Caskets – The Only Heaven You’ll Know

Caskets
(c) Oli Duncanson

Musikalben als therapeutische Aufarbeitung gibt es vermutlich mehr als man denkt, manches Mal gehen die Künstler aber auch offen mit den emotionalenen Hintergründen um. Oft geht es dann um die Aufarbeitung zerbrochener Liebesbeziehungen oder um Trauerbewältigung nach dem Tod eines nahestehenden Menschen. Das Musterbeispiel für die zweite Variante ist „Holy Hell“, mit dem die britische Core-Band Architects den Tod ihres langjährigen Gitarristen verarbeiteten. Einen ähnlichen Weg gehen nun die musikalisch wie auch von der Herkunft ähnlich gelagerten Caskets. Wobei das Post Hardcore-Quartett aus Leeds auf ihrem dritten Album „The Only Heaven You’ll Know“ zwar keinen Todesfall zu verarbeiten hat, den Hörer aber dennoch in die tiefen Abgründe des eigenen Daseins entführt.

Frontmann Matt Flood spricht offen darüber, dass die Songs des neuen Albums den Zweck haben, das ihn umgebende Chaos zu verarbeiten, gleichzeitig aber auch der Selbstfindung dienen, um sich aus dem selbstgeschaffenen Gefängnis zu befreien und um die eigene Identität freizulegen. Diese Thematik durchzieht das gesamte Werk, beginnend mit der wuchtigen Metalcore-Hymne „Lost In The Violence“, die zu gleichen Teilen aggressive wie melancholische Passagen aufweist. Etwas ruhiger, aber nicht weniger intensiv setzt sich das Album mit „Our Remedy“ fort. Der Titel wurde gemeinsam mit Make Me Suffer aufgenommen, die im Mittelteil für einen ziemlich fiesen Breakdown sorgen. Endgültig alle emotionalen Dämme brechen dann beim Titelsong „The Only Heaven You’ll Know“. Der Song mag kommerziell, ja beinahe schon poppig aus den Boxen schallen, doch dahinter verbirgt sich deutlich mehr Fundament, als man beim ersten Hören glauben mag.

In elektronische Gefilde wagen sich Caskets bei „Closure“ – zumindest in den Strophen, der Refrain bewegt sich in klassischen Post Hardcore-Gefilden. Das eher ruhige „Sacrifice“ kann das bisher sehr hohe Level dann leider nicht ganz halten und schielt doch etwas zu sehr in die Pop-Ecke. Glücklicherweise geht es mit „What Have I Become“ anschließend wieder in die Vollen – die Uptempo-Hymne entpuppt sich als emotionales Meisterwerk mit Ohrwurmcharakter. Unter den übrigen Songs ist unbedingt noch das wuchtige Metalcore-Doppelpack „Escape“ und „In Vein“ positiv zu erwähnen, während sich die Truppe auf der anderen Seite bei „Save Us“ leider noch ein zweites Mal in allzu seichte musikalische Gewässer begibt.

Fans des Caskets-Debütalbums „Lost Souls“, die vom etwas zu laschen Nachfolger „Reflections“ enttäuscht waren, können aufatmen. „The Only Heaven You’ll Know“ schließt qualitativ an die Stärken des Erstlingswerks an und entpuppt sich als emotionale Reise durch die dunkleren Seiten der Gefühlswelt des Bandkopfs. Wären die zwei etwas zu seichten Beinahe-Pop-Nummern nicht, hätten wir es hier mit einem Highlight auf ganzer Linie zu tun. Doch auch in der vorliegenden Form ist die Scheibe allen Freunden emotionaler Post Hardcore-Klänge mit leichter Metalcore-Schlagseite absolut zu empfehlen. Ab dem 30. November 2025 begeben sich Caskets für wenige Shows in den deutschsprachigen Raum, wo die neuen Kracher dann auch live begutachtet werden können.

Wertung: 4,5/5

Erhältlich ab: 07.11.2025
Erhältlich über: SharpTone Records (Warner Music)

Website: www.casketsofficial.com
Facebook: www.facebook.com/casketsbandofficial