Schlagwort: Electro-Pop

Delilah Holliday

Delilah Holliday – Fat Cat

Eine Zeit unfassbaren Schmerzes liegt hinter Delilah Holliday. Während ihrer Schwangerschaft verstarb erst ihr Onkel Simon, der für sie wie ein Mentor war, dann die geliebte Großmutter. In dieser Phase entstand der Großteil ihres ersten Albums, kurz darauf verlor sie ihr ungeborenes Kind. Nicht in Worte zu fassender Schmerz und tiefste Trauer wurden in pointierten Sozialkommentar verwandelt, eine Kritik moderner Gesellschaftsstrukturen und kapitalistischer Institute, semi-autobiographisch verarbeitet. „Fat Cat“ setzt sich auch musikalisch ähnlich roh und immersiv über Grenzen hinweg und findet eine eigene Sprache.

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HMLTD

HMLTD – FANGS

Eigentlich hielten HMLTD nur ein Jahr nach dem Release von „The Worm“ bereits ein komplettes Album in den Händen. Man verwendete so ziemlich den gesamten Vorschuss der Plattenfirma, um eine Indie-Platte in klassischer Bandbesetzung aufzunehmen, die sich mit einer besonders traumatischen Trennung im Leben von Sänger Henry Spychalski befasste. Die Band hasste das Ergebnis, kam mit dem konservativen, in Selbstmitleid ertrinkenden Ergebnis nicht zu recht und wollte stattdessen den kunstvollen, subversiven Weg der Vorgänger fortsetzen. Das Ergebnis heißt „FANGS“ und geht in eine komplett andere Richtung.

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Kaktus Einarsson

Kaktus Einarsson – Factoid Happiness

Glück und Freude – was das genau ist, beschäftigt Kaktus Einarsson seit geraumer Zeit. Der Musiker und Songwriter aus Island konzentriert sich auf seinem dritten Album darauf, wo man Happiness (angeblich) finden kann. Vermeintliche Wege zur Fröhlichkeit gibt es viele, als bloße Halbwahrheiten verkauft, von Algorithmen bestimmt und letztlich doch oft nur davon abhängig, ob man daran glaubt. Was sich zugegebenermaßen verkopft und abstrakt liest, liefert die durchaus philosophische Basis für „Factoid Happiness“, ein Werk über die Herausforderungen und Reizüberflutung des modernen Lebens, die Kommodifizierung des Glücks und der Schönheit des Gemeinsamen.

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CEVIL

CEVIL – Favourite Girl

Großartige, elektronisch befeuerte Popmusik aus Dänemark ist immer ein Grund zur Freude – man denke an Oh Land, When Saints Go Machine oder MØ. CEVIL könnte schon bald in diese Phalanx vordringen. Die 28jährige Sängerin, Songwriterin und Produzentin machte Ende 2024 mit der EP „FREAK“ von sich reden – gefühlvoll, aber zugleich schroff und sehr eigenwillig. Diesen Weg ging sie erfolgreich weiter, hatte zahlreiche Radiohits und landete am Radar diverser Tastemaker. Das erste Album „Favourite Girl“ hat ein Herz für Extreme und lässt Selbstzweifel, Verlangen, Überforderung und Verliebtheit gleichberechtigt nebeneinanderstehen.

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Olafur Mowa

Olafur Mowa – Post Internet Era

Ist das Internet tatsächlich tot? Seit geraumer Zeit grassieren Theorien, dass weite Teile des Web und der Diskussionen in sozialen Medien und Kommentarspalten von Bots geführt werden, von Unmengen an Werbung (YouTube ohne entsprechende Block-Technologie ist … eine Erfahrung) und künstlicher Intelligenz ganz zu schweigen. Olafur Mowa befasst sich auf seinem ersten Soloalbum mit der Zeit danach. Neben GiGi Blow hatte er Bock, auch mal den einen oder anderen Track ohne Partybezug zu schreiben, über Coming of Age jenseits der Teenagerzeit. Musikalisch zwischen unzähligen Genres und Epochen angesiedelt, kultiviert „Post Internet Era“ den Charme des Seins im digitalen Zeitalter.

