Panic Shack – Panic Shack

Man braucht keinen Sack, um Punk zu machen. Panic Shack aus Cardiff in Wales fackeln den Boys Club ab und fahren die Ellenbogen aus. Das Quartett geht es betont frontal und partytauglich an, schreckt ebenso wenig vor ernsten Themen oder vermeintlichen Szenegrenzen zurück. Em, Sarah, Meg und Romi lernten sich im lokalen Konzertnetzwerk kennen, erweiterten gemeinsam ihre Songwriting-Skills und wurden an den Instrumenten besser. Diverse Supportgigs und Festivalslots, u. a. bei SXSW, Glastonbury sowie Reading & Leeds, sprechen eine deutliche Sprache. Ihr erstes Album heißt ebenfalls „Panic Shack“ und findet seinen Weg zwischen Wet Leg, PJ Harvey und The Runaways.
„Girl Band Starter Pack“ ist eine Mischung aus Kampfansage, Partysong und Vorstellung. Das Intro wurde weitestgehend in einem Biergarten während eines Konzerts von Amyl And The Sniffers aufgenommen, der herrlich hibbelige Track mit Indie-Vibes im Unterbau geht hingegen mächtig nach vorne. Man landet im Pub, Synthesizer durchfahren bissige Gitarrenwände – es kann so einfach sein. Kleider ohne Taschen sind für’n Arsch, erklärt „Pockets“, und bastelt sich eine musikalische Mindmap, um ja alles Wichtige in die Handtasche zu packen. Das ist mindestens so schräg und sympathisch wie „Personal Best“, das nach Oberwasser sucht und sich dabei selbst überholt.
Pointiert bis zynisch wird es ebenso, wie in „Tit School“ – eine Quasi-Antwort auf Vorwürfe, Panic Shack würden ‚Working Class Cosplay‘ betreiben. Anstatt direkt darauf einzugehen, geht es um Gratis-Schulmahlzeiten und großartige Brüste. Man darf, nein, soll laut und unvollkommen sein. Das setzt sich in „Gok Wan“ fort, ein Lied über veraltete, grauslige Schönheitsideale im Boulevard-Sumpf, oder dem pointierten, fast metallischen „SMELLARAT“, das sexuelle Belästigung mit forscher Stimme gebührend begegnet. Dass mit „Thelma & Louise“ ausgerechnet eine poppige Hymne auf die Freundschaft die Platte abrundet, passt im besten Sinne ins Bild.
Panic Shack legen ein herzliches, herzhaftes und betont ungeschöntes erstes Album vor, das Identität stiftet und zugleich sein Ding durchzieht. Es geht um Themen, die den Musikerinnen wichtig sind, ob trivial, amüsant oder bierernst, gekleidet in eine famose, forsche Mischung aus Indie und Punk, an der es kein Vorbeikommen gibt. Die elf Songs sind bevorzugt flott und energisch, voller Ideen und Spielfreude, wie gemacht für den verschwitzen Club und die große Bühne. In aller beherzten Kürze geben Panic Shack ein mächtiges Statement von einem Album ab, dass das Zeug zum Durchbruch in sich trägt, das abgefeiert werden darf und soll, und doch genaues Hinhören verlangt. Das nennt man wohl einen Einstand nach Maß.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 18.07.2025
Erhältlich über: Brace Yourself Records (Rough Trade)
Facebook: www.facebook.com/panicshack
