Courtney Barnett

Courtney Barnett – Creature Of Habit

Nomen trifft Omen: „Things Take Time, Take Time“ hätte kaum besser als Titel für das bis jetzt letzte Album von Courtney Barnett gewählt werden können. Das ist mittlerweile fast viereinhalb Jahre her, in denen es für die Australierin allerdings nicht umbedingt ruhig gewesen war. Unter anderem sperrte sie ihr eigenes Label Milk! Records zu (zum Abschluss erschien noch ein rein instrumentaler Doku-Soundtrack) und zog nach Los Angeles. Diese Veränderungen spielen selbstverständlich auch auf ihrem inzwischen vierten regulären Soloalbum eine nicht zu verachtende Rolle. „Creature Of Habit“ handelt davon, sich selbst nicht mehr im Weg zu stehen, um das eigene Leben auch tatsächlich leben und mit allen Sinnen erfassen zu können.

Weiterlesen
The Twilight Sad

The Twilight Sad – It’s The Long Goodbye

Das erste Album seit über sieben Jahren und eine Band, die auf das Kern-Songwriting-Duo – Sänger James Alexander Graham und Gitarrist Andy MacFarlane – geschrumpft ist: Der Hintergrund für die lange Wartezeit und Veränderungen bei The Twilight Sad sind tragischer Natur. Als die Schotten 2016 von einer Support-Tour für The Cure hingekehrt waren, wurde Grahams Mutter mit früh einsetzender frontotemporaler Demenz diagnostiziert, die fortan das Band- und Privatleben mehr als entscheidend mitbestimmte. Eine weitere Tour mit The Cure sieben Jahre später wurde abgebrochen, wenig später verstarb Grahams Mutter. Der Großteil von „It’s The Long Goodbye“ entstand während dieser Zeit.

Weiterlesen
Myrath

Myrath – Wilderness Of Mirrors

Vielerorts werden Myrath immer noch dem Progressive Metal zugeordnet – selbst Wikipedia beharrt hartnäckig auf diesem Eintrag. Dabei hat das tunesisch-französische Quintett spätestens mit „Shehili“ den Kurs endgültig Richtung Symphonic Power Metal korrigiert, ohne jedoch ihren ungemein spannenden orientalischen Einschlag zu verlieren. Genau diese Wurzeln waren es, die den Sound der Band stets so besonders machten. Auf dem 2024 erschienenen Vorgänger „Karma“ wurde dieser Ethno-Fokus jedoch zugunsten einer klareren Power-Metal-Kante zurückgefahren, was in der Fanszene für Diskussionsstoff sorgte. Das dieser Tage erscheinende Album „Wilderness Of Mirrors“ steht dementsprechend unter besonderer Beobachtung: Es wird verdeutlichen, in welche Richtung sich Myrath musikalisch entwickeln.

Weiterlesen
José González

José González – Against The Dying Of The Light

Ist die Zukunft künstlich oder echt? Welche Rolle spielt ehrliche Kunst in Zeiten zunehmenden KI-Einsatzes, der kreative Einstiegshürden senkt und doch nie auch nur annähernd Individualität schafft? Diese und ähnliche Fragen stellt sich José González auf seinem ersten Album seit Herbst 2021. Die Rolle von Künstlicher Intelligenz sieht er zwiespältig, wenngleich verantwortungsbewusster Einsatz womöglich nicht verkehrt sein mag. Wie kann das aussehen? Wie groß ist die Bedrohung wirklich? Und wie geht ein Familienmensch mit immer düster werdenden Zeiten um? All das und noch viel mehr beantwortet „Against The Dying Of The Light“ hochgradig eindrücklich.

Weiterlesen
The Clockworks

The Clockworks – The Entertainment

Gleich mit ihrem ersten Album gelang The Clockworks ein absoluter Volltreffer: Auf „Exit Strategy“ brachte das in Irland gegründete und heute in London ansässige Quartett gebündelte Indie- und Alternative-Klasse zusammen. Und das in kompletter Eigenregie, denn das bandeigene Label war die perfekte Bühne, um diese Hit-Platte auf das Publikum loszulassen. Der Nachfolger wurde vor allem in den eigenen vier Wänden geschrieben und aufgenommen, holt sich neue musikalische Einflüsse hinzu und befasst sich zudem mit Themen wie Isolation, Einsamkeit und Verbindungen. Vom schweren zweiten Album hält „The Entertainment“ herzlich wenig.

