Pain Magazine – Violent God

Pain Magazine
(c) Jodie Roszak

Mitten im Winter gingen das französische Post-Hardcore-Trio Birds In Row sowie das französisch-amerikanische Industrial-Techno-Duo Maelstorm & Lousiahhh gemeinsam ins Studio. Einfach mal machen und schauen, was dabei rauskommt, das war der ursprüngliche Plan. Aus einem ersten Track wurde schnell ein gemeinsames Album. Pain Magazine klingen in etwa so, wie man sich das ob der beteiligten Musiker erwartet – laut, aufbrausend, heavy, aber auch unterkühlt und synthetisch. All das wird schon bald auf die Bühne gebracht. Bis dahin hält der Einstand „Violent God“ bei Laune.

Der wütende, furiose Opener trägt ebenso den Titel „Violent God“ und beleuchtet eine von vielen Facetten dieser Platte. Lousiahhhs aggressive und zugleich erstaunlich erschöpfte Vocals ringen um so etwas wie Fassung inmitten purer Verzweiflung, während schroffe Industrial-Klanglandschaften das Heft in die Hand nehmen. Zunehmende Art-Rock-Anteile in der zweiten Hälfte lassen beide Welten mehr und mehr zusammenfinden. Das geschieht wie „Magic“, wobei die nervöse Energie des gleichnamigen Tracks ebenfalls nicht von schlechten Eltern ist. Noisiger Industrial-Punk legt den Grundstein für ein kurzes, knackiges Fragment, dessen Getriebenheit Eindruck hinterlässt.

In „Choke Points“ wagt sich das Quintett fast zu weit hinaus, lässt sich durch über sechs Minuten raue See treiben und eine Fülle teils hochgradig konträrer Eindrücke auf das Gemüt regnen. Das ist vielleicht zu viel, macht dafür beispielsweise das Understatement von „Horse Song“ doppelt und dreifach schön. Hier kommen die Stimmen beider Projekte zusammen und überraschen mit großen Harmonien. In „Dead Meat“ drängen Birds In Row hingegen stärker denn je an die Oberfläche und nähern sich fast klassischen Post-Hardcore-Gefilden, bevor eine Fülle an Silben in die Knie zwingen. Dort wartet bereits „Weak And Predatory“ und gibt dem Gefühlshaushalt mit wummerndem Beat den Rest.

Eine überfordernde Dreiviertelstunde später bleiben viele Rätsel zurück, aber auch großes Staunen. Was auch immer hier eben passiert ist, das Ergebnis spricht für sich. Birds In Row scheinen immer wieder etwas in den Hintergrund zu rücken, womit man ihnen jedoch Unrecht tut. Sie sorgen für das rastlose, brodelnde Fundament, übernehmen in ausgesuchten Momenten die Führung und tun das mit gewohnter Intensität. Maelstorm & Lousiahhh drücken hingegen weiten Teilen der Platte ihren Sound-Stempel auf, und das macht ebenso Laune. „Violent God“ mag die unterkühlte, industrielle bis technoide Urgewalt, die konzentrierte Erforschung musikalischer Zwischenräume und das kuriose Aufeinanderprallen zweier nur auf den ersten Blick widersprüchlicher Welten – ein packender Einstieg mit erstaunlichem Suchtfaktor.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 03.10.2025
Erhältlich über: Humus Records (Bertus)

Bandcamp: painmagazine.bandcamp.com
Instagram: www.instagram.com/painmagazineband