Maria Iskariot – Wereldwaan

Maria Iskariot
(c) Burning Fik

Man muss kein Wort der niederländischen Sprache verstehen, um Maria Iskariot zu verstehen. Das Quartett aus dem belgischen Gent verwendet Punk als wütende, furiose Ausdrucksform der eigenen, alles andere als einfachen Existenz und sucht nach Hoffnung, nach Zusammenhalt, selbst wenn alles um sie herum den Bach heruntergeht. Nach 180 Live-Shows in den letzten beiden Jahren, unter anderem als Support von Tropical Fuck Storm, einer EP und einer millionenfach geklickten Live-Session landet mit „Wereldwaan“ nun ihr erstes, erwartungsgemäß lautes und forsches Album.

Warum? Darum! Mehr braucht es nicht zum Glück, und so gibt der Opener „Waaromdaarom“ alle Antworten, und eigentlich auch nicht. Es dauert eine ganze Weile, bis der Track in Schwung kommt, dann gibt Sängerin und Gitarristin Helena Cazaerck die unbestrittene Chefin im Ring. Eindringliche Vocals, ordentlich Power in jeder Note und der Mut zu bewussten Schönheitsfehlern finden höchst gekonnt zusammen. Im basslastigen „Vele Mussen“ braucht es einen wütenden Schrei für die Initialzündung, bevor die Bude abgerissen wird. Der bedrohliche, brodelnde Track geht im besten Sinne unter die Haut.

„Tijn“ ist eigentlich „Tame“ von den Pixies und fackelt hier den Pit ab. Noise-Einflüsse und eine dreckige Portion Hardcore sind mindestens so kaputt wie der kratzige Charme von „Dat Vind Ik Lekker“, im Original von Gorki. Maria Iskariot nehmen dessen nervöse Energie locker auf und langen beherzt zu. In „Witte Rook“ ist es das Verharren in einer Art Limbo-Zustand, zwischen Eskalation und Feingefühl, das richtig gut kommt, während sich „Leugenaar“ wieder und wieder selbst unterbricht, sogar ein wenig Post Punk andeutet und urplötzlich am Rad dreht. Das erst melancholische, dann herzhafte „Suiker“ krönt die Angelegenheit.

Das ist erst einmal starker Tobak, der geradezu überrollt, mit ausgesuchter Wucht und Intensität. Maria Iskariot verfügen auch auf Platte über gewaltige Präsenz, unfassbar groß und unmittelbar, erinnern dabei unter anderem an Meister wie 24/7 Diva Heaven und Bikini Kill, aber eigentlich auch nicht. Auch muss man kein Wort verstehen, um „Wereldwaan“ großartig zu finden. Schier unfassbare Power, beherzter Spielwitz, puristische In-Your-Face-Attitüde und der stete Silberstreif am Horizont machen den Einstand auf Albumlänge zum Abräumer. So kraftvoll und beherzt klang Punk zuletzt viel zu selten.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 31.10.2025
Erhältlich über: Burning Fik (Bertus)

Website: mariaiskariot.com
Facebook: www.facebook.com/p/Maria-Iskariot-61557575766225