Nothing – a short history of decay

Nothing
(c) Luke Ivanovich

Nach dem Release von „The Great Dismal“ 2020 verabschiedeten sich Nothing erst einmal von ihrem Zwei-Jahres-Rhythmus und legten eine kleine Albumpause ein. Untätig war die Shoegaze-Band keinesfalls, unter anderem gab es Live-Material und eine gemeinsame Platte mit Full Of Hell, zudem wurde ein eigenes Festival auf die Beine gestellt. Und doch bot sich für Mastermind und Gründer Domenic „Nicky“ Palermo die Möglichkeit, einen Gang zurückzuschalten und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Inzwischen mit essentiellem Tremor, einer nicht-tödlichen Familienkrankheit, ringend, steht „a short history of decay“ unter dem Eindruck der Endlichkeit.

Vom Ende mag Palermo noch weit entfernt sein, doch ist dieses nun definitiv näher als der Anfang, was ihm auch sein Körper signalisiert. Gemeinsam mit einer fast komplett runderneuerten Mannschaft – drei von vier Mitmusikern sind seit der letzten Platte neu an Bord – geht es um sehr Persönliches, um den zunehmenden körperlichen Verfall, aber auch um die alles andere als idyllische eigene Vergangenheit. Im Opener „never come never morning“ werden Erinnerungen an Misshandlungen durch den eigenen Vater in den Mittelpunkt gerückt – erst nervös und vorsichtig, schließlich lauter, deutlicher und selbstbewusster. Zwischen Shoegaze und Alternative Rock gewinnt Selbstbestimmung an Kraft.

Nothing stehen selbstverständlich weiterhin über den Dingen, wie im wunderbar verträumten „ballet of the traitor“. Fünf schwebende Minuten mit einer kräftigen Portion Dream-Pop und dem feinsten Hauch von Psychedelia tänzeln durch endlose Weiten, oft nur schemenhaft erkennbar. Wie viel Elan in dieser vermeintlichen Leere steckt, beeindruckt ebenso wie die schiere Power des Titelsongs „a short history of decay“, der an Palermos laute Vergangenheit erinnert. Mächtig Distortion, Post-Hardcore-Klangteppiche und viel Gefühl in jeder Dissonanz bewegen. Das gelingt auch dem passenderweise leicht zittrigen Rausschmeißer „essential tremors“, ein unverfälschter Blick auf das Selbst und die eigene Zukunft, kathartischer Höhepunkt inklusive.

„a short history of decay“ strahlt schwer in Worte zu fassende Anziehungskraft aus. Nothing bleiben ihrem Sound treu und erweitern diesen doch. Erstaunliche, zermürbende Heavyness auf der einen und verträumte bis poppige Klänge auf der anderen Seite sorgen für einen Rahmen der Extreme, umgeben von feinsinnigem Shoegaze, wertiger Schwerfälligkeit und verzaubernden Melodien. Die neue Besetzung geht auf, während ein schonungslos ehrlicher Palermo so nahbar und eindringlich wie noch nie klingt. Auf dass sich der drohende Verfall noch viel, viel Zeit lassen möge.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 27.02.2026
Erhältlich über: Run For Cover Records (Cargo Records)

Website: www.bandofnothing.com
Facebook: www.facebook.com/BANDOFNOTHING