Autor: Walter Kraus

Ich bin, also denke ich.
Aaron Lee Tasjan

Aaron Lee Tasjan – Tasjan! Tasjan! Tasjan!

Wie kann eine ganze Generation gleichzeitig so empathisch und so narzisstisch sein? Diese Frage rückt Aaron Lee Tasjan in einen selbstkritischen, autobiographischen Kontext und baut sein neues Album rundherum auf. Der Mittdreißiger aus New Albany im US-Bundesstaat Ohio tankt sich mit wachsender Begeisterung durch etablierte Schubladen und Retro-Sounds zwischen Rock, Pop, Glam und Soul. Genau das geschieht auch auf dem neuesten Werk, das nachdrücklich betitelte „Tasjan! Tasjan! Tasjan!“. Geht das als selbstbetiteltes Album durch?

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TV Priest

TV Priest – Uppers

Sie spielten im November 2019 ihren ersten Gig, als wäre es in einer anderen Zeitrechnung gewesen. TV Priest waren kurz davor, durchzustarten, als die globale Pandemie die Bühnen leer fegte. Davon zeigten sich die Londoner unbeeindruckt, veröffentlichten erste Singles und kamen bei Sub Pop unter, wo der schroffe, fordernde Post Punk in bester The Fall-Manier bestens aufgehoben ist. TV Priest fügen sich mit ihrem Erstling „Uppers“ nahtlos in die Riege furioser Upstarts ein, die den klassischen Sound mit wachsender Begeisterung zu neuen Ufern tragen.

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Die Regierung

Die Regierung – Da

Kaum ist der Motor ins Laufen gekommen, können sie nicht mehr stoppen: Die Regierung werfen momentan Platten ab wie andere Schuppen, bloß ist der musikalische Output ohne Frage um Welten bekömmlicher. Seitdem Tilman Rossmy die Reunion mit neuer Besetzung von der Bühne ins Studio transportierte, geht es im besten Sinne rund. „Da“ trägt psychedelische Züge in sich, vor allem auf textlicher Ebene, und musste erzwungenerweise durch Home-Recordings fertiggestellt werden. Das tut der Musik aber sehr gut, wie Rossmy findet. Und: stimmt auch.

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The Luka State

The Luka State – Fall In Fall Out

Vier junge Typen aus England retten die Musikwelt – ein Satz, den man in den letzten Jahrzehnten viel zu oft hörte. Tatsächlich ist das nicht der Anspruch von The Luka State – der Name ist eine Hommage an eine besonders lebenslustigen, inspirierenden Typ – es geht einfach nur um gute Gitarrenmusik. Andererseits: Was sonst soll man sich von einer Band erwarten, die sich in einer kleinen Bergbaustadt zwischen Liverpool und Manchester formierte? „Fall In Fall Out“ befasst sich mit zackigen Riffs, großen Post-Britpop-Harmonien und Beobachtungen aus dem Alltag.

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Don Marco & die kleine Freiheit

Don Marco & die kleine Freiheit – Gehst du mit mir unter

Von Fuck Yeah zu Fick ja: Nach zwei englischsprachigen Alben mit seinem bandfluchenden Quartett wechselt Sänger, Gitarrist und Songwriter Markus Naegele zur deutschen Sprache. Als Don Marco treibt er den Rock’n’Roll-Ansatz seiner Kollegen voran, bringt zudem Power-Pop, ein wenig Glam und den stilsicher sitzenden Cowboy-Hut ein. Begleitet von die kleine Freiheit – aktuelle und ehemalige Mitglieder von Swans, Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen, Fuck Yeah und Superpunk – präsentiert der Don sein Solowerk „Gehst du mit mir unter“.

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LNZNDRF

LNZNDRF – II

So etwas wie Stress kennen LNZNDRF nicht, obwohl sie recht spontan arbeiten. Das Quartett um Mitglieder von The National, Beirut und Grizzly Bear traf sich bereits im September 2019 zu Jam-Sessions für ein zweites Album, die in der Folgezeit bearbeitet und in kurzweilige Form gebracht wurden. Bis zum Release sollte es aber dauern, nicht zuletzt aufgrund mehrerer Verschiebungen aus bekanntem Anlass. Diese widrigen Umstände konnten „II“ allerdings nichts anhaben, denn auch fast eineinhalb Jahre nach den ursprünglichen Sessions klingt die Platte voll und ganz im Hier und Jetzt verankert.

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Alabama Slim

Alabama Slim – The Parlor

Alabama Slim singt seit seiner Kindheit den Blues. Der Gigant aus New Orleans spielte bereits in den 50ern und 60ern mit seinem Cousin Little Freddie King in diversen Bands. Zwischendurch verlor man sich aus den Augen, musiziert aber mittlerweile fast jeden Tag gemeinsam, und das hört man auch. 2007 und 2010 nahmen die beiden zwei Alben auf und tourten für die Music Maker Relief Foundation rund um den Globus. Nun ist der mittlerweile 81jährige Alabama Slim zurück und präsentiert das gemeinsam mit Cousin King und Drummer Ardie Dean aufgenommene „The Parlor“.

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Typhoon

Typhoon – Sympathetic Magic

Pandemie und Lockdown lassen viel Freiraum für Kreativität, doch wer kein eigenes Studio besitzt, muss für die dazugehörigen Aufnahmen zusätzliche Hürde überspringen. Bei Typhoon mit bis zu elf Mitgliedern je nach Lust, Laune und Bühne wurde die Angelegenheit ungleich komplexer. Und dann erscheint aus dem Nirgendwo und ohne Ankündigung ein brandneues Album, eine echte Überraschung. Über die letzten Monate geschrieben, teils in Kyle Mortons Keller improvisiert oder als Voice-Memo übermittelt, landet nun das betont politische Collagenwerk „Sympathetic Magic“, dem man seine fragmentierte Entstehung zu keiner Zeit anhört. Und das, obwohl einige Demo-Schnippsel eingebunden worden sein sollen.

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My Little White Rabbit

My Little White Rabbit – Lowest Heights

Anstatt sich vom Lockdown irre machen zu lassen, schrieben My Little White Rabbit ihr zweites Album. Das Hamburger Quintett um Sängerin Rike Pfeiffer ist nie um eine spitze Pointe verlegen und verpackt Feminismus, Kapitalismuskritik und Surrealismus in poppige Garage-Tracks mit gelegentlichen Psychedelic-Ausflügen. Bauchgefühl trifft Message mit einer gewissen Vintage-Note, ist zugleich stets fest im Hier und Jetzt verankert. Was sich unnötig kompliziert liest, lässt sich einfach zusammenfassen: „Lowest Heights“ tritt ordentlich Hinterschinken.

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Sperling

Sperling – Zweifel

Die Band gibt es bereits seit einigen Jahren, der neue und aktuelle Name folgte allerdings erst im Mai: Sperling aus dem Hunsrück signalisierten mit der Umbenennung einen Neustart auf allen Ebenen, und der schlägt sich vor allem musikalisch nieder: Rock, Post-Hardcore und Rap gehen eine emotionale, spannungsgeladene Symbiose ein, die seit der ersten Single Vergleiche mit Casper und Fjørt aufs Tableau brachte. Warum das wie Arsch auf Eimer passt, und warum das Quintett trotzdem sein eigenes Ding durchzieht, zeigt das Debütalbum „Zweifel“ sehr eindrucksvoll.

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