Autor: Verena Riedl

Myrath

Myrath – Shehili

Heavy Metal und Afrika, das bringen viele Europäer nach wie vor nicht zusammen. Tatsächlich hat die härtere Gitarrenmusik auf dem afrikanischen Kontinent immer noch einen gewissen Exotenbonus, doch seit einigen Jahren ändert sich daran gehörig etwas – nicht zuletzt aufgrund der stark zugenommenen Berichterstattung. Zu den aktuell bekanntesten Metalbands aus Afrika gehören Myrath aus Tunesien. Als reine Progressive Metal-Band gestartet, hat sich das Quintett auf „Tales Of The Sands“ (2011) und „Legacy“ (2016) schon früh dem leicht progressiv angehauchtem Folk Power-Metal zugewandt. Wobei die folkloristischen Einflüsse hauptsächlich orientalischer Natur sind bzw. sich aus der landestypischen Mezwed-Musik ableiten. Auf ihrem neuesten Album „Shehili“ perfektionieren die Tunesier nun ihren ohnehin absolut eigenständigen Sound.

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Jakuzi

Jakuzi – Hata Payı

Die Türkei ist auch 2019 für viele Deutsche ohne entsprechendem familiären Hintergrund ein musikalisch ziemlich unbeschriebenes Blatt. „Şımarık“, den Kuss-Song von Tarkan, werden die meisten noch kennen, genau wie Sertab Ereners ESC-Siegertitel „Every Way That I Can“. Aber sonst? Doch natürlich ist die türkische Musik wesentlich vielfältiger, und neben orientalisch angehauchtem Ethno-Pop gibt es auch eine türkische Heavy Metal-Szene, viele HipHop-Interpreten, Dance-Künstler – und auch türkischen Synthie-Pop. Für letzteren sind Jakuzi spätestens seit ihrem Album „Fantezi Müzik“ bekannt, welches bei Bandcamp regelmäßig in den Top 10 zu finden war und dort nicht zuletzt mit seinem arg speziellen Ledermaskencover für Aufsehen sorgte. Dass das Duo aus Istanbul keine Eintagsfliege ist, beweist das Zweitwerk „Hata Payı“.

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Tesla

Tesla – Shock

Wer beim Teekesselchen-Spiel einen Begriff mit gleich drei Bedeutungen ins Rennen schicken möchte, der trifft mit ‚Tesla‘ nicht die schlechteste Wahl. Immerhin verbirgt sich dahinter nicht nur ein berühmter Erfinder und ein Hersteller von Elektroautos, sondern auch eines der Glanzlichter des 80er Jahre-Haarspray-Rocks. Wo schrille Gruppen wie Poison und Warrant damals viel zu sehr in Richtung Pop/Rock schielten, waren es neben Cinderella vor allem Tesla, die ihren musikalischen Kurs in deutlich erdigere, bluesige Gefilde verlegten. Alben wie „Mechanical Resonance“ und „The Great Radio Controversy“ gelten heute als Glanzlichter des oft eher belächelten Glam Metals. Seit einigen Jahren ist der US-Fünfer auch wieder aktiv und legt mit „Shock“ sein nunmehr achtes reguläres Studioalbum vor.

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Emarosa

Emarosa – Peach Club

Emarosa, war das nicht diese musikalisch gerne mal gen Metalcore schielende Post-Hardcore-Band aus Lexington? Wer das vielseitige Quartett immer noch derartig beschreibt, muss musikalisch hinter dem Mond leben, denn eine erste Stilkorrektur in Richtung Alternative Rock erfolgte bei den Amis bereits nach dem Sängerwechsel (Jonny Craig wurde damals durch Bradley Scott Walden ersetzt) auf ihrem drittem, 2014 erschienenen, Album „Versus“. Während Emarosa auf der letzten Scheibe „131“ dem Post-Hardcore dann endgültig Lebewohl sagten und versuchten, in ihrem neuen musikalischen Umfeld Fuß zu fassen, ist anno 2019 auch Alternative Rock schon wieder ein alter Hut für die Band. Alte Fans werden ihren Ohren nicht trauen, denn auf dem neuesten Werk „Peach Club“ gibt es von vorne bis hinten ausschließlich tief in den 80er Jahren verwurzelten Synthiepop zu hören!

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The 1975 – A Brief Inquiry Into Online Relationships

Um eines mal gleich klarzustellen: The 1975 sind keine 70er-Retro-Rockband und klingen auch in keiner Hinsicht nach jenem Jahrzehnt. Das Quartett aus Manchester, das sich nach der merkwürdigen Datierungsweise im Tagebuch eines alten Beat-Musikers benannt hat, begann in den Gründungstagen zwar als Punkband, entwickelte sich aber schon auf dem Debütalbum in Richtung Pop-Rock mit starken 80er- und 90er-Referenzen. Wobei die Musikrichtung der Band ohnehin nicht in Stein gemeißelt scheint, denn wo das letzte, in mehreren Ländern die Spitze der Charts erreichende Album „I Like It When You Sleep…“ noch stark an die 80er-Revival-Welle angelehnt war, wagt man auf „A Brief Inquiry Into Online Relationships“ den Sprung in die stilistische Breite und ins Experimentelle.

