Stone – Autonomy

Stone
(c) Charlie Harris

Falls Rock wieder einmal gerettet werden muss: Hier sind die perfekten Kandidaten. Stone gründeten sich vor zehn Jahren in Liverpool, als Fin Power und Elliott Gill gerade einmal 17 Jahre alt waren. In der Folgezeit komplettierten Sarah Lucy Surrage und Alex Smith das Line-up, man veröffentlichte diverse EPs, fand sich plötzlich bei einem Major-Label und erreichte mit dem Einstand „Fear Life For A Lifetime“ die britischen Top 40. Mit V2 hat man nun einen deutlich bodenständigeren Partner an der Seite, der den bewusst rohen, ungeschönten und doch eingängigen Tracks zwischen Alternative, Indie und etwas Britpop-Revival die richtige Bühne bietet. Dazu passt auch der Titel ihres Zweitlings: „Autonomy“.

Ein Song wie „Money (Hope Ain’t Gone)“ mit kräftigem Manics-Flair hätte auch vor 25 bis 30 Jahren prima funktioniert. Powers abwechselnd gesungenen und ausgespuckten Vocals gehen direkt unter die Haut, die nervöse Rhythmusabteilung schafft sofort Spannung, während die Gitarren geschickt um das Arrangement tanzen – kantig und eingängig zugleich. In unter zwei Minuten rattert ein „Monkey See Monkey Do“ durch, holt sich ein wenig Punk hinzu und wählt klare Worte. Etwas länger, aber ähnlich unterhaltsam gibt sich das furiose „Never Again“, etwas lautmalerischer und kantiger, direkt der Garage entsprungen.

Schnell fällt auf, dass Stone eine Fülle kleiner Hits am Start haben, die sympathisch ausfallen, sich auch mal etwas aufdrängen und doch nicht abnützen. In diese Kategorie fällt das furiose, schroffe „Sweet Heroine“ mit wütend angeschlagenen Gitarren, giftigen Alternative-Wänden und dem hymnischen Refrain samt drückender Heavyness. Der eröffnende Titelsong „Autonomy“ geht es hingegen etwas gemächlicher an, stellenweise wie ein Missing Link zwischen Oasis und Suede, mit dem nächsten großen Chorus ausgestattet. Die stilvolle, quengelige Ruhe von „Freezing“ macht ebenfalls Laune – geschickt neben der Spur hoppelnd, fast überschwänglich und doch mit dieser packenden, fiesen, leicht schiefen Hook ausgestattet, der man nicht entkommen kann.

Überhaupt fällt es (glücklicherweise) schwer, dieser mächtigen, großen Platte zu entkommen. Stone machen hier einfach, verzichten auf Überproduktion und unnötige Filter, rotzen ihre Songs einfach hin und brennen sich damit direkt im Hinterstübchen ein. „Autonomy“ ist eine kurzweilige, mächtige Gitarrenplatte mit ordentlich Substanz dahinter. Hinter den Hooks und Hits verbirgt sich Spielfreude, ordentlich Herz, Hirn und Schweiß sowie eine Band, die einfach Bock hat. Jeder Track hat seinen Platz, von den räudigen Punkern über alte Alternative-Weisheiten bis hin zu feinsinnigen Indie-Ausritten mit dezentem Pop-Appeal. Das hätte im Britpop-Heyday ebenso funktioniert wie direkt danach, aber auch in der US-Post-Grunge-Rock-Radio-Landschaft. Stone realisieren ihr Potenzial mit einem überaus kurzweiligen zweiten Album.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 20.02.2026
Erhältlich über: V2 Records (Bertus)

Facebook: www.facebook.com/STONELIVERPOOL