Wesley Joseph – Forever Ends Someday

Wesley Joseph
(c) Ollie Heffernan

Seit seiner Single „Ghostin'“ sorgt Wesley Joseph für Furore. Der in Walsall geborene und später für ein Filmstudium nach London gegangene Musiker, Songwriter und Regisseur heimste gleich mit seiner ersten EP über 100 Millionen Streams ein, machte auf dem Nachfolger gleich einen mächtigen kreativen Sprung nach vorne und arbeitete unter anderem mit Loyle Carner, Jorja Smith und Joy Orbison. Nun kommt also ein erstes komplettes Album, aufgenommen zwischen London, Walsall, Los Angeles und in den Schweizer Bergen, und natürlich von einem ganzheitlichen audiovisuellen Konzept begleitet. „Forever Ends Someday“ erreicht das erhoffte nächste Level.

Joseph sieht Musik als ehrlichen Ort, als Möglichkeit des Eskapismus, wo verschiedenste Aspekte, Erlebnisse und Gefühle aus seinem Leben direkt und unverfälscht einfließen können. „Peace Of Mind“ macht diese Unmittelbarkeit greifbar und stellt sein jüngeres Ich, das an sich an einem düsteren Ort wiederfand, dem selbstbewussten Status Quo gegenüber. Mächtig Bass, eine erstaunlich warme Hook und die rasiermesserscharfen Raps von Danny Brown prasseln unmittelbar auf einen ein. Futuristischer RnB und Soul, gepaart mit etwas Psychedelia, zeichnet hingegen „Seasick“ aus. Der leicht neben der Spur operierende Song lebt für permanente Entfremdung und geht dennoch ins Ohr.

Dieser Spagat gelingt Joseph immer wieder, siehe und höre unter anderem „Distant Mind“. Lässige Raps und insgesamt zurückgelehnte Arrangierung treffen auf einen plötzlich rasenden Puls, auf explosive Hektik und den atemlosen Kollaps. In „Shadow Puppet“ kollidieren Silbenreichtum, verschrobene Beinahe-Hooks und butterweiche Vocals, während „Pluto Baby“ geradezu frontal rüberkommt, ordentlich Druck aufbaut und dabei ins Ohr geht. Jorja Smith wirkt in „July“ mit und lässt den Song einfach kommen. Der tiefenentspannte Fluss und die sympathische Instrumentierung haben beinahe Pop-Appeal, dann ist jedoch viel zu schnell Schluss. Ebenfalls erwähnt werden will „White Tee“, geradezu lautstark und doch erstaunlich feinsinnig unterwegs.

Es ist ein nahezu permanentes Spiel mit Kontrasten, das Wesley Joseph auf seinem ersten Album anlanciert. Wie eine konstante Suche nach der inneren Mitte und dem ureigenen Zen-Zustand, wie eine packende Sammlung von Geschichten und Szenen aus dem Leben, ein wenig Tagebuch und zugleich ganz viel persönliche Entwicklung. „Forever Ends Someday“ ist all das und noch viel mehr, passend zur Musik. Die verfolgt weiterhin einen angenehm futuristischen Ansatz, der RnB komplett umkrempelt, Rap weiterdenkt und doch wieder und wieder beseelt zu Werke geht. Was genau Joseph hier macht, lässt sich nicht immer definitiv benennen, doch trifft es mitten ins Herz – der Einstand eines eindrucksvollen Künstlers, der sämtliche bisherigen Versprechen mehr als einlöst.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 10.04.2026
Erhältlich über: Secretly Canadian / EEVILTWINN (Cargo Records)

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