Pool Kids – Easier Said Than Done

Starke Platte sucht(e) Label: Nach ihren ersten beiden Alben zwischen Emo, (Math) Rock und Pop waren Pool Kids erst einmal alleine unterwegs. Das Quartett aus Florida verließ sich auf seine DIY-Stärken und stemmte die Recording-Sessions durch die Ersparnisse ihrer jahrelangen Tourneen. Man wollte die Freiheit der kreativen Selbstbestimmtheit auskosten, probierte mit Mike Vernon Davis (Foxing, Great Grandpa), der bereits den Vorgänger produziert hatte, einiges aus, und überschritt vermeintliche innere Grenzen. Erst nach Abschluss wurde ein Partner gesucht und in Epitaph gefunden. Dem Punk verfällt „Easier Said Than Done“ aber keineswegs, ganz im Gegenteil.
Für musikalischen Stillstand bleibt kein Platz, das macht bereits der eröffnende Titelsong „Easier Said Than Done“ klar. Christine Goodwynes Stimme klingt wärmer und angenehmer denn je, die Pop-Texturen rücken weiter in den Vordergrund und treffen auf emotional aufwühlende Gitarren, die nur bedingt mit Emo zu tun haben. Dabei ein entsteht ein spannender, befreiender, introvierter Mittelweg mit charmantem Widerspruch. „Sorry Not Sorry“, befinden Pool Kids, und tasten sich vorsichtig durch den Vierminüter mit spätem Crescendo. Das konstante Hinarbeiten auf ein überlebensgroßes Finale bewegt im besten Sinne.
Zwingende, leidenschaftliche Songs mit dezenten Emo- und Math-Untertönen gibt es weiterhin, wie „Which Is Worse?“, dessen energisches und doch smoothes Auftreten unterhält. Kanten werden zwar nicht komplett geglättet, drücken komplizierte Gefühle jedoch gemäßigter aus. Das schafft auch das flotte „Bad Bruise“, das gerne mal richtig in die Vollen geht, sogar etwas Uptempo andeutet und den nächsten packenden Refrain auspackt. Den hat auch „Dani“, ein weiterer überlanger Song mit mächtigem Mittelteil inklusive dezenten Gaze-Anleihen. Pool Kids lassen den Track immer weiter anwachsen und bandeln mit wundervoller Melancholie an.
Keinesfalls verabschieden sich die Floridianer*innen von ihrem vertrauten Sound, denken diesen jedoch bewusst und gezielt weiter. Mehr Pop, mehr Melodie und mehr Wärme, das sind die gar nicht mal so geheimen Zutaten dieser elf Tracks, die in jeder Hinsicht größer und doch intimer klingen. Pool Kids mögen das Fragile und Heimelige dieses dritten Albums, das in jeder Hinsicht einen deutlichen Schritt nach vorne symbolisiert – ob Songwriting und Präsentation. Denn tatäschlich kann sich „Easier Said Than Done“ seinen unmittelbaren, herzensguten Charme behalten und denkt doch sämtliche Aspekte auf begeisternde, auf aufwühlende Weise weiter. Der Mut zum Risiko macht sich hörbar bezahlt.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 15.08.2025
Erhältlich über: Epitaph Records (Indigo)
Website: www.poolkidsband.com
Facebook: www.facebook.com/poolkidsband
