Kategorie: Alben

Billy Talent

Billy Talent – Crisis Of Faith

Fünfeinhalb Jahre. Noch nie war so viel Zeit zwischen zwei Alben von Billy Talent vergangen. Es war nicht so, als hätten es die Kanadier nicht immer wieder versucht, zogen sich nach sämtlichen Störungen ihres Alltags – Lockdowns, ein Todesfall im Familienkreis, Tourabsagen – wiederholt ins Studio zurück, um an neuem Material zu feilen. Immer wieder schafften es einzelne Songs an die Oberfläche, dann gab es mehrere Monate der kompletten Funkstille. Aus diesem vermeintlichen Stop-and-Go-Chaos tankt sich „Crisis Of Faith“ nun zurück an die Oberfläche und zeigt das Quintett so vielfältig, so musikalisch breit aufgestellt wie nie zuvor.

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Silvershark

Silvershark – Burn To Boogie

Steve Burner (u. a. Travelin Jack) liebt Soul, Funk und Disco. Bei einem Kadavar-Konzert teilte er dieses Faible mit deren Soundmann Richard Behrens (Samsara Blues Experience), der wiederum die Tore seines Studios Big Snuff öffnete. Mit analogem Equipment in rauen Mengen, guten Freunden im Studio (darunter Mitglieder von Elder, Coogans Bluff und Vug) sowie herrlich schrägen Ideen in rauen Mengen entstand „Burn To Boogie“. Als Silvershark tanken sich Burner und Behrens durch die Plattenkisten der 70er Jahre und finden farbenfrohe Schätze im Überfluss.

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Aua

Aua – The Damaged Organ

In einer Gegenwart, die Distanzierung auf vielen Ebenen förmlich erzwingt, kommt eine Platte über Entfremdung gerade recht. Das semi-elektronische Krautrock-Duo Aua konnte bereits im Herbst 2020 mit seinem Debüt „I Don’t Want It Darker“ einen verdienten Achtungserfolg einfahren. Nun bemühen sich die von Radare bekannten Fabian Bremer und Henrik Eichmann um zusätzliche klangliche Öffnung, für die man extra ausgefallene elektronische Instrumente auftrieb. „The Damaged Organ“ treibt die Suche nach der eigenen Identität in einer sich konstant verzerrenden Welt auf die Spitze.

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Yard Act

Yard Act – The Overload

Großbritanniens moralischer Kompass sucht seit Jahren nach einer Art inneren Mitte. Yard Act spielen mit dieser Balance und finden diebische Freude daran, ihre düsteren und zugleich amüsanten bis zynischen Lyrics über Werte, Erwartungen und vermeintliche Aktionismen zu stülpen. Das Quartett aus Leeds verbrachte die Lockdown-Monate mit mehreren Singles, die gleich einen Hype sowie einen Major-Deal mit sich brachten. Nun gerät der hibbelige, sardonische Post Punk mit seinem Spoken-Word-Art-Rock-Fundament so richtig aus den Fugen: „The Overload“ entpuppt sich als präzise Momentaufnahme des Post-Brexit-Königreichs.

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Anxious

Anxious – Little Green House

Für das erste Album, so eine gerne propagierte These, habe man ein ganzes Leben lang Zeit. Eigentlich hätte das bei Anxious anders ausgesehen, denn die 2016 gegründete Band – die Mitglieder besuchten damals noch die Highschool – tourte bereits seit Jahren ausgiebig mit allerlei Heavy-Hittern, wie Lifetime und Fiddlehead. Die ungewollte globale Schockstarre hatte zumindest einen Vorteil für die Herren aus Connecticut, die im Keller von Bassist Sam Allens Mutter in aller Ruhe an sämtlichen Details arbeiten konnten. Benannt nach dem Ort, wo sie ihre Songs schrieben, macht es sich „Little Green House“ in der Emo-, Post-Hardcore- und Alternative-Szene mit 90s-Einschlag bequem.

