Zhaat – Other Prophets

Bei Zhaat finden die Puzzleteile automatisch zusammen. Das Quartett aus Leipzig wählte ein vermeintliches Fantasiewort, das mystisch, wertfrei und ohne jegliche Einschränkungen sein sollte. Letztlich handelte es sich doch um einen Begriff aus dem Arabischen, der so viel wie „Essenz“ oder „das Innerste“ bedeutet – mehr als passend. Man gönnte sich erst einmal Zeit, um den eigenen Sound zu kultivieren, ohne etwas übers Knie zu brechen. Ihr erstes komplettes Album nahmen sie in Eigenregie auf, den Mix übernahm Coogans Bluff-Drummer Charlie Paschen, bevor Noisolution zugriff, als die Platte schon im Presswerk war. „Other Prophets“ ist aber so viel mehr als ’nur‘ das Produkt glücklicher Fügungen.
Macht der Sound auch glücklich? Auf jeden Fall, wenngleich man sich die acht Tracks erst erarbeiten muss. Denn Zhaat spielen so etwas wie Stoner Rock für Fortgeschrittene, der nicht so übermäßig viel mit dem Genre an sich zu tun hat, der gerne mit Doom, mit Psychedelia, Post-Hardcore und eher mit Oriental-Subgenres assoziierten Klängen anbandelt. Case and point: „The Essence“, vom Bandnamen wohl inspiriert und richtig schön heavy, aber auch bewusst derb. Hier wird ein unwirtliches Level an Distortion erreicht, so roh und unmenschlich wie möglich, während die orientalischen Melodien und Rhythmen dadurch um Welten eindringlicher und packender wirken – ein spannender Spagat.
Der Vorbote „Kante“ fährt hingegen mit voller Vehemenz aus den Boxen und überrollt ab der ersten Sekunde. Wütende Vocals, Post-Hardcore-Intensität und martialische Urgewalt erinnern sogar ein wenig an diverse Phasen von Cave In, während die spitzen Schreie der Verzweiflung das innere Gleichgewicht mit Füßen treten. Da wird man schon mal zum „Maniac“ – eine weitere ungewöhnliche Episode, stellenweise wie Spoken Word vorgetragen, während das Arrangement von einem Extrem zum nächsten fließt und die Luft anhält. Hingegen erinnert „Ramses“ stellenweise tatsächlich ein klein wenig an die Wüste, aber eben auch an psychedelische Grenzerfahrungen.
Was Zhaat hier exakt machen, lässt sich nicht unbedingt mit letzter Sicherheit sagen, doch macht im Endeffekt genau das dein Reiz ihres ersten Albums aus. Ja, Stoner Rock ist ein Eckpfeiler und wurde ausführlich behandelt, doch gehen die Herren aus Leipzig im Grunde ihren komplett eigenen Weg, der von der ersten bis zur letzten Sekunde vollends fasziniert und nicht so schnell loslässt. Die rohe, kompromisslose Wucht, das bewusste Aufbrechen vorhersehbarer Strukturen, die orientalischen Einflüsse und die psychedelischen Ausflüge machen „Other Prophets“ zu einem ungewöhnlichen und einzigartigen Werk, das sich seine eigene Nische schafft und sich dort mit wachsender Begeisterung austobt. Schräg, urgewaltig und immer faszinierend – Zhaat wollen, nein, müssen gehört werden.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 02.10.2025
Erhältlich über: Noisolution (Edel)
Website: zhaat.com
Instagram: www.instagram.com/zhaatband
