Pendulum – Inertia

15 Jahre zwischen zwei Alben, das ist ne Menge Holz. Für Pendulum ist es das Ende einer langen musikalischen Reise. Etwa zwei Jahre nach dem Release von „Immersion“ verabschiedete man sich in eine Pause auf unbestimmte Zeit. Nach und nach fand das australische Quintett wieder zusammen, über einen DJ-Gig und erste Festival-Auftritte bis hin zur ersten Tour. Obwohl bereits im Sommer 2014 über ein neues Album gesprochen wurde, begannen die tatsächlichen Arbeiten erst sechs Jahre später. Seither erschienen diverse Singles und EPs, nun nach und nach mit frischem Material als „Inertia“ vereint.
Mit „Driver“ eröffnet einer der ersten, ältesten Tracks aus diesem Releasezyklus das Album und serviert herrlich überdrehten, fieberhaften Drum’n’Bass mit einer gewissen Prodigy-Schlagseite, die auf dieser Platte immer wieder durchscheint – gerade im anschließenden „Come Alive“, das Howlett-Flair mit energischem Electro-Pop verbindet und den typischen Pendulum-Crossover-Sound bemüht. Das kann auch „Cannibal“, eine weitere vogelwilde Nummer. Gemeinsam mit den Electro-Punk-Duo Wargasm entstand dieser abgedrehte wie hypnotisierende Track. Ebenfalls ungewöhnlich ist „Mercy Killing“, das oberflächlichen DnB-Rave mit der furiosen Trap-Energie von Scarlxrd kombiniert. Das sollte eigentlich nicht zusammenpassen, macht aber Laune.
Allerdings haben Pendulum so und so noch nie übermäßig viel auf der Papierform nach stimmige Kollaborationen gegeben, wie ihre Zusammenarbeiten mit diversen Rock- und Metal-Acts in der Vergangenheit zeigten. Das gibt es natürlich auch hier: Bullet For My Valentine machen in „Halo“ mit und zeigen Matthew Tuck in screamender Bestform. In „Save The Cat“ wagt sich das Quintett selbst in Screamo-Gefilde vor und zerschießt einen bombastischen Track, den Mastermind Rob Swire nach zwei Trennungen schrieb. Auch der Rausschmeißer „Cartagena“ hadert mit dem Ende einer Beziehung, geht es jedoch deutlich melancholischer an, selbst inmitten hymnischer Synergien. Diese Ruhe am Dancefloor beherrschen Pendulum so und so prima – siehe und höre auch das dynamische „Colourfast“.
„Inertia“ ist ein Album-Comeback in bestechender Form geworden, das eine fünfjährige Serie spannender Releases mehr als gebührend abrundet. Hier ist wirklich alles dabei, was Pendulum auszeichnet. Die wütenden, fieberhaften Drum’n’Bass-Tracks schlagen ebenso ein wie die konstanten Crossover-Bemühungen. Metallisch hart, elektronisch verspielt, melancholisch bedächtig und sogar wortreich beatesk tankt sich das Quintett durch eine Fülle an Ideen, die trotz beträchtlicher Spielzeit von etwa 55 Minuten nie langweilen, nie überfordern. Pendulum bringen einmal mehr ihre ureigene Vision von Drum’n’Bass ein und holen ab der ersten Sekunde ab – eine Powerhouse-Platte, die nicht mehr loslässt.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 22.08.2025
Erhältlich über: Mushroom Music / Virgin Music Group / Integral
Website: pendulum.com
Facebook: www.facebook.com/pendulum
