Years“ ausladend instrumentiert, mit Beatles-Psychedelica glänzend und in seinen ausladenden Instrumental-Abschnitten verworren, kopf- und doch nie konzeptlos.

Ausfälle sucht man vergebens, French Films unterhalten 37 Minuten lang auf starkem Niveau. „Juveniles“ riecht nach einer weiteren Auskopplung, abermals mit dezenter Vaccines-Schlagseite, während die verhinderte Hymne „All The Time You Got“ eine gewisse Nähe Crocodiles, den Brüdern im Geiste aus San Diego, aufweist. An das leidenschaftliche „Latter Days“ kommen die Finnen zwar nicht noch einmal heran, aber auch ohne einen zweiten Übersong zeigt sich „White Orchid“ als grundsympathisches Frühlingsalbum, als sicherer Sommerbote, als potentielles Liebkind für Freunde psychedelischer Gitarrenmusik.

French Films - White Orchid

White Orchid
VÖ: 03.05.2013
Odyssey Music Network (Rough Trade Distribution)

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