Dry Cleaning – Secret Love

Dry Cleaning
(c) Max Miechowski

Chicago. Dublin. Das Loiretal. Dry Cleaning kamen bei den Arbeiten an ihrem dritten Album viel herum. Mit den ersten beiden Alben rannte das Londoner Quartett offene Türen ein, zwischen zuweilen stoischen Post-Punk-Arrangements, kauzigem No Wave und bewusstseinserweiternden Spoken-Word-Texten. Sessions wurden bei Jeff Tweedy von Wilco, Alan Duggan und Daniel Fox von Gilla Band sowie in der Black Box von Cate Le Bon abgehalten, die das neue Album schlussendlich produzierte. Im Songwriting rückte die Band enger zusammen, Florence Shaw ließ sich und ihre oft spontan anmutenden Texte gerne mal etwas lenken. „Secret Love“ hievt zwielichtige Gestalten in ungewohnte Umgebungen.

Wie der ellenlange Opener „Hit My Head All Day“ durch Scheinwelten taumelt, von Manipulation und Fremdlenkung angetrieben, und dabei nach einer Richtung sucht, fasziniert sogleich. Wieder und wieder kommen Gitarren hinzu, tänzeln Synthesizer um das Arrangement, übernehmen Drums und Bass die Führung, nur um von Shaws mystischer Stimme vertrieben zu werden. Hingegen hat „Cruise Ship Designer“ das Zeug zum Indie-Hit, zumindest was das schrammelnde Riff betrifft. In anderen Händen würde daraus die nächste Festival-Hymne erstellen, doch Dry Cleaning ziehen die Kollage stur durch, nehmen weitere Spuren hinzu, bevor der Schlussakt in kauzig-noisige Gefilde abdriftet.

Diese sperrige Eigentümlichkeit macht das Quartett sympathisch, siehe und höre unter anderem „The Cute Things“, das gemächlich anrollt, in der Lead-Gitarre Gang Of Four zitiert und zwischenzeitlich sogar kleinere Country-Meditationen im Unterbau hinzustoßen lässt. Der Widerspruch ist und bleibt die Geheimwaffe von Dry Cleaning, wie auch im unterkühlten, dann mit einer Mini-Gesangsmelodie versehenen „Secret Love (Concealed In A Drawing Of A Boy)“, das mit Dream-Pop anbandelt und sich doch wieder dem eigenen No-Wave-Schicksal ergibt. „Rocks“ macht als furioser Stomper einiges her, dem klassischen Post Punk näher denn je, mit fliegenden Fahnen dem Untergang entgegen.

Weit unten in emotionalen Zwischenwelten, von finsteren Figuren umgeben, schaffen Dry Cleaning einmal mehr verstörende Magie. Schummrige Arrangierung mit gelegentlichen Energieanfällen und die einzigartige Stimmpräsenz von Florence Shaw schaffen Musik, die sich weiterhin offensiv mit Kategorisierungsversuchungen anlegt. Die Bewusstseinsströme bekommen mehr Richtung, ohne den spontanen Charakter einzubüßen. „Secret Love“ macht das Hier und Jetzt zeitlos, philosophiert und verzückt, kämpft mit Grenzen und klaut dem Zwielicht die Taschenlampe. Dass all das für Dry Cleaning nahezu geradlinig anmutet, passt in das skurrile wie sympathische Gesamtbild ihres rundum gelungenen Drittlings.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 09.01.2026
Erhältlich über: 4AD / Beggars Group (Indigo)

Website: drycleaningband.com
Facebook: www.facebook.com/drycleaningband