Jonathan Jeremiah – We Come Alive

Jonathan Jeremiah
(c) [PIAS] Recordings Germany

Einer der besten Songwriter dieser Zeit fliegt weiterhin komplett unverdient unter dem Radar. Die Rede ist von Jonathan Jeremiah, dessen butterweiche und gefühlvolle Musik erneut komplett eigene Schubladenkästen bastelt und großartige Geschichten erzählt. Auch sein neuester Streich bringt alles mit, was man gemeinhin im weiten Kopfkino-Sektor verortet. Mit dem gängigen Optimismus war es dieses Mal gar nicht so einfach, denn „We Come Alive“ verarbeitet unter anderem den Tod des Vaters, setzt sich mit zentralen Fragen rund um Zugehörigkeit, Identität und Herkunft auseinander, und lässt zugleich zunehmend unbequeme globale Geschehnisse nie komplett aus den Augen.

Und das geschieht einmal mehr auf angenehm vielfältige Weise, wie im beschwingten „The Suntrap“. Soul-Flavour und 60s-Vibes gehören bei Jeremiah längst dazu und schimmern hier in leuchtendem Technicolor, wenngleich von einem gewissen Understatement begleitet. Wieder und wieder überlasst er dem Background das Rampenlicht, bevor ein wahrer Silbenschwall aus ihm herausbricht. „How Can I Shake You Out Of My Mind?“ widmet sich hingegen einer klassischen Soundtrack-Ballade und versucht den Kopf freizubekommen. Das klappt selbstverständlich nicht so, wie der Protagonist sich das vorstellt – ein Song auf Messers sanfter Schneide.

Hingegen bemüht „Kolkata Bear“ ein breites Grinsen, leuchtet förmlich entgegen und verwischt den doppelten Boden erst einmal ein wenig. Das hat aber Methode, denn im Retro-Gewand findet die Schwere nicht so viel Platz. Session-Magie pur versprüht hingegen „We Come Alive“ mit einem Beitrag von Jazz-Trompeter Till Brönner – ein echter One-Take, sechs Minuten Magie für den Titelsong mit vorwitzigem Funkeln und einer gewissen Melancholie, die durch Brönners Solo schließlich Oberhand gewinnt. „Counting Down The Days“ zählt schließlich die Tage herunter, bis man sich erneut findet – poppiger Soul mit Herz, Hirn und Emotion in Reinkultur.

Wenig überraschend hat auch Jonathan Jeremiahs neuester Streich unheimlich viel Charme und Stil. An der grundlegenden Ausrichtung ändert sich relativ wenig, die beherzte Präsentation, die warmen Töne und die authentische Auseinandersetzung mit vermeintlich längst vergangenen musikalischen Tagen gelingt einmal mehr verdammt gut. Jeremiah ist ein wahrer Klangmagier, der ganz genau weiß, was funktioniert, und wie ein Song maximale Präsenz und Strahlkraft entfaltet. Zudem wächst er als Songwriter immer weiter und legt abermals ein von vorne bis hinten verdammt gutes Wohlfühl-Album hin, das selbst schwere Themen richtig stark angeht. Gewohnte Klasse, gewohnte Magie.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 07.11.2025
Erhältlich über: [PIAS] Recordings Germany

Website: www.jonathanjeremiah.co.uk
Facebook: www.facebook.com/jjeremiahmusic