Tape Trash – Eden

Tape Trash
(c) Tiny Engines

Darauf definitv kein Amen: Ihr im Herbst 2023 erschienener Einstand „Tape Trash 4-Ever“ gilt nach wie vor als Indie-Geheimtipp, voller Herz und Hirn, Melodien und Kanten. Das norwegische Duo Tape Trash befasste sich seither mit einem Strauß an Konflikten – vom musikalischen Hintergrund über das Verhältnis von Emotionen zu Genre-Treuheit (Emo ist hier als reiner Gefühlsausdruck zu verstehen) bis hin zu Glaubensfragen. „Eden“ wurde nach dem Verlust des eigenen Glaubens geschrieben und versucht eine Welt jenseits der Religion für sich zu entdecken, nahezu konstant zwischen gewonnener Freiheit und allumfassender Trauer gefangen.

Was nach Pathos in Reinkultur klingt, wird fieberhaft und vielschichtig umgesetzt. So reift „Since 94“ zum fieberhaften, fuzzigen Stomper, in den Strophen erstaunlich forsch und punkig, bevor im Refrain schließlich alle Dämme brechen – wuchtig, kantig, voller Herz und Hirn. „We Will Collide“ trägt ebenfalls einiges an Energie und Drive in sich, jedoch in deutich ruhigere Töne gekleidet. So tauchen hier vermehrt nachdenkliche, zurückgenommene Passagen mit Shoegaze-Untertönen auf, bevor sich der Hauptteil aus dem Dickicht erhebt und alles herausschreit. Sympathische Pop- und Synth-Vibes drücken dem Geschehen ihren Stempel auf.

„Save Yourself“, heißt es an anderer Stelle, in getragene Klänge gekleidet, voller roher Emotionen. Das pulsierende Uptempo-Drumming kollidiert mit tatsächlichen Emo-Pop-Anleihen und bemüht eine Form der Rettung, die nicht immer möglich scheint. Hingegen setzt „Horror Life!“ eine wahre Energieleistung frei, peitscht sich selbst in den nachdenklichen Momenten fieberhaft nach vorne und lässt die Gitarre singen. Das erinnert im besten Sinne an spätere Bloc Party. Schließlich arbeitet sich das Finale „Black Kites Babylon“ zögerlich von zurückgenommenen, fast balladesken Klängen zu einem alles umarmenden Crescendo vor, befreite Schreie inklusive.

Die große, kapitale Intensität und den Wow-Moment des Einstands erreicht „Eden“ zwar nicht, demonstriert dafür großen musikalischen Wachstum. Tape Trash strecken sich in allerlei Richtungen, gerade auf poppiger Ebene, ohne den Sturm und Drang des Vorgängers zu ignorieren. Zugleich wirkt das Songwriting in jeglicher Hinsicht größer und reifer, zeugt vom unmittelbaren Umgang mit teils widersprüchlichen Emotionen. Die Norweger erinnern wieder und wieder an ein anderes großes Indie-Duo aus Norwegen, Johnossi, und lassen zugleich mehr denn je ihre eigene Handschrift durchschimmern – eine mehr als unterhaltsame Entwicklung.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 31.10.2025
Erhältlich über: Tiny Engines (Bertus)

Facebook: www.facebook.com/TAPETRASH