Idlewild – Idlewild

Anfang der 2000er hatten sich Idlewild dem verdienten Durchbruch angenähert, als es „The Remote Part“ in die Top 3 schaffte, mit Gold ausgezeichnet wurde und die einzige UK-Top-10-Single abwarf. Zwar schafften es die Schotten, was die Verkaufszahlen betrifft, nie ganz in die erste Liga, konnten mit ihrem vielschichtigen Indie-Sound dennoch anhaltend begeistern. Selbst eine längere Pause zwischendurch konnte dem Quintett nichts anhaben. Auch auf ihrem zehnten Album ziehen sie ihren Stiefel durch. „Idlewild“ entstand im Studio von Gitarrist Rod Jones, der sich auch um den Mix kümmerte, und konzentriert sich auf altbewährte Qualitäten.
Das mächtige Eröffnungstrio, das durch die Bank vorab ausgekoppelt wurde, umreißt diese neue Platte hervorragend. Erst stampft „Stay Out Of Place“ laut und selbstbewusst auf, beweist Anmut und Intensität, aber eben auch jene poppigen Hooks, die Idlewild seit jeher auszeichnen. Roddy Woomble singt so kraftvoll und mitreißend wie eh und je, verleiht jeder kleinsten Melodie zusätzlichen Tiefgang. Danach geht „Like I Had Before“ flott und hibbelig nach vorne und macht klar, wo sich The K’s einige ihrer Trademarks abgeschaut haben. Fieberhaftes Schrammeln und ein breites Grinsen gehen perfekt Hand in Hand. Schließlich widmet sich „It’s Not The First Time“ getragenen Tönen und verbindet Melancholie mit einer hauchdünnen Schicht Zuckerguss. Auch das klappt prima.
Die schreiende Gitarre in „I Wish I Wrote It Down“ verfügt über eindrucksvolle Präsenz. Dass sich dahinter eine eher zurückgenommene, grundsympathische Nummer befindet, passt ins Bild. „End With Sunrise“ strebt tatsächlich dem Sonnenaufgang entgegen, vermittelt Aufbruchstimmung und geht mit Elan nach vorne. An anderer Stelle überrascht „Make It Happen“ mit einem Riff aus der Garage, das etwas an die Anfangstage erinnert. Die bekömmliche, tanzbare Dampfwalze macht Laune und haut im richtigen Moment einen zweiteiligen Refrain raus, der mindestens so groß ist wie sich „(I Can’t Help) Back Then You Found Me“ anschmiegsam und zugänglich gibt.
Etwas Spagat gehört bei Idlewild einfach dazu, und das ist auch mittlerweile drei Jahrzehnte nach ihren ersten Gehversuchen weiterhin sympathisches, willkommenes Trademark. Ihr eponymes Album hat keine großen Bestrebungen, Neuland zu betreten, sondern konzentriert sich einfach ’nur‘ auf die Stärken – und das ist eine wunderbare Sache. Auf „Idlewild“ gibt es alles zu hören, was die Schotten auszeichnet, vom energisch schrammelndem Rock über die getragene Melancholie bis hin zu einem bunten Strauß an Hooks und Melodien, denen man sich weder entziehen kann noch will. Einmal mehr liefern Idlewild auf den Punkt ab und hauen zehn neue kleine Ohrwürmer raus, an denen man sich kaum satt hören kann. Mehr braucht es nicht zum Indie-Glück.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 03.10.2025
Erhältlich über: V2 Records (Bertus)
Website: idlewild.co.uk
Facebook: www.facebook.com/IdlewildTheBand
