Jet Jaguar – Severance

Mexiko ist auf der Heavy-Metal-Landkarte bisweilen noch ein recht blasser Fleck. Klar, die Death-Metaller von Brujería sind deutlich über die Landesgrenzen hinaus bekannt und auch die eine oder andere Folk-Metal-Band wie z. B. Cemican hat schon auf sich aufmerksam gemacht. Im klassischen Heavy-Metal-Bereich sieht es, höchstens abgesehen von der 80er Jahre-Legende Luzbel, dagegen eher düster aus. Ändern könnte das nun ein aus Cancún stammendes Quartett namens Jet Jaguar. Die Truppe, die mit Raiden Lozenthall seit kurzem einen neuen Sänger am Start hat, und die nicht mal ein schwerer Verkehrsunfall auf der Tour im Vorprogramm von Anvil im Herbst 2024 stoppen konnte, veröffentlicht dieser Tage mit „Severance“ bereits ihr zweites Album und gestaltet ihren Heavy Metal klassischer, wie er kaum sein könnte.
Was schon beim bereits vorab als Video veröffentlichten Opener „Eternal Light“ auffällt, ist die Tatsache, dass Raiden Lozenthall ein deutlich kompetenterer Sänger ist als sein Vorgänger Maxx Mendoza, dessen Stimmumfang doch ziemlich limitiert war. So lag es nicht zuletzt an dessen Gesangsorgan, dass das Debütalbum „Endless Nights“ trotz ziemlich guter Songs nicht über Mittelmaß hinauskam. Mit dem neuen Sänger sieht die Lage dann schon ganz anders aus und der Opener entpuppt sich auch gleich als richtig gutes Uptempo-Highlight. Beim speedigen „Mach 10“ legen Jet Jaguar sogar noch eine Schippe drauf, ehe die kurze Instrumental-Rock-Nummer „Hollow Drive“ für ein wenig Abwechslung sorgt.
Als DAS Hightlight des Albums entpuppt sich schnell „Fool’s Paradise“, eine weitere ohrwurmlastige Uptempo-Hymne, bei der Jet Jaguar sogar politisch werden – und das auch nicht ohne Seitenhieb gegen das nördliche Nachbarland Mexikos. „Severance“ weiß mit eingängigen Melodien und Gang-Shouts ebenfalls zu begeistern. Leider fällt das Album danach etwas ab und pendelt sich leicht oberhalb des Mittelmaßes ein. „Disposable Minds“ fehlt die zündende Melodie, kann aber immerhin noch mit abwechslungsreichem Gesang inklusive Screams punkten. Leider ist es dann ausgerechnet die fast acht Minuten lange Hymne „Anthropocene“, bei der Raiden Lozenthall stimmlich mitunter doch an seine Grenzen stößt. Das ist insbesondere deswegen schade, weil der zwischen Balladen-, Mid- und Uptempo-Passagen hin und her pendelnde Song ansonsten ziemlich abwechslungsreich ausgefallen ist und mit besserem Gesang zu den Albumhighlights hätte gehören können.
Mit dem düsteren Stampfer „Evil Within“ endet die LP-Ausgabe, auf der CD gibt es mit „Call Of The Fight“ und „Hunter“ noch zwei weitere schnelle Nummern, die zwar ganz ordentlich zum Bangen einladen, aber nicht unbedingt als Highlights zu bezeichnen sind. Insgesamt konnten sich Jet Jaguar im Vergleich zum Debütalbum auf „Severance“ aber auf jeden Fall deutlich steigern und setzen ein erstes Ausrufezeichen in ihrer Karriere. Wenn sich die Band auf der nächsten Scheibe noch weiter steigert und Mr. Lozenthall dann auch die schwierigeren Gesangspassagen besser meistern sollte, könnte Jet Jaguar noch eine große Karriere bevorstehen.
Wertung: 3,5/5
Erhältlich ab: 24.10.2025
Erhältlich über: Steamhammer (SPV)
Facebook: www.facebook.com/jetjaguarmusic