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LA Priest

LA Priest – Into The Sky

Ob als Teil der viel zu früh aufgelösten Late Of The Pier, mit Soft Hair oder nun als Solokünstler: Wo Sam Eastgate aufschlägt, wird es immer spektakulär. Als LA Priest werden Pop und Elektronik gerne aufgebrochen, mit psychedelischer Sinnsuche und mutigen Experimenten verbunden. Das war bislang stets künstlerisch wertvoll, aber nur selten zugänglich. Mit dem neuesten Solostreich könnte sich das ändern, nicht zuletzt dank tatkräftiger Unterstützung durch Boys Noize, die zuletzt unter anderem mit Nine Inch Nails für Aufruhr sorgten. „Into The Sky“ klingt so direkt und zugänglich wie nie zuvor und dabei fast leichtfüßig.

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James Ellis Ford

James Ellis Ford – Lost In Another World

Selbst wenn man gerade keinen zur Hand hat, kann man vor James Ellis Ford nur den Hut ziehen. Als Teil von Simian Mobile Disco und The Last Shadow Puppets bleibt er musikalisch umtriebig, produziert Größen wie Pet Shop Boys, Depeche Mode und Gorillaz, und schreibt nebenher auch noch den einen oder anderen Solosong. Anfang 2025 wurde bei ihm eine aggressive Form von Leukämie entdeckt, mehrere Chemotherapie-Zyklen folgten. Der Antrieb, dennoch Musik zu machen, erfolgte nach eigenen Angaben aus purer Langeweile. Binnen zwei Wochen – im Krankenhaus, auf Station, bei Blutdruckmessungen – entstand „Lost In Another World“, sein zweites Soloalbum.

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Panda Bear & Sonic Boom

Panda Bear & Sonic Boom – A ? of WHEN

Wenn Panda Bear und Sonic Boom zusammenkommen, wird es schräg, spektakulär und eingängig. „Reset“, das 2022 erschienene, erste gemeinsame Album von Noah Benjamin Lennox (Animal Collective) und Peter Kember (Spacemen 3), brachte Loops und Samples längst vergangener Pop- und Rock-Tage für etwas komplett Neues, Kunstvolles, leicht Anderweltliches zusammen. Im Laufe der Jahre trugen die beiden verschiedenste Ideen aus aller Welt zusammen – von mexikanischen Mariachis bis zum Jodeln aus der Schweiz. „A ? of WHEN“ verschmilzt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, begleitet von deutlichen Kommentaren zu den politischen, gesellschaftlichen und ökologischen Hindernissen im Hier und Jetzt.

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HEALTH

HEALTH – Addendum

Einmal mehr steht für HEALTH das Ende einer Ära an. Dieses Mal ist es der Releasezyklus rund um die beiden Geschwisteralben „Rat Wars“ und „Conflict DLC“, der nun abgeschlossen wird. So etwas wie Resteverwertung kommt den Noise-, Industrial- und Electro-Meistern aber keinesfalls in den Sinn. Ihr neuestes Mini-Album verbindet vergangene prominente Kollaborationen mit diversen anderen Tracks. Oder wie es die Band auf den Punkt bringt: „Das Müll-Jahrzehnt geht weiter“. Von Schrott ist „Addendum“ aber meilenweit entfernt, sondern findet eine Art musikalischen Mittelweg der letzten beiden Platten, kleine Überraschungen inklusive.

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Robyn

Robyn – Sexistential

In einer Zeit grober Einschnitte und persönliche Veränderungen kann die Rückkehr zu Vertrautem Wunder wirken. Nach dem etwas clubbigeren „Honey“ ging es für Robyn erst in eine kleine private Pause, die letztlich zur Neuausrichtung führte. Ihren im Sommer 2023 geborenen Sohn zieht sie alleine groß, zudem beschäftigten sie Themen wie Identität, Intimität, Sexualität, Unabhängigkeit und Nähe intensiv. Die Arbeiten am mittlerweile neunten Studioalbum begannen bereits 2020, als die Welt die Grenzen dichtmachen musste, was zur Zusammenarbeit mit schwedischen Weggefährten fühte. Und doch klingt „Sexistential“, die Rückkehr zu typischen Popsongs, alles andere als gewöhnlich.

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