Aeon Station

Aeon Station – Observatory

Nach 18 langen Jahren erscheint tatsächlich ein neues Wrens-Albums. Es heißt bloß anders und die Band gibt es offenkundig nicht mehr. Scheinbar fertige Platten wurden zurückgezogen, überarbeitet und wieder auf Eis gelegt, bis ein Disput um die finanziellen Anteile bei den Songwriting-Credits endgültig den Stecker zog. Kevin Whelan hat zumindest genug und macht nun solo weiter. Als Aeon Station präsentiert er eine Fülle an Songs, die er in den letzten 14 Jahren schrieb – teils für The Wrens, teils für sich selbst. Der Titel „Observatory“ lehnt sich an Whelans autistischen Sohn an, der zwar kaum mit seiner Umwelt kommuniziert, diese dafür eingehend beobachtet.

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Karin Park

Karin Park – Church Of Imagination

Es gibt gefühlt nichts, woran sich Karin Park noch nicht versucht hat. Neben ihren Soloalben, mit denen sie den wunderbaren Begriff „Apocalypse Pop“ begründete, schrieb sie Hits für andere Musiker*innen, darunter Norwegens Eurovision-Top-5-Hit „I Feed You My Love“, nahm in diesem Jahr mit Lustmord ein beachtliches Experiment von einem Album auf und wirkt zudem bei Årabrot, dem nicht minder experimentellen Projekt ihres Gatten Kjetil Nernes, mit. Der jüngere Solo-Stoff behandelt das verstärkte Faible für 80s-Synthesizer und Tiefgang jenseits etablierter Pop-Schemen. Park nahm „Church Of Imagination“ in jener Kirche auf, wo sie als Kind erstmals vor Publikum sang. Nun gibt’s endich die physische Version als Einstand bei der neuen Heimat Pelagic Records.

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The Drippers

The Drippers – Scandinavian Thunder

Einfach mal alle Verstärker auf Elf drehen und sehen, was passiert: The Drippers wissen, wie der Hase läuft. Ihr Debütalbum „Action Rock“ trägt nicht nur einen richtig guten Titel, es rannte im Sommer 2019 offene Türen ein. Der klassisch skandinavische 90s-Rock mit leicht punkigen Untertönen hallt immer noch ein wenig nach, mit der anschließenden Tour klappte es leider nicht so ganz. Macht aber nichts, dachten sich die drei Schweden, und schrieben stattdessen einfach neue Songs. Elf davon haben es auf „Scandinavian Thunder“ geschafft. Drin ist, was auf dem Etikett steht.

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Lisa Wanloo

Lisa Wanloo – Shadows

Drei Songs vor drei Jahren, so machte Lisa Wanloo 2018 erstmals auf sich aufmerksam. Die junge schwedische Singer/Songwriterin aus Hönö in den Göteborger Schären führt eine lebenslange Liebesbeziehung zu Grunge und kultiviert diese mit reduziert instrumentierten Methoden. Zuletzt ging Wanloo durch eine Zeit der Einkehr und der Klarheit, die sich nun, so lässt man verlautbaren, in einer Art sinnlicher Dunkelheit äußert, angelehnt an die etwas düstere Singer/Songwriter- und Americana-Kunst von Sharon Van Etten oder Angel Olsen. „Shadows“ wagt sich erstmals an die Albumlänge.

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Daily Thompson

Daily Thompson – God Of Spinoza

Mund abwischen, weitermachen: Im Sommer 2020 veröffentlichten Daily Thompson das mächtige „Oumuamua“, bloß mit der dazugehörigen Tour wollte es nicht so recht klappen. Also nahm man die angestaute Energie einfach mit in den Proberaum und spielte weiter. Die drei Dortmunder wollten vor allem nicht auf der Stelle treten. War die letzte Platte über weite Strecken noch heavy wie Sau, ist davon jetzt etwas weniger zu hören. „God Of Spinoza“ setzt zwar weiterhin auf spacige Psych-Ideen, holt sich aber zusätzlich lässig abgehangenen 90s-Alternative-Rock ins Boot. Und das funktioniert hervorragend.