Weiterlesen
Hi Mum

Hi Mum – Ghostwood

Vorneweg: Ja, das liest sich wie ein reiner Sängerwechsel und ein damit einhergehender neuer Bandname. Ist aber wesentlich mehr. So viel mehr. Aber der Reihe nach: Im September 2023 legten sich Maffai erst einmal auf Eis, doch blieb man sich freundlich verbunden. Ob und wann es ein Comeback geben wird, bleibt offen. Gitarrist Simon Züchner, Bassist Daniel Schmitt und Schlagzeuger Jan Kretschmer machen aber gemeinsam weiter in einem neuen Projekt. Den Gesang bei Hi Mum übernimmt Lilly Jane Kletke, musikalisch bewegt man sich eher in Indie-, Alternative- und Shoegaze-Gefilden mit einer gewissen 90s-Ästhetik. „Ghostwood“ ist ihr erstes Album.

Weiterlesen
Tedeschi Trucks Band

Tedeschi Trucks Band – Future Soul

Eine der kreativ herausforderndsten Phasen ihrer Karriere liegt hinter Tedeschi Trucks Band: 2022 erschien ein vierteiliges Album, über den Sommer verteilt, hell leuchtend, anspruchsvoll und zugleich eingängig wie eh und je. Für einen Nachfolger ließ man sich ein wenig Zeit, schüttelte ein wenig Live-Material aus dem Ärmel und begann im Frühsommer 2024 mit den Arbeiten daran. Die zwölfköpfige Band wählte dafür einmal mehr eine Kerngruppe an Songwritern aus und holte sich unter anderem einen externen Produzenten hinzu, um neue Perspektiven zu gewinnen. „Future Soul“ fängt das Live-Feeling im Studio-Setting ein und stellt sich tatsächlich noch einen Tacken bunter auf.

Weiterlesen
Axel Rudi Pell

Axel Rudi Pell – Ghost Town

Manche Dinge im Leben sind so beständig wie die Gezeiten – und im deutschen Heavy Rock gehören Axel Rudi Pell definitiv dazu. Wer eine Platte des Wattenscheider Quintetts um den namensgebenden Saitenhexer kauft, weiß exakt, was er bekommt: klassischen Hard Rock mit epischen Melodien und einer ordentlichen Prise Ritchie-Blackmore-Gedächtnis-Vibes. Man könnte es als unerschütterliche Treue zum eigenen Stil bezeichnen oder nicht ganz zu Unrecht kritisieren, dass sich die Diskografie seit der Jahrtausendwende so nahtlos aneinanderfügt, dass man so einige Songs beliebig austauschen könnte. Mit „Ghost Town“ bringt Pell nun bereits sein 23. Studioalbum an den Start und beweist einmal mehr, dass er von seinem bewährten Rezept auch im Jahr 2026 keinen Millimeter abweicht.

Weiterlesen
Yeast Machine

Yeast Machine – Bad Milk

Wasser ist nass und die Rock-Kommune rockt – so weit, so unspektakulär. Einer solchen entsprangen Yeast Machine aus Tübingen, sprachen und sprechen eine gemeinsame musikalische Sprache und leben zudem noch zusammen. Die fünf Freude traten bislang mit einer EP, einem Album und diversen Festival-Auftritten in Erscheinung, begleitet von einem stark 90er-Jahre geprägten Sound mit Grunge, Alternative, Stoner und Konsorten. Noisolution ist ihre neue Label-Heimat, „Bad Milk“ ihr neues Album. Ranzig ist hieran aber glücklicherweise rein gar nichts.

Weiterlesen
fluppe

fluppe – beest

Was bloß tun mit dem Gesang? Das fragen sich fluppe, als sie an ihrem dritten Album arbeiteten, und nachdem ihre bisherige Stimme Josef Endicott ausgestiegen war. Produzent Tobias Siebert (u. a. Klez.e) empfahl als Inspiration die Hamburger Musikerkneipe Mutter. Gefunden wurde mit Oscar Pursch der Barkeeper des Lokals, der auf den zehn neuen Songs eine richtig gute Figur abgibt. „Beest“ hält ansonsten aber herzlich wenig davon, einfach alles umzuwerfen. Das Quartett um Christian Klindworth, Antoine Laval und Lars Brunkhorst bleibt seinem Sound zwischen Post Punk, Wave und Indie Rock treu und sucht wieder und wieder nach dieser feinen Prise Hoffnung, wenn die Krise gerade doppelt heftig zuschlägt.

Weiterlesen

Wir verwenden Cookies. Cool?