Autor: Verena Riedl

Beartooth

Beartooth – Pure Ecstasy

Vom brutalen Seelenstriptease zum kollektiven Befreiungsschlag: Wer den Weg von Beartooth in den letzten zehn Jahren verfolgt hat, weiß, dass diese Band nie bloß Musik gemacht, sondern pure, ungefilterte Psychotherapie betrieben hat. Was 2012 in Columbus, Ohio, als persönliches Soloprojekt von Mastermind Caleb Shomo (ehem. Attack Attack!) begann, mutierte rasant zu einer der absolut prägenden Konstanten im modernen Metalcore. Das Besondere an der Truppe? Shomo schreibt, produziert und instrumentiert die Alben traditionell fast komplett im Alleingang im Studio – Beartooth fungieren erst live als komplette Band. Seit dem Debütalbum haben sich Beartooth deutlich weiterentwickelt hin zu einem Sound, der den Schmerz nicht mehr nur erträgt, sondern ihn in stadiontaugliche Hymnen voller Lebensmut verwandelt. Genau an diesem Wendepunkt zwischen emotionalen Extremen, neuer Härte und unerwartetem Licht setzt das nächste Kapitel an, denn dieser Tage veröffentlichen Beartooth „Pure Ecstasy“, ihr sechstes Studioalbum und gleichzeitig das erste bei Fearless Records.

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Moonspell

Moonspell – Far From God

13 Alben, endlose Metamorphosen und eine Band, die das Genre wie kaum eine andere geprägt hat: das portugiesische Quintett Moonspell meldet sich nach fünf Jahren ohne Studioalbum endlich eindrucksvoll zurück. Nach legendären Genre-Highlights wie den Gothi-Metal-Perlen „Irreligious“ und „Night Eternal“ und dem etwas elektronischeren „Extinct“ schlägt die Band nun das nächste düstere Kapitel auf. Musikalisch stehen Moonspell anno 2026 weder für den Black Metal der Anfangstage noch für die experimentellen Klänge, die sie besonders um die Jahrtausendwende herum bedient hatten. Im Gegenteil: Das neue Album „Far From God“ ist ein absolutes Musterbeispiel für reinrassigen melodischen Gothic Rock und Metal – eine emotionale Achterbahnfahrt durch die Welt der Schatten inklusive.

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Lex Legion

Lex Legion – Lex Legion

King Diamond ohne King Diamond – so könnte man die Heavy-Metal-Newcomer von Lex Legion mit einem Augenzwinkern beschreiben. Die Band setzt sich nämlich zu vier Fünfteln aus King Diamonds Begleitband Ende der 1980er Jahre zusammen. Neben den legendären Namen Andy LaRocque und Mikkey Dee gehören auch Pete Blakk und Hal Patino zur neuen Band. Den Gesang hat mit Nils K. Rue (Pagan’s Mind, Ex-Eidolon) ein weiterer Hochkaräter übernommen, sodass es sich hier um eine echte All-Star-Band handelt. Dass das skandinavisch/US-amerikanische Quintett sich düster angehauchtem Heavy Metal mit leichter US-Metal-Schlagseite verschrieben hat, ist angesichts des Line-ups wenig verwunderlich. Fraglich ist eher, ob das Material des Debütalbums „Lex Legion“ den hohen Erwartungen gerecht werden kann – oder ob hier nur alter Ruhm aufgewärmt wird.

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Melechesh

Melechesh – Sentinels Of Shamash

Nach fast einem Jahrzehnt der Funkstille melden sich Melechesh endlich aus der Versenkung zurück. Das ursprünglich in Israel von Bandkopf Ashmedi gegründete und heute in den Niederlanden ansässige Quartett gilt als Pionier des Sumerian Black Metal. Während ihr 2006er Meilenstein „Emissaries“ bis heute als unerreichtes Karriere-Highlight thront, markierte das letzte Lebenszeichen im Jahr 2015 den Beginn einer quälend langen Pause. Mit der neuen EP „Sentinels Of Shamash“ bricht die Band nun das Schweigen und beweist, dass ihr markanter Mix aus okkulter Raserei und nahöstlicher Mystik nichts von seiner Faszination verloren hat.

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Akem Manah

Akem Manah – Threnodies

Vierzehn Jahre Funkstille – das ist selbst für eine dem schleppenden Sound zugewandte Doom Metal-Band eine lange Zeit. Doch tatsächlich ließen Akem Manah, eine Formation aus dem flämischen Teil Belgiens (die nicht zu verwechseln sind mit der US-amerikanischen Band gleichen Namens) so lange Zeit, um sich nun endlich mit ihrem neuen Album „Threnodies“ zurückzumelden. Das Quartett, das sich nach dem zoroastrischen Dämon des „bösen Denkens“ benannt hat, konnte mit seinem Debütalbum „The Testament Of Sealant Mound“ 2010 für einige Aufmerksamkeit sorgen, doch danach gab es bis auf eine EP wenig zu hören. Die Rückkehr der Band stellt sich auch deswegen als unglaublich spannend heraus, da „Threnodies“ mehr ist als nur ein Album – es ist ein zehnteiliger Zyklus menschlichen Zerfalls, der den Hörer direkt in die Leere führt.