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Tristesse

Tristesse – Im schwächsten Licht

Vor zwei Jahren trafen sich fünf Berliner Jungs in einer lokalen Kneipe und diskutierten Pläne für eine gemeinsame musikalische Zukunft. Mit ihren ersten Tracks sorgten Tristesse für Aufmerksamkeit – eine aufwühlende Mischung aus Indie, Shoegaze, Alternative, Grunge und Dream-Pop, die hinter fast schon euphorischem Sound durchaus ernste Themen verpackt. „Im schwächsten Licht“ ist ihre erste EP und bemüht dicke Klangteppiche auf der Suche nach der eigenen Identität.

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Closet Disco Queen

Closet Disco Queen – Stadium Rock For Punk Bums

Ein zweites Mal wirbeln Closet Disco Queen heuer Staub auf, nun in der Originalbesetzung, wenn man so will. Nach der grandiosen Dexter-Platte mit der Begleitband The Flying Raclettes gibt es konventionelle Kost, die alles andere als konventionell ist. Bereits zu Jahresbeginn spielten Luc Hess und Jona Nido eine kleine Residency und nahmen drei Tracks auf, live und ungeschnitten. Später, im Studio, entstand der Bock auf unzählige Spuren und möglichst dicken Sound, noch dazu betont voluminös abgemischt. Stadionrock war die Referenz, freilich im Kontext des sympathisch sperrigen Duos. „Stadium Rock For Punk Bums“ tankt sich durch die Versorgungsgänge unter der Arena.

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Weedpecker

Weedpecker – IV: The Stream Of Forgotten Thoughts

Eine Ende kann manchmal auch ein Anfang sein. Diesen abgelutschen Sinnspruch verdeutlichen Weedpecker. Nach dem Release von „III“ verabschiedeten sich drei langgediente Mitglieder und Piotr Dobry musste die Band neu aufstellen. Was sich bei einer ersten kurzen Tour im Jahr 2019 bereits angedeutet hatte, wird nun deutlich: Das Quartett nutzt den Neustart gleich für kleinflächige Veränderungen. Statt der doppelten Lead-Gitarre wurde nun ein Keyboard fest im Line-up verankert, zudem konzentriert sich „IV: The Stream Of Forgotten Thoughts“ fast ausschließlich auf Psychedelic-Klänge, lässt Stoner- und Fuzz-Elemente weitestgehend in den Hintergrund wandern.

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Orchards

Orchards – Trust Issues

In der Releasewoche ihres Debütalbums breitete sich der Schatten des ersten Lockdowns aus. Da hatten Orchards mit „Lovecore“ eine wirklich bezaubernde, schillernde, hochgradig intelligente Platte gebastelt und dann konnten, durften sie herzlich wenig damit bewerkstelligen. Kein Wunder, dass die Euphorie erst einmal verschwunden war. Vertrauensprobleme waren das Ergebnis, „Trust Issues“. So heißt die neue EP des britischen Quartetts, das nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr gefühlt genug für ein ganzes Leben erlebte.

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Musa Dagh

Musa Dagh – Musa Dagh

Lange Jahre wurde der Begriff ‚Supergroup‘ geradezu inflationär gebraucht, schien sich aber zuletzt ein Stück weit zurückzuziehen. Und tauchen einige Herren auf, die diesen Namen wirklich verdient haben. Hinter Musa Dagh – benannt nach einem Zufluchtsort für 4.000 Armenier während des Völkermords im Jahr 1915 – stecken Charakterstimme Aydo Abay (ABAY, Ken, ehem. Blackmail) Noise-Rock-Großmeister Aren Emirze (Harmful, Taskete! und Emirsian), Schlagzeug-Powerhouse Thomas Götz (Beatsteaks) und Rock-Superproduzent Moses Schneider. Das erste Album heißt wie die Band und der Sound ist von impulsiver Wucht.

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