Autor: Walter Kraus

Ich bin, also denke ich.
Jamie Lenman

Jamie Lenman – King Of Clubs

Hat da jemand ‚Trilogie‘ gesagt? Eine solche beschließt Jamie Lenman aktuell, obwohl entsprechende Pläne erst jetzt bekannt werden. Das Überalbum „Devolver“ und die experimentelle Cover-Platte „Shuffle“ erschienen nämlich ohne einen solchen Überbau. Nun liefert Lenman also das, wie er es nennt, Abschiedskapitel einer besonders kreativen und unterhaltsamen Zusammenarbeit mit Space, der unter anderem bereits für Idles und Black Futures produzierte. Das wütende und politische „King Of Clubs“ präsentiert sich bewusst als Minialbum, da der Musiker kein komplettes Album in diesem verstärkt an sein altes Betätigungsfeld Reuben erinnernden Stil hätte durchdrücken können.

Weiterlesen
Aaron Taylor

Aaron Taylor – Icarus

In den Händen Aaron Taylors ist Soul ein lebendiges, atmendes, sich wandelndes Konstrukt. Der Newcomer transportiert Klänge aus den 70ern in das Hier und Jetzt, von vielschichtigen Neo-, Jazz-, RnB- und dezent elektronischen Einflüssen befeuert. Taylor sieht in dieser schweren, spaltenden Zeit die Chance für große Kunst. Ob sein Debütalbum „Icarus“ das ist? Die Platte über Intimität in den verschiedensten Formen nahm der Sänger und Songwriter in seinem eigenen Studio zuhause auf.

Weiterlesen
Jens Kuross

Jens Kuross – The Man Nobody Can Touch

Für einen ausgebildeten Jazz-Schlagzeuger mit Abschuss am Berklee College of Music gibt es nichts Logischeres als… mit diversen Electro-Künstlern auf Tour zu gehen? In den vergangenen Jahren begleitete Jens Kuross unter anderem RY X, Howling und The Acid. Zwischendurch verbesserte er seine Keyboard-Skills und beschloss schließlich eigene Musik zu schreiben, anstatt dauernd jene von anderen Musikern zu lernen. Nach mehreren Kleinformaten landet nun das Debütalbum „The Man Nobody Can Touch“.

Weiterlesen
Kaskadeur

Kaskadeur – Uncanny Valley

Nach mehreren spannenden Alben und Touren waren Stonehenge ihrem Korsett entwachsen. Bei den Aufnahmen zur neuesten Platte merkten die Druiden aus Potsdam, dass die Songs den musikalischen Rahmen zwischen Retro und Stoner endgültig gesprengt hatten. Deswegen nun also ein neuer Name – Kaskadeur – und ein zweites Debütalbum, wenn man so will. „Uncanny Valley“ ist alles und nichts, ein wildes Festival der Gitarrenmusik mit Elementen aus Prog, Psychedelic, Stoner, Heavy, Post, Math und sogar ein wenig Pop-Appeal. Was sich auf den ersten Blick konfus und überladen liest, ist in Wirklichkeit alles andere als das.

Weiterlesen
Gus Dapperton

Gus Dapperton – Orca

Wo ist Gus Dappertons Leichtigkeit abgelieben? Die ersten Singles und das Debütalbum des jungen US-Amerikaners flimmerten geschickt durch verschiedenste alternative Pop-Gefilde. Zugleich brachte ihn die dazugehörige Tour aus dem Gleichgewicht. Alkohol, Drogen und Depressionen wurden zu unwillkommenen Begleitern. Dapperton wollte sich weiterhin musikalisch intensiv mit seinem Innersten auseinandersetzen, hatte dennoch Bedenken, sich derart verwundbar zu zeigen. Gerade das macht sein neues Album „Orca“ jedoch zum vollen Erfolg.

Weiterlesen
Eivør

Eivør – Segl

Zumindest auf Albumebene machte sich Eivør Pálsdóttir in den vergangenen Jahren rar. Die färingische Sängerin, die vor mittlerweile 20 Jahren – damals noch ein Teenager – ihre erste Platte veröffentlichte, war zuletzt vornehmlich mit Orchester- und Soundtrackarbeiten beschäftigt, nahm zwischendurch eine englische Version ihres aktuellsten Werks „Slør“ auf, im Original auch schon wieder knapp fünf Jahre her. „Segl“, zu Deutsch „Siegel“, ist mehr als nur ein kräftiges Lebenszeichen.

Weiterlesen
Mother's Cake

Mother’s Cake – Cyberfunk!

Wahre Größe entspringt an Skisprungschanzen – klingt komisch, trifft aber zumindest im Fall von Mother’s Cake zu. Die Bergisel-Live-Platte der drei Innsbrucker entpuppte sich als musikalisches Wunderwerk größter Ausnahmeklasse. Für den Nachfolger schaffte man sich einen echten Ideen-Pool an, wählte echte Perlen aus und entwickelte diese zu in mehreren Takes aufgenommenen Songs – so weit, so trocken. Tatsächlich ist „Cyberfunk!“ aber alles andere als das, sondern ein erstaunliches Abbild des ideal gewählten Albumtitels.

Weiterlesen
Into It. Over It.

Into It. Over It. – Figure

Nach dem Ende einer Europatour zu „Standards“ fand Evan Weiss einen Scherbenhaufen vor. Sein langjähriger Wegbegleiter Josh Sparks verließ die Band endgültig, daheim hatte er weder Job noch Krankenversicherung, saß auf einem Berg an Tourschulden und sah seine Beziehung enden. Als plötzlicher Single in einen Nine-to-Five-Job begann er mit den Fehlern der letzten Jahre zu hadern und fand in der Musik letztlich den Anlass, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. „Figure“ war ursprünglich nicht als Into It. Over It.-Album geplant, nur um das Projekt mit frischem Wind und gereiften Ansichten erneut aufleben zu lassen.

Weiterlesen
Everything Everything

Everything Everything – Re-Animator

Ihre letzten beiden Platten waren entweder politisch und gesellschaftskritisch oder finster und fatalistisch. Genau das wollen Everything Everything jetzt hinter sich lassen und – wie es oft gerne heißt – zurück zu den Wurzeln kehren. Tatsächlich konnten die Briten die angepeilte Direktheit und Unmittelbarkeit realisieren. Auf „Re-Animator“ bemüht sich die Band um einen deutlich songdienlicheren Ansatz und rückt, zumindest im Vergleich zu den letzten Releases, die Gitarren wieder etwas weiter in der Mittelpunkt.

Weiterlesen
Uniform

Uniform – Shame

Nettigkeiten werden überbewertet. Zumindest scheint dies der Sound von Uniform zu suggerieren. Das Trio aus New York zockt fiesen, durchaus abstoßenden Noise Rock mit Industrial-Schlagseite und veröffentlichte neben diversen eigenen Platten überaus experimentelle Kollaborationen mit den Sludge-Lautmalern von The Body. Aktuell wieder auf eigenen Beinen stehend, bemüht die kürzlich um Schlagzeuger Mike Sharp gewachsene Band das Konzept des Film Noir sowie des Hardboiled Detective für seinen neuesten Streich, „Shame“.

Weiterlesen

Wir verwenden Cookies. Cool?