Gavial – Thanks, I Hate It.

Gavial
(c) Gavial

Die Namensänderung war wichtig, die Musik blieb stark: Gavial meldeten sich im Mai 2023 erstmals unter dieser Bezeichnung und mit einem ersten Album, „Vor“. Bassist Paul kam erst hinzu, als der Großteil der Songs bereits geschrieben waren. Das ändert sich auf dem Nachfolger, wo der Tieftöner eine aktive Songwriting-Rolle erhielt; die Quartett-Besetzung in der Dreiecksachse zwischen Berlin, Dresden und Leipzig wurde konzentriert ausgereizt. An der rund um Blues und Psychedelic Rock angesiedelten Grundausrichtung änderte sich zwar wenig, doch findet „Thanks, I Hate It.“ neuen Zugang zu noch intensiverem Tiefgang.

„Koru Mindset“ münzt das in unerwartete Uptempo-Gefilde um, für Gavial durchaus flott umgesetzt, energisch bis getrieben. Dieses dennoch herrlich entstellte, verworrene Powerhouse mit betont ungewöhnlicher Note funktioniert ebenso gut und überraschend wie die Cover-Version am anderen Ende des Albums. Mit „Wicked Game“ von Chris Isaak hat man vielleicht nicht gerechnet, wiewohl der Gavial-Anstrich gut kommt. Natürlich ist das Leitmotiv bestens bekannt, hier jedoch auf über sieben Minuten ausgedehnt, sich bewusst und betont der psychedelisch-spacigen Unkenntlichkeit nähernd. Im getragenen Minimalismus der Dinge entfaltet diese Interpretation erstaunliche Wirkung.

Wer bislang die bluesigen Klänge vermisst hat, bekommt „Grow“ serviert, ein herrlich verschwitzter Track voller Herz und Gefühl. In nahezu konstanter, erschöpfender Schwere gefangen, geraten Gefühle durcheinander, bevor die zweite Hälfte einen Zahn zulegt und klassischere Rock-Gefilde ansteuert. „Control“ hat ebenfalls ein paar Überreste davon zu bieten, beobachtet jedoch die zunehmende Verschiebung musikalisch-tektonischer Platten mit wachsender Begeisterung. Die Summe der einzelnen Teile lässt das Herz aufgehen. Hingegen beweist „Leviathan“ seine Größe im Understatement, verbindet endlose psychedelische Jams mit begnadeten Vocals.

Im konstanten Fluss gehen sich Gesellschaftskritik und argwöhnische Beobachtungen über den lokalen wie globalen Status Quo aus, scharfkantig serviert und wesentlich mehr als schmuckes Beiwerk anderweitiger Bekömmlichkeiten. Und die setzt es auf „Thanks, I Hate It.“ – ein Albumtitel, der mehr über diese Zeit und definitiv rein gar nichts über musikalische Qualitäten aussagt – in rauen Mengen. Gavial hauen einfach alles raus, was ihnen in den Sinn kommt, spielen mit der Formensprache von Jam-Sessions und der schwerfälligen Magie von Blues. Einen Mittelweg gibt es nur selten, das fast stete Pendeln zwischen Minimalismus und Eigentümlichkeit kommt gut. Das darf man dann sogar lieben, zumindest ein bisschen.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 23.01.2026
Erhältlich über: Exile on Mainstream Records (Cargo Records)

Facebook: www.facebook.com/Gavialband