Marianas Rest – The Bereaved

Finnland, das ist neben Sauna, der Sisu-Mentalität und der Hauptstadt Helsinki vor allem auch lange Winter, endlose Landschaften und wilde, karge Moore – ungefähr die Stimmung also, die auch auf dem Cover des neuen Marianas Rest-Albums „The Bereaved“ abgelichtet ist. Die Musik der Band klingt dementsprechend: schwerer, aber doch erhabener Death Doom Metal mit gelegentlichen Post Rock-Einschüben bestimmt den Sound des finnischen Sextetts. 2013 in Kotka im Südosten des Landes gegründet, erschien das Debütalbum „Horror Vacui“ im Jahr 2016. „The Bereaved“ ist bereits Marianas Rests fünfte Scheibe und setzt ihren musikalischen Pfad konsequent fort – will heißen: Der Sound bleibt wuchtig und schwer, die emotionale Intensität hat sich aber noch deutlich gesteigert.
Beim ersten Song könnte man zu Beginn allerdings noch vermuten, dass man das falsche Album gestartet haben könnte. „Thank You For The Dance“ beginnt mit altertümlich anmutenden Männerchorgesängen, die schließlich zaghaft von Synthies unterlegt werden, ehe Jaakko Mäntymaas zerbrechlich wirkender Klargesang einsetzt. Ein gewagter Beginn, aber doch auch unglaublich intensiv. Spätestens wenn die wuchtigen Riffs, die klagenden Gitarrenmelodien und die gewohnten Shouts und sogar erhabene Hintergrundchöre einsetzen, gewinnen Mariannas Rest auch hartgesottene Hörer für sich. Das ist Death Doom Metal der Sonderklasse und ein Einstand nach Maß. Auch das folgende „Rat In The Wall“ schallt unglaublich intensiv, schön melancholisch und einen kleinen Tick flotter als der Opener aus dem Boxen.
Leider kann „Divided“ das bisherige Niveau jedoch nicht halten. Die Melodien klingen zu sehr nach dem vorherigen Song, lediglich ein wenig schneller eingespielt, und der Song plätschert bis zum Ende ohne Höhepunkte dahin. „Again Into The Night“ setzt die Stärken der ersten beiden Titel dann aber konsequent fort: Auf ein sphärisches Post Rock-Intro folgt melancholischer Death Doom Metal, fiese Grunts in den Strophen, verzweifelte Screams im Refrain – ganz starke Nummer! Glücklicherweise kann das Album dieses Qualitätslevel bis zum Ende hin weitgehend halten, es erwarten den Hörer sogar noch weitere echte Highlights. „Burden“ überrascht zum Beispiel mit Klargesang in den Strophen, ehe zu den typischen Grunts übergegangen wird – und das bei einer durchweg erhabenen Grundstimmung. Das fast schon flott-beschwingte „Diamonds In The Rough“ sorgt dann sogar für richtige Abwechslung und erinnert an den klassischen Gothic Metal der 90er Jahre.
Mit dem überflüssigen Synthie-Instrumentalstück „Tyhjä“ taucht zwar auch noch ein zweiter Stinker in der Playlist auf, der vom überragenden „The Colour Of You“ zum Abschluss des Albums aber mehr als wettgemacht wird. Hier präsentieren Marianas Rest noch mal schön intensiven Death Doom Metal, der zwischen Screams, Shouts und Klargesang hin- und herpendelt – und das mehr als sechs Minuten lang. Nachdem der letzte Ton des Songs schließlich verklungen ist, erwarten den Hörer noch eine ganze Minute Stille, ehe das Album auf diese eher ungewöhnliche Weise zu Ende geht. So ist es Marianas Rest insgesamt gelungen, das hohe Qualitätslevel der letzten beiden Alben auf „The Bereaved“ mindestens zu halten – und die waren ja schon eine deutliche Steigerung im Vergleich zu den ersten beiden Werken. Mit Alben wie diesem beginnt das Jahr 2026 wirklich stark und Marianas Rest könnten noch Großes vor sich haben…
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 16.01.2026
Erhältlich über: Noble Demon (Broken Silence)
Website: www.marianasrest.com
Facebook: www.facebook.com/marianasrestofficial
