Braxton Cook – Not Everyone Can Go

Ob als Sänger, Songwriter oder Saxofonist: Braxton Cook zählt zu den großen Jazz-Talenten dieser Zeit. Er spielte und tourte mit zahlreichen Größen, unterhält nebenher zudem eine Solokarriere, die ihn mit diversen anderen Musikern und Instrumenten zusammenbringt. So auch auf seinem nunmehr fünften Longplayer, der einmal mehr Jazz und RnB großzügig verbindet und sich dabei bewusst mit Veränderungen auseinandersetzt, speziell jenen als junger Vater. „Not Everyone Can Go“ erkennt, dass man sich von gewissen Hobbys und Interessen trennen muss, um Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben zu finden.
Und so verändert(e) sich die Bedeutung dessen, was als „My Everything“ verstanden wird. Der smoothe, gemächliche Track fließt regelrecht aus den Boxen und begeistert mit reichhaltigen Texturen, mit stimmlicher Intensität und doch jener zurückgenommenen Lässigkeit, die Cook wie nur wenige andere beherrscht. Das gelingt auch „BAP“, dessen Schlagzeug förmlich aus den Boxen schleicht und schließlich mit erstaunlicher Intensität zum zurückgenommenen Motor wird, rund um kleinere, verspielte Jazz-Improvisationen angesiedelt. Was sich wie ein Widerspruch liest, findet jedoch auf wundersame Weise zusammen.
In „My Sun“ entdecken Braxton Cook und Elijah Fox den Funk für sich, lassen diesen wieder und wieder aufbranden, während zartes Understatement eine frühlingshafte Note einbringt – ein Wechselbad der Gefühle, das keine großen Worte braucht. Das weiß auch „Kingdom Come“ mit seinem vertrackten Rhythmus, stets der gefühlten Eskalation nahe und doch voller Emotion. Oder „Zodiac“, Herzstück instrumentaler Improvisation, das jedes Instrument singen lässt. Im Vergleich dazu fällt der RnB von „I Just Want You“ mit dezenten 90s-Anleihen geardezu konventionell aus, was aber kein Fehler ist – wie auch das fast tanzbare „Weekend“ mit pulsierendem Basslauf und starkem Gastbeitrag von NNAVY.
Ein kleines Wunderwerk von einem Album in nahezu konstantem Fluss – mehr braucht es nicht zum vollkommenen Glück. Braxton Cook wandelt weiterhin zwischen den Welten und schüttelt dabei hypnotisierende Songs am laufenden Band aus dem imaginären Ärmel. Seine instrumentalen Jazz-Visionen entführen wieder und wieder in neue, aufregende Welten, während die eher dem RnB zuzurechnenden Beiträge mit Gesang direkt ins Herz gehen. Und dann wären da noch Zwischentöne in Hülle und Fülle, mit Brückenschlag und mutigen Ausritten in allerlei vermeintliche Grauzonen, die doppelt und dreifach mitreißen. „Not Everyone Can Go“ hat alles, was man sich von Cook erhofft – für die stillen, die lebhaften und die besonderen Momente, voller Songwriting-Herz und instrumentalem Talent.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 29.08.2025
Erhältlich über: Nettwerk Music Group
Website: www.braxtoncook.com
Facebook: www.facebook.com/braxtoncookmusic