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Axel Rudi Pell – Knights Call

Fiktives Gespräch in der U-Bahn: „Der Axel Rudi Pell hat wieder ’ne neue Scheibe veröffentlicht““ „Na und, die gleichen sich doch eh wie ein Ei dem anderen.“ Tatsächlich entspricht dieses oft gehörte Vorurteil aber nicht komplett der Wahrheit, denn waren die ersten Scheiben noch klassische 80er Jahre-Heavy Metal-Alben im Stil von Axels alter Band Steeler, enthielten die Alben mit Jeff Scott Soto und „Oceans Of Time“ deutliche Power Metal-Anleihen. Erst seit dem Meisterwerk „The Masquerade Ball“ frönen Axel und seine Mannen voll und ganz dem klassischen Hard Rock der Rainbow’schen Schule. „Knights Call“, das neueste Werk aus dem Hause Pell, ist dann auch ein ganz typisches Album der neueren Machart geworden.

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Kim Wilde – Here Come The Aliens

Die neben Madonna und Tina Turner hierzulande erfolgreichste englischsprachige Sängerin der 80er Jahre meldet sich zurück! Die Rede ist natürlich von Kim Wilde, der damals das Kunststück glückte, nach ihrer erfolgreichen New Wave-lastigen Frühphase zur Hochzeit des Synthie-Pops Mitte der 80er ein furioses Comeback hinzulegen. Nachdem es in den 90ern ruhiger um die Britin wurde, gab es 2010 und 2011 mit den Alben „Come Out And Play“ und „Snapshots“ die letzten beiden Comeback-Versuche – zumindest mit Ersterem gelang ihr in Deutschland ein Top 10-Erfolg. Jetzt, nach einer weiteren längeren Pause, will sie es noch mal so richtig wissen: „Here Come The Aliens“ ist musikalisch nicht nur eine Rückbesinnung auf ihre Frühphase, sondern auch der Beweis, dass die wilde Kim auch auf rockigem Terrain bestehen kann.

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Erdmöbel – Hinweise zum Gebrauch

„Hinweise zum Gebrauch“ als Name eines neuen Albums? Beim Konsum einer gewöhnlichen CD sollten Selbige wohl kaum nötig sein, doch bei den Kölner Kultbarden Erdmöbel wären sie angesichts der oft einzigartig-verschrobenen, teils ironischen, manchmal aber auch schrecklich verschwurbelten Texten gar nicht mal so fehl am Platze. Schließlich waren die DDR-Särge nur selten so zugänglich wie auf dem 2003 erschienenen, herrlich poppigen und bis heute besten Album „Altes Gasthaus Love“. Stellt sich also hauptsächlich die Frage, ob sich Ermöbel auf „Hinweise zum Gebrauch“ eher an diesem Meilenstein orientieren oder es mehr in Richtung sympathisch-chaotischer Kakophonien der Marke „Das Ende der Diät“ geht.

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Angra – Ømni

Was macht eine Band, wenn sie ihren großartigen Sänger und damit auch ihr Aushängeschild verliert? Aufhören? Manche tun dies, doch im Falle der Brasilianer von Angra lautete die schlichte Antwort auf diese Frage: ‚mit einem neuen großartigen Sänger die nächste Stufe in der Karriere der Band einläuten‘. Zwei Mal hat das schon geklappt: Auf den charismatischen Andre Matos folgte zunächst der markante Edu Falaschi, ehe beim letzten Album der talentierte Rhapsody Of Fire-Sänger Fabio Lione den wieder vakant gewordenen Posten am Angra-Mikro übernommen hatte. Mit ihm und der tollen Scheibe „Secret Garden“ gelang dem Quintett ein erfolgreicher dritter Frühling und jetzt setzen sie mit „Ømni“ noch einen drauf.

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Simple Minds – Walk Between Worlds

Während Schottland heutzutage in populärmusikalischer Hinsicht alles andere als ein unbeschriebenes Blatt ist und viele gute bis großartige Bands, wie Franz Ferdinand, Biffy Clyro, Chvrches, oder Big Country, aus dem britannischen Norden stammen, sah die Lage Ende der 70er wesentlich düsterer aus. Lange Zeit galt Schottland hauptsächlich als Heimat des Dudelsacks – doch 1978 traten die Simple Minds auf die Bildfläche, und mit ihnen unzählige New Wave- und Pop-Hits, wie „Don’t You (Forget About Me)“, „Alive & Kicking“, „Belfast Child“ oder „Let There Be Love“. Auch wenn es um das Sextett um Sänger Jim Kerr zuletzt etwas ruhiger wurde, kann man dem letzten Studioalbum „Big Music“ eine hohe Qualität nicht absprechen und 2018 setzen sie mit „Walk Between Worlds“ noch mal einen drauf.

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