Autor: Walter Kraus

Ich bin, also denke ich.
Nichtseattle

Nichtseattle – Große Liebe

Die Suche nach der großen Liebe – eines der zentralen Themen (oder Klischees, je nach Perspektive) der Musikwelt seit Jahrzehnten. Auch an Nichtseattle alias Katharina Kollmann ist sie nicht spurlos vorbeigegangen. Zweieinhalb Jahre nach dem wegweisenden „Haus“ meldet sie sich in kompletter Bandbesetzung zurück. Im Rahmen der Live-Aktivitäten wuchsen Nichtseattle zum Quintett, gingen als solches ins Studio, zudem produzierte Kollmann gemeinsam mit ihrem Gitarristen Sönke Torpus. „Große Liebe“ denkt den vertrauten, ausufernden Sound weiter und gibt seine ureigene Definition davon ab, was hinter diesem universellen Konzept tatsächlich stecken kann.

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Tommy And The Teleboys

Tommy And The Teleboys – Bits And Pieces, Poorly Explained

Der Versuch, die Musik von Tommy And The Teleboys auch nur halbwegs angemessen zu erklären, ist im Grunde zum Scheiten verurteilt. Bereits das wunderbar schrullige, herausfordernde Debüt „Gods, Used, In Great Condition“ überflutete sämtliche Gedankengänge mit einer Fülle an Assoziationen und Ideen. Da steckte Garage Rock drin, Psychedelia, Post Punk, ein wenig Kraut und Elektronik, als Quasi-Spitze des sich konstant häutenden Eisbergs. Beim mitteldeutschen Quartett hat sich herzlich wenig dahingehend geändert, dafür setzt es statt großen konzeptuellen Zusammenhängen nun kleine, feine Beobachtungen aus dem Alltag. Passend der Titel: „Bits And Pieces, Poorly Explained“.

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Ciao Lucifer

Ciao Lucifer – Sunset Riders

Ciao Lucifer verlängern den Sommer ordentlich – das wäre nach den vergangenen Monaten eher nicht nötig gewesen. Das Duo aus Amsterdam geht seinen Indie-Sound voller Elan und Energie an, ist seit Jahren Fixgast auf unzähligen europäischen Festivals und zählt zu den stärksten Livebands des Kontinents. Dahinter stecken Texte mit Tiefgang, die schon mal mit Unsicherheiten, Beziehungen und Widersprüchen ringen, während der Sound beste Laune macht. Dieses Mal wollten Marnix Dorrestein und Willem Wits ihre Bühnenenergie einfangen, nahmen fast alles in einem Take auf und machten einfach. „Sunset Riders“ profitiert davon hörbar.

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Julia Jacklin

Julia Jacklin – The Gem

Das vergangene Jahr stand für Julia Jacklin im Zeichen des Umbruchs. Nach drei Alben und jahrelang pausenloser Tour stand die Australierin ohne Plattenvertrag da, befand sich auf der Suche nach einem neuen Management und musste sich erstmals nicht mit großen Erwartungen auseinandersetzen. Diese gleichermaßen befreiende und beängstigende Zeit führte sie dazu, erstmals in Melbourne in einem Studio oberhalb ihrer Lieblingskneipe aufzunehmen. Nach einer letztlich verfrühten Listening Party merkte die Australierin, dass sie zu wenig daran dachte, ob ihr die neuen Songs auch wirklich gefallen. Elf weitere Monate Studioarbeit später steht nun „The Gem“ in den Startlöchern.

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Steaming Satellites

Steaming Satellites – The Great Lime Paradigm

Ein Grund zum Feiern: Salzburgs Indie-Institution Steaming Satellites veröffentlichte vor 20 Jahren ihr erstes Album. Seither erschienenen mehrere Platten, man tourte durch Europa und die USA und supporte unter anderem Portugal. The Man, White Lies und alt-J. Wenig überraschend wird das große Jubiläum mit frischem Stoff begangen, denn Stillstand hat keine Chance. Das soll auch die Musik zeigen, die sich vom Ballast der Welt befreien und der kargen Existenz die Stirn bieten will. Weniger Pop, mehr Gitarren und Kanten sollen ein wenig an den Garagen-Sound der Anfänge erinnern, ohne jüngere Entwicklungen zu ignorieren. Entsprechend bunt und dringlich gibt sich „The Great Lime Paradigm“.