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Myrath

Myrath – Wilderness Of Mirrors

Vielerorts werden Myrath immer noch dem Progressive Metal zugeordnet – selbst Wikipedia beharrt hartnäckig auf diesem Eintrag. Dabei hat das tunesisch-französische Quintett spätestens mit „Shehili“ den Kurs endgültig Richtung Symphonic Power Metal korrigiert, ohne jedoch ihren ungemein spannenden orientalischen Einschlag zu verlieren. Genau diese Wurzeln waren es, die den Sound der Band stets so besonders machten. Auf dem 2024 erschienenen Vorgänger „Karma“ wurde dieser Ethno-Fokus jedoch zugunsten einer klareren Power-Metal-Kante zurückgefahren, was in der Fanszene für Diskussionsstoff sorgte. Das dieser Tage erscheinende Album „Wilderness Of Mirrors“ steht dementsprechend unter besonderer Beobachtung: Es wird verdeutlichen, in welche Richtung sich Myrath musikalisch entwickeln.

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Axel Rudi Pell

Axel Rudi Pell – Ghost Town

Manche Dinge im Leben sind so beständig wie die Gezeiten – und im deutschen Heavy Rock gehören Axel Rudi Pell definitiv dazu. Wer eine Platte des Wattenscheider Quintetts um den namensgebenden Saitenhexer kauft, weiß exakt, was er bekommt: klassischen Hard Rock mit epischen Melodien und einer ordentlichen Prise Ritchie-Blackmore-Gedächtnis-Vibes. Man könnte es als unerschütterliche Treue zum eigenen Stil bezeichnen oder nicht ganz zu Unrecht kritisieren, dass sich die Diskografie seit der Jahrtausendwende so nahtlos aneinanderfügt, dass man so einige Songs beliebig austauschen könnte. Mit „Ghost Town“ bringt Pell nun bereits sein 23. Studioalbum an den Start und beweist einmal mehr, dass er von seinem bewährten Rezept auch im Jahr 2026 keinen Millimeter abweicht.

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Vicious Rain

Vicious Rain – The Anatomy Of Surviving

Die Schweiz verfügt über eine kleine aber feine Metalcore-Szene. Bei den bekannteren Namen wie Breakdown Of Sanity, My Last Hour oder Expellow können sich spätestens seit ihrem mehr als ordentlichen Debütalbum „There Is Beauty In Letting Go“ aus dem Jahr 2024 auch Vicious Rain einordnen. Das Quintett aus Baden um den Leadsänger David Häusermann hatte darauf den typischen Mix aus brachialen Riffs, atmosphärischem Post-Hardcore und hoffnungsvollen Singalongs perfektioniert. Anno 2026 will die Truppe mit ihrem Zweitwerk „The Anatomy Of Surviving“ nun die nächste Sprosse auf der Karriereleiter erklimmen.

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Lone Assembly

Lone Assembly – Knots & Chains

In den vergangenen Monaten sah es doch sehr danach aus, dass die große Retrowelle des 80er-Jahre-New Wave- und -Synthpop-Sounds ihren Zenit überschritten hätte. Doch wie so oft bei musikalischen Revivals gilt: Wenn der erste Hype abebbt, trennt sich die Spreu vom Weizen – und genau hier betreten Lone Assembly die Bühne. Das Quartett aus der Schweiz liefert den Beweis, dass man das Rad musikalisch nicht neu erfinden muss, sofern man Gespür für Stil und Atmosphäre besitzt. Ihr Sound ist eine tiefe Verbeugung vor den großen Ikonen der melancholischen Elektronik: Wer bei den ersten Takten an die kühle Eleganz von Camouflage, die dunkle Erhabenheit von Depeche Mode oder die düstere Atmosphäre der Sisters Of Mercy denkt, liegt goldrichtig. Nach einigen Singles erscheint dieser Tage endlich das Debütalbum „Knots & Chains“, welches die zeitlosen Einflüsse der Band zu einem beeindruckenden Gesamtwerk bündelt.

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Clawfinger

Clawfinger – Before We All Die

Rap Metal und Nu Metal sind zurück – nachdem diese Stilrichtungen in den vergangenen Jahren ein ziemliches Schattendasein fristeten, sorgt aktuell vor allem eine junge Generation für ein massives Revival des Crossover-Sounds. Der ideale Zeitpunkt also für die Pioniere von damals, wieder aus dem Schatten zu treten – und genau das tun Clawfinger. Ihr Debütalbum „Deaf Dumb Blind“ sorgte 1993 für ordentlich Aufsehen und auch der Nachfolger „Use Your Brain“ mit dem Hit „Do What I Say“ war ein Abräumer, während das 2001 erschienene „A Whole Lot Of Nothing“ für ein kleineres erstes Comeback der Stockholmer sorgte. Danach erschienen jedoch ausschließlich mäßige Alben, die nur wenig erfolgreich waren, seit 19 Jahren herrschte gar komplette Funkstille. Bis jetzt: Das Quintett um Frontmann Zak Tell meldet sich mit „Before We All Die“ zurück und beweist, dass Clawfinger auch 2026 noch ordentlich für Aufregung sorgen können.

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