Descendents – 9th & Walnut

Descendents
(c) Ed Colver

2002 traf sich das Original-Line-up der Descendents um Tony Lombardo, Bill Stevenson, Milo Aukerman und den mittlerweile verstorbenen Frank Navetta, um Songs aus den Anfangstagen endlich ordentlich einzuspielen. Aukerman nahm seine Vocals schließlich zuhause während der Corona-Pandemie auf. Nun landen 18 Tracks, die zwischen 1977 und 1980, noch vor der EP „Fat“ und dem legendären Debütalbum „Milo Goes To College“, entstanden waren, zum ersten Mal auf Platte. „9th & Walnut“ ist die Adresse des ersten Proberaums der Band, die Garage von Navettas Schwester.

Selbst in dieser frühen Phase klangen die Descendents wie, nun ja, die Descendents – vielschichtiger Punk zwischen Ohrwurm-Charakter und rasender Energie. Ein paar Songs kennen Fans bereits, bloß nicht in dieser Form. So sind „Ride The Wild“ und „It’s A Hectic World“ von der allerersten Single erstmals mit Aukermans Gesang zu hören. Das passt tatsächlich prima, als wäre es nie anders gewesen. „Like The Way I Know“ ist ein Outtake der College-Session und sprintet mit roher, ruppiger Energie voran. Das exzellente „Glad All Over“, im Original von Dave Clark Five, zeigt die große harmonische Kunst des Quartetts.

Apropos Harmonie: Ein paar waschechte Perlen zeigen die frühen Hit-Qualitäten der Descendents. Ihr „Mohicans“ packt einen grandiosen, zeitlosen Refrain aus, der sich sofort mit Begeisterung mitträllern lässt, und auch das vorab ausgekoppelte „Nightage“ brennt sich super ein. In „Tired Of Being Tired“ kommen derlei Qualitäten mit herrlich kompakten, knackigen Frontalangriffen zusammen. Davon gibt es mehr als genug, beispielsweise das kurze und unverschämt effektive „Yore Disgusting“. Eine gewisse Nähe zu Hardcore Punk war gerade in der Frühphase immer da und kommt hier prima durch. Hingegen rollt das eröffnende „Sailor’s Choice“ den Teppich für eingängigen und doch pulsierenden Uptempo-Punk aus – puristisch und gerade deswegen verdammt gut.

18 herrlich abwechslungsreiche, druckvolle Kapitel später wäre die Frühphase der Punk-Legenden gebührend abgefeiert. Natürlich kommt die Musikalität und Erfahrung der späteren Descendents zum Tragen, täuscht aber keinesfalls darüber hinweg, wie gut die Band bereits in ihren Anfangstagen war. „9th & Walnut“ serviert zeitlose Mucke – mal unnachgiebig nach vorne gehend, dann wieder herrlich eingängig, gerne irgendwo zwischen den Stühlen – die so klingt, wie man sich das von Descendents erwartet; es könnte sogar fast ein brandneuer Release sein. Ein solcher soll übrigens seit geraumer Zeit in Arbeit sein.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 23.07.2021
Erhältlich über: Epitaph Records (Indigo)

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