Moby – Future Quiet

Moby
(c) Holly Barringer

Einen idyllischen Zufluchtsort inmitten des Chaos und des lauten alltäglichen Wahnsinns wollte Moby mit seinem neuesten Album schaffen, was nach dem erstaunlich clubtauglichen und düsteren „Always Centered At Night“ durchaus als kleine Überraschung durchgeht. Und so koppelt sich der 60jährige ein wenig von der Dauerbeschallung ab, um Klavier, Ambient und Minimalismus in den Mittelpunkt zu rücken. „Future Quiet“ liebt die stillen, zaghaften Momente, setzt auf bewusste Leerstellen und zelebriert die Schönheit des Moments auf vielfältige wie zurückgenommene Weise.

Nirgendwo wird dieses Understatement so deutlich wie im gut achteinhalbminütigen Finale „The Opposite Of Fear“. Ausgerechnet hier legt das Piano eine Pause ein, während zarte Synthetik wieder und wieder vorsichtig aufbrandet, wie butterweicher Wellengang. Die Ausdruckskraft eines „Retreat“ bringt hingegen reduzierte „Play“-Momente mit kompletter Reduktion zusammen. Das Vocal-Sample hätte vor 25 Jahren bereits locker funktioniert, das harmonische Zusammenspiel von Piano und Synthesizer sorgt vor allem nach der Zwei-Minuten-Marke für erhabene, bewegende Momente. Wie sich der Himmel urplötzlich öffnet und das Arrangement anschwellen lässt, ist großes Kino.

Ein paar Gäste haben sich ebenfalls auf diese Platte verirrt. serpentwithfeet ist erneut am Start und verliert der zarten neuen Version von „On Air“ besonders viel Magie. Es ist nicht die einzige Neuaufnahme eines „Always Centered At Night“-Tracks – auch „Precious Mind“ mit Indie Carney gibt es erneut zu hören. Schleppende Piano-Klänge und fragile Vocals harmonieren perfekt miteinander. Eröffnet wird das Album von einem besonderen Track. Das über 30 Jahre alte „When It’s Cold I’d Like To Die“ wurde dank „Stranger Things“ zu Mobys meistgestreamten Song. Hier gibt es eine neue Verson mit Jacob Lusk (Gabriels) zu hören, die nur langsam anrollt und dank einer unfassbar kraftvollen wie intimen Gesangsperformance zu Tränen rührt.

Ob es über 80 Minuten hiervon gebraucht hat, sei dahingestellt. „Future Quiet“ wäre aber wohl kein Moby-Album, wenn es nicht zumindest ein wenig über das Ziel hinausschießen würde. Und doch weiß diese Suche nach Ruhe und innerer Einkehr wieder und wieder zu bewegen. Wundervolle, geradezu magnetisch anziehende Entschleunigung blendet den Alltag aus und schwingt sich zum dringend benötigten Ruhepol auf. Zudem sind die Vocal-Tracks einmal mehr ganz groß, wobei Jacob Lusk alles überragt. Was auch immer Mobys Zukunft bringen mag, in dieser starken wie kreativen Form ist man gerne live dabei.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 20.02.2026
Erhältlich über: Little Idiot / BMG Rights Management

Website: moby.com
Facebook: www.facebook.com/mobymusic