Howling Bells – Strange Life

Howling Bells
(c) David Titlow

Plötzlich war ein Jahrzehnt vergangen: Nach dem Release von „Heartstrings“ im Sommer 2014 waren Howling Bells von der Bildfläche verschwunden, eine ‚ungeplante Pause‘ soll der Grund gewesen sein. Juanita Stein veröffentlichte mehrere Soloalben, Bruder und Gitarrist Joel Stein rief Glassmaps ins Leben und tourte zudem gemeinsam mit Drummer Glenn Moule als Teil von Brandon Flowers‚ Solo-Band. Bei einer Reunion-Show 2022 war der alte Funke wieder da, die Australier:innen begannen neue Songs zu schreiben und haben nun das erste gemeinsame Album seit fast zwölf Jahren im Gepäck. „Strange Life“ klingt im besten Sinne in etwa so, als wäre die Zeit stehengeblieben.

Der beherzte und zugleich unverschämt eingängige Auftakt „Unbroken“ macht schnell deutlich, dass Howling Bells rein gar nichts an Magie eingebüßt haben. Butterweiche Vocals, feine Harmonien und kratzige Gitarren pendeln irgendwo zwischen Indie, Alternative, Shoegaze und einer dezenten Prise Pop. Am Chorus kann man sich nicht satt hören. Hingegen geht es „Melbourne“ etwas flotter an, wirft den Blick auf die Heimat und ist flott dorthin unterwegs. Wie die singende, leicht grantige Gitarre zwischenzeitlich das Heft in die Hand nimmt und mit einer zittrigen, dennoch selbstbewussten Hook nicht mehr aus dem Kopf geht, macht absolut Laune.

In „Sweet Relief“ ist das Herz glücklicherweise nicht mehr schwer, dafür fällt das Trio mit aller gebotener Vehemenz in die Garage ein und tobt sich aus. Das dreckige Lead-Riff stünde dem Black Rebel Motorcycle Club bestens zu Gesicht, der leicht psychedelische Einschub mittendrin geht nicht mehr aus dem Ohr. Ein paar Türen weiter wagt „Angel“ ein seltsames Tänzchen und verbindet Dream-Pop mit Chamber-Chic und Post-Grunge-Gitarren. Verspielte Melodik und verschlepptes Drumming passen ebenso gut zusammen wie die beherzt aufheulende Solo-Gitarre. In „Light Touch“ finden sämtliche Qualitäten dieses Albums zusammen – kraftvoll, beherzt, flüchtige Blicke auf die Schuhspitzen werfend und dabei doch angenehm forsch.

Es mag mittlerweile ein klischeebehafteter Satz sein, könnte aber kaum besser zutreffen: Howling Bells klingen, als wären sie nie weg gewesen. Diese 33 Minuten haben alles, was man sich von diesem Trio erhoffen konnte – feinsinnige Melodien, leichter Pop-Charme, kantige Gitarren, Gaze-Chic, verträumte Ausflüge und beherzte Riffs in Hülle und Fülle. Jeder der elf Songs auf „Strange Life“ macht Laune, zudem klingt ihr Sound aktueller denn je, weil sich mittlerweile verschiedene Bands in ähnlichen Gefilden aufhalten. Dieses Studio-Comeback von Howling Bells zaubert ein dickes Lächeln auf die Lippen und öffnet weiteren Releases hoffentlich Tür und Tor.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 13.02.2026
Erhältlich über: Nude Records

Facebook: www.facebook.com/howlingbells