ClickClickDecker – Wir waren immer schon da

Kurze Pause, langer Seufzer, Beinahe-Auflösung und triumphale Rückkehr: Die Jahre seit dem Release vom „Am Arsch der kleinen Aufmerksamkeiten“ waren für ClickClickDecker spannend, um es höflich auszudrücken. Verluste und Lebensumbrüche sorgten zudem für Veränderungen in der Musik, denn Kevin Hamann geht seine Texte weniger zynisch an und gibt sich fast schon sanft, altersmilde. Diese Klarheit bringt das Trio in eine halbe Stunde „Wir waren immer schon da“ ein, das gleichermaßen Platz für das Gemeinsame im Leben findet und doch immer wieder unterstreicht, dass der Status Quo dieser Welt eigentlich nicht in Ordnung ist.
Das Album beginnt mit „Am Ende“ und mit einem Angebot, mit Aufwind, mit Schicksal und Glück. Erst auf das Wesentliche reduziert, dann angenehm laut und lebensjahend in Band-Besetzung, entsteht drei Minuten lang ein magischer Moment, ein Statement in bestechender Form. „Auf dem Grund / Am Apparat“ ist mehr Ende als, nun ja, das anfängliche Ende. Hier zerbricht etwas, hörbar und spürbar, aber auch so eindringlich. Vielleicht aber ist „Dysfunktional“ die wirkliche Finalität, zugleich guter Zuspruch, versuchte Motivation, Kampf gegen die Resignation und das Streben nach schöneren Tagen. Alleine schon der Basslauf lässt jubilieren, der laute Schlussakt brennt sich ein.
Szenenwechsel: Babykot in der Fotobox und extraterrestrisches Leben am schönsten Tag im selbigen brechen die Assoziationskette des bezaubernden „Die permanente Gleichzeitigkeit der Dinge“ weit auf. Eine der schönsten Melodien der gesamten Platte brandet aus dem gefühlten Nichts auf und lässt den Song ganz zart, ganz vorsichtig machen. An anderer Stelle sucht das „BeduerfnisMonsta“ nach den Gemeinsamkeiten in den Gegensätzen, die sich letztlich doch magisch anziehen. Das bedarf voller Aufmerksamkeit, gerade wenn erklärt wird, Aufgeben sei keine Option. Damit ringt auch „Rumours & Prospekte“, möchte vielleicht sogar aufhören und hofft auf den Impuls, der alles besser macht.
Vielleicht nicht ganz so homogen wie die letzten Platte, vielleicht tatsächlich ’netter‘, und doch alles andere als gleichgültig, so kehren ClickClickDecker zurück. Und das auf wundervolle Weise, die den Blick auf Musik und Text fürstlich entlohnt. Das Songwriting wirkt fast schon erwachsen, wenn man denn das böse Wort verwenden möchte, auch wenn der Sturm noch ab und an drängt. Hingegen umweht die Lyrics ein Hauch bewusster Mehrdeutigkeit, die sich nicht immer gänzlich festmacheln lässt, die aber immer für Hochspannung sorgt, mit ihren schon mal unglücklichen Fügungen Herz und Hauptschlagader schneller schlagen lässt. „Wir waren immer schon da“ fühlt sich ab und an fast wie eine andere Band ein, ist immer ClickClickDecker und im Spagat großes Kino – auf dass sie auch gleich für immer hierbleiben wollen.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 26.09.2025
Erhältlich über: Audiolith Records (Broken Silence)
Website: clickclickdecker.tumblr.com
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