Moscoman – Caviar

Moscoman
(c) Moscoman

Nach diversen recht elektronischen Platten wollte DJ, Produzent und Disco Halal-Labelchef Moscoman etwas anders machen. Organische Klänge mit Bandsound, live reproduzierbar und weit weg von reiner Tanzmusik, wurden zum erklärten Ziel. Über zwei Jahre wurde neues Material geschrieben und aufgenommen, unterstützt durch zahlreiche Partner. Die Mission: Nostalgie trifft moderne Produktion. Ein klassischer, warmherziger Sound sollte eine Frischzellenkur bekommen und sich zugleich wie eine Art musikalischer Roadtrip anfühlen. „Caviar“ sorgt tatsächlich für spannendes und willkommenes Umdenken im Hause Moscoman.

Zu den unbestrittenen Highlights zählt das mit SCUDFM umgesetzte „Low Blood Sugar“, das gleich mehrere Ideen zusammenholt – rhythmisch erstaunlich hektisch und getrieben, dazu herrlich jazzige Untertöne und ein Schwall an Silben wie ein ausatmender Karl Hyde. Selbst im butterweichen, dezent beseelten Einschub bleibt die Getriebenheit greifbar und brennt sich sofort ein. „Nevermind“ verstärkt die Mission, Elektronik und Synthetik mit Indie-Charme zu verbinden. Das tiefe Murmeln von The Golden Dreggs fährt durch Mark und Bein, während das übrige Arrangement mit erstaunlicher Leichtigkeit durch höchste Höhen und vermeintliche Talsohlen flirrt.

Es geht übrigens auch ohne Gäste, siehe und höre „Reflecting On You“. Hier schleichen sich die Vocals nahezu an, scheinen sich zurückzulehen und wirken selbst im verwaschenen Umfeld mit Gaze-Einschlag angenehm konkret. Der Titelsong „Caviar“ entpuppt sich hingegen als kleine Fanfare, die in der zweiten Hälfte an modernere New Order erinnert, ein wenig krafty ums Eck kommt und ein dickes Lächeln auf die Lippen zaubert. Hingegen ringt „Ends Well“ mit erstaunlicher Schwere, während Talee ominöse Vocals durch pulsierende Basslines und vorwitzige Synths drückt. Auch die grandiosen Coma geben sich ein kleines Stelldichein und bereichern das vornehm unterkühlte „Ride“.

Das hier ist anders, das hier ist ungewöhnlich, das hier ist großes Kino: „Caviar“ ist vielleicht nicht exakt das, was man sich von Moscoman erwartet hat, was aber absolut passt. Der insgesamt vollere Sound mit Live-Atmosphäre steht ihm richtig gut zu Gesicht, die zahlreichen Mitstreiter machen ihre Sache gut und auch die Vielfalt, die imposante Abwechslung weiß zu unterhalten. Auch kann der angestrebte Indie-Ansatz wunderbar erfüllt werden – angenehm alternativ, ohne dabei das Händchen für Hooks und Melodien zu verlieren, im richtigen Moment energisch und kraftvoll. Moscoman denkt sich und seine Musik auf spannende Weise weiter und wird die neue Platte entsprechend mit Band betouren. Darauf darf man sich jetzt schon freuen.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 12.09.2025
Erhältlich über: Love Buzz / Disco Halal (Bertus)

Facebook: www.facebook.com/moscoman