Lukas Oscar – Everything’s Built To Last

Mit gerade einmal 23 Jahren hat Lukas Oscar gefühlt bereits mehrere Musikerleben hinter sich. 2016 gewann er The Voice Kids, vier Jahre später schrieb er am bulgarischen Beitrag für den abgesagten Eurovision Song Contest, bevor 2022 die Solokarriere mit der ersten EP „Colors Of A Void“ langsam Fahrt aufnahm. Seither erschienen ein Album, zwei weitere EPs und diverse Songs, zudem supportete in Wien wohnende Fürstenfelder mit philippinischen Wurzeln so unterschiedliche Künstler wie Mark Forster, Khruangbin und L’Impératrice. Mit „Everything’s Built To Last“, seinem neuen Album, kündigt Oscar einen deutlich mutigeren, vielschichtigeren Pop-Ansatz an, der Normen hinterfragt, gerade mit unterstützendem Blick auf die LGBTQIA+ Community, und den Lärm im Kopf zur Ordnung ruft.
Die kurze Verschnaufpause, der bemühte Fokus, die klare Stimme im verwaschenen Wirrwarr – all das und noch viel mehr ruft „take a minute“ auf den Plan. Maximale Lo-Fi-Reduktion trifft eine simple wie unwiderstehliche Melodie und rückt die Stimmen in den Mittelpunkt – Oscars tiefen, ausdrucksstarken Gesang und den wertvollen Kontrast von Duettpartnerin Milune. Auch im anschließenden „LOWKEY LIFE“ regiert stimmliche Pluralität, wenngleich ganz anders. Im gemeinsamen Song mit Harry Dean Lewis und Joe Traxler kollidiert leidenschaftlicher, beherzter Gesang mit pointierten Raps, während der Beat durch das blubbernde Arrangement schneidet.
Forsche Beats beherrscht Oscar so und so prima. Da wäre beispielsweise „Onions“, dessen High-Speed-Intro etwas täuscht. Technoider Dauerdruck trifft auf zurückgelehnte, soulig angehauchte Vocals – clubtauglich auf der einen Seite, introspektiv auf der anderen. Hingegen erinnert ein „Lightheaded“ sogar ein wenig an James Blake – eine alles andere als neue Parallele, hier jedoch mit viel Herz und hektischer Atemlosigkeit aufgebrochen. Würde Archy Marshall leicht glitchigen Art-Pop machen, es könnte wie „Cereals“ klingen. Der Übergang von Singer/Songwriter-Ideen zu bedächtiger Entfremdung gelingt erstaunlich fließend.
„Whats next“, das nicht nur der perfekte Titel für den energischen, den Himmel unarmenden Rausschmeißer, sondern zugleich die richtige implizierte Frage für Lukas Oscar selbst. Der braucht keine halbe Stunde für frischen Pop-Wind der alternativ-immersiven Sorte und schwebt geradezu über den Dingen, wenngleich die Musik bei allen gerne mal unvorhersehbaren Ideen und Wendungen stets fest am Boden bleibt. „Everything’s Built To Last“ bemüht futuristische Vergänglichkeit, zeigt sich verletzlich, introvertiert und findet seine eigene Community, Zugehörigkeit und Rückhalt. Pop-Fluidity für übermorgen – Lukas Oscar schafft dieses beherzte, faszinierende Kunststück schon heute.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 30.01.2026
Erhältlich über: Eigenvertrieb
Website: www.lukasoscar.com
Instagram: www.instagram.com/lukasoscar