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beabadoobee

beabadoobee – Pylon

Zu früh gefreut: Bea Laus glaubte endlich zu wissen, was es heißt, eine erwachsene Frau zu sein, und befasste sich auf „This Is How Tomorrow Moves“ mit dem Erwachsenwerden. Letztlich kam es doch anders, die Sicherheit löste sich in Schall und Rauch auf. Nun geht es darum, Unsicherheit und Verwirrung zu akzeptieren. Dafür wählt die als beabadoobee auftretende Songwriterin und Musikerin einen deutlich gitarrenlastigeren Ansatz und widmet sich vor allem Grunge, Midwest Emo und Radio Rock der 90er – etwas mehr Kanten zuletzt, ohne den poppigen Charme zu ignorieren. „Pylon“ stellt sich den Ängsten als Mittzwanzigerin gekonnt in den Weg.

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Team Dresch

Team Dresch – Furthermore

Obwohl sich Team Dresch bereits 1998 aufgelöst hatten, war die Queercore-Institution eigentlich nie so ganz weg gewesen. Binnen fünf Jahren hatten sie zwei Alben sowie diverse Singles und Sampler-Beiträge veröffentlicht, ab 2004 spielte man den einen oder anderen Reunion-Gig und veröffentlichte 2019 und 2020 sogar einzelne neue Songs. Das hier ist aber dennoch ein ganz anderes Kaliber: „Growing Underground“ ist ihr erstes Album seit 30 Jahren und macht das, was das nunmehr mit zwei Drummer:innen operierende Quintett am besten kann. Es setzt Punk, Rock, Songs über queere Kultur und ganz viele Ecken und Kanten für alle.

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Games We Play

Games We Play – I Wish I Never Quit

Zurück auf Start: Die vermeintlich beste Phase seiner jungen Karriere endete für Emmyn Calleiro mit einer Identitätskrise. Als Games We Play verlor er den Plattenvertrag mit seinem Lieblingslabel, seine Band zerfiel und nach Support-Slots für Fall Out Boy und Yungblud war er plötzlich wieder alleine unterwegs. Das klappte erstaunlich gut, wurde aber von einer Existenzkrise begleitet. Als Jungvater ging es darum, einen für sich und seine Familie sinnvollen weiteren Weg zu finden. Nachdem er seit seiner Jugend Hilfe hatte, schrieb er dieses Mal alle Texte selbst, arbeitete die Musik über ein Jahr hinweg aus und wagte sich über vermeintliche Pop-Punk-Limits hinaus. Das Ergebnis hört auf den Namen „I Wish I Never Quit“.

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Roomer

Roomer – Staircase Made Of Rope

Drei für sich aktive und kreative Musiker:innen, die rund um Folk, Elektronik und Avantgarde kreisen, finden für ein imposantes Ganzes einmal mehr zusammen. Nach dem packenden „Leaving It All To Chance“, das auf jahrelang live erprobtem Material beruhte, wollten Roomer bei ihrer nächsten Platte gleich einmal alles anders machen. Lockere Strukturen, First Takes und Improvisationen ergeben ein Werk, dass sie selbst als ‚lose Angelegenheit‘ bezeichnen. Das Trio aus Berlin möchte sich und seinen Sound, der sich rund um Shoegaze und Dream-Pop/Rock dreht, bewusst hinterfragen und auf die Probe stellen. „Staircase Made Of Rope“ schafft das auf eindrückliche Art und Weise.

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De Staat

De Staat – De Staat

Nach dem Abschluss ihres bunten Liederzyklus nahmen sich De Staat eine kleine Auszeit. Etwas kreative Regeneration war notwendig, nur um jetzt dem eigenen Bandnamen alle Ehre zu machen. Die niederländische Alternative-Institution widmet sich auf seinem siebten Studioalbum Themen wie Macht, Manipulation, Falschinformationen und Autokratie – als Reaktion auf die Zeichen der Zeit und Ausdruck jüngerer Entwicklungen. Begleitet von Kunstinstallationen und konzeptuellen Live-Shows, kann eine solche Platte selbstverständlich nur einen Namen tragen: „De Staat“.

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