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Blood Red Shoes

Blood Red Shoes – Ghosts On Tape

Ein Beiwerk der Umstände, so lässt sich das neue Album der Blood Red Shoes bezeichnen. Zum ersten Mal seit Jahren wohnten Laura-Mary Carter und Steven Ansell wieder in derselben Stadt. Songwriting und Aufnahmen waren abgeschlossen, mit einem Release wartete man jedoch, als sich ein Riegel vor sämtliche Tour-Möglichkeiten schob. Carter startete einen Podcast und nahm ein Solo-Mini-Album auf, Ansell produzierte Electro- und Alternative-Künstler. All das und mehr findet sich nun auf „Ghosts On Tape“ wieder, das über weite Strecken wie ein musikalischer Neustart wirkt und doch nicht so ganz überrascht.

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Fickle Friends

Fickle Friends – Are We Gonna Be Alright?

Die letzten beiden Jahre haben ihre Spuren hinterlassen. Fickle Friends singen gleich mehrere Lieder davon. Nach ihrem erfolgreichen Debüt „You Are Someone Else“, das in der britischen Heimat sogar die Top 10 knackte und acht Singles abwarf, besann man sich zurück auf die Indie-Wurzeln, nur um erst einmal in den Seilen zu hängen. Das Quartett wusste nicht so recht, wie es mit dem plötzlichen Stillstand umgehen sollte, befand sich irgendwo in der Schwebe und sprühte dennoch voller Tatendrang. Nach zwei eingeschobenen EPs gibt es nun das zweite Album. „Are We Gonna Be Alright?“ stellt wichtige Fragen und erweitert den Indie Pop des Einstands um mehr Wucht und Gitarren.

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The Wombats

The Wombats – Fix Yourself, Not The World

Ein Influencer singt die ersten Zeilen eines Remixes zu „Greek Tragedy“ und tanzt dazu auf TikTok, schon war ein Trend geboren. Für The Wombats bedeutete das unzählige Millionen Streams sowie eine Gold-Auszeichnung in den USA aus dem Nirgendwo. Das Trio aus Liverpool nahm das durchaus amüsiert als Lockdown-Randnotiz zur Kenntnis, nur um das neue Album distanziert – über drei Länder verteilt – zu schreiben. Unterstützt von Produzenten-Prominenz, wie Jacknife Lee, Gabe Simon (Dua Lipa, Lana Del Rey), Paul Meaney (Twenty One Pilots, Nothing But Thieves) und Stamm-Knöpfchendreher Mark Crew, entstand das tanzbare, selbstbewusste „Fix Yourself, Not The World“.

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Cat Power

Cat Power – Covers

Neben ihren fantastischen eigenen Songs veröffentlicht Cat Power seit Jahren nicht minder spannende Cover-Version bekannter Klassiker und kleiner Schätze, die in ihrer atemberaubender Schönheit locker mithalten können. Zum Jahresbeginn vervollständigt die US-Amerikanerin nun eine Art Trilogie, die 2000 mit „The Covers Records“ begann und sich 2008 durch „Jukebox“ fortsetzte. „Covers“ tankt sich durch den Sound von zwölf Legenden und versteckten Schätzen, die dabei stets nach Cat Power klingen, als hätte sie die Tracks selbst verfasst.

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Papir

Papir – 7

Auf ihren bisherigen Alben loteten Papir die Grenzen von Kraut, Psych und Prog aus. Ihre rein instrumentale Kunst, gerne mit etwas Jazz versehen, verzichtet allerdings auf ausladende technische Wirbelstürme und bemüht sich stattdessen um den Fluss der Dinge. Diesen stellen die Dänen nun erst recht in den Mittelpunkt, denn „7“ – erstmals keine römische Ziffer – packt sämtliche Pedale weg und sucht stattdessen nach der gemächlichen Eitelkeit der Dinge. In anderen Worten: Betörender, tiefenentspannter Ambient-Sound hält Einzug.

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