Autor: Walter Kraus

Ich bin, also denke ich.
Psychedelic Porn Crumpets

Psychedelic Porn Crumpets – Pogo Rodeo

Psychedelic Porn Crumpets sind fleißig, ob auf oder neben Bühne. 2025 gab es sogar gleich zwei Studioalben, weil live nicht ganz so viel ging. Das lag unter anderem am Ellenbogenbruch von Sänger und Hauptsongwriter Jack McEwan, der beim Songwriting notgedrungen auf das ungeliebte Keyboard umsteigen muss. Das hinterließ jedoch Eindruck und prägte den Sound des australischen Sextetts durchaus, ohne auch nur annähernd von vertrauten Klängen abzurücken. Viel mehr punktet „Pogo Rodeo“ mit spannenden und selbst für Band-Verhältnisse durchaus ungewöhnlichen, doch stets willkommenen Facetten.

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Bright Eyes

Bright Eyes – Kids Table

Wenn es läuft, dann so richtig: „Five Dice, All Threes“ bannte alle Stärken der Bright Eyes auf eine Platte, so kauzig und harmoniebedürftig wie eh und je, begleitet von spannenden Gästen und nicht minder interessanten Ideen. Wenig überraschend haben Conor Oberst, Mike Mogis und Nate Walcott Nachschub im Gepäck. Von Anfang an sollte jenes Material, das nicht 100%ig zum Fluss des Albums passte, zu einem späteren Zeitpunkt nachgereicht werden. Begleitet von einigen weiteren Tracks, überrascht „Kids Table“ mit spannenden bis ungewöhnlichen Ansätzen, die sowohl die aktuelle Platte erweitern als auch komplett für sich selbst stehen können sollten.

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White Reaper

White Reaper – Only Slightly Empty

Plötzlich waren es nur noch drei. Im Vorjahr gingen White Reaper die Wilkerson-Zwillinge und damit die komplette Rhythmusabteilung verloren. Es war der Schlusspunkt einer schwierigen Phase, denn nach dem Major-Einstand 2019 folgte eine lange Pause mit der erhofften Auszeit, doch fand man sich nach eigenen Angaben vier Jahre später auf „Asking For A Ride“ in einer Identitätskrise wieder. Nun ist man bei Blue Grape Music, klein und mehr als fein, arbeitet erstmals als Trio und transportiert den etatmäßigen Power-Pop-Sound in eine neue, gerne mal sympathisch schwerfällige Richtung. „Only Slightly Empty“ hat aber weiterhin Hooks in rauen Mengen zu bieten.

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Drink The Sea

Drink The Sea – Drink The Sea I & II

Ein guter Geist schwebt über dem Doppel-Einstand einer prominent besetzten Band, und ist doch leider nicht mehr her: Hinter Drink The Sea stecken verschiedene Musiker, die unter anderem mit Mark Lanegan zusammengearbeitet hatten. Am Start sind Duke Garwood, Alain Johannes (u. a. Queens Of The Stone Age), Peter Buck (R.E.M.), Barrett Martin (u. a. Screaming Trees) sowie Multi-Instrumentalistin Lisette Garcia. Musikalisch bewegt man sich durchaus im Geiste der legendären Reibeisen-Stimme, von transzendentalen und angenehm globalen Einflüssen begleitet – bluesig, wüst, mit Alternative- und sogar Folk-Chic ausgestattet. Zu Beginn gibt es gleich ein Doppelalbum, „Drink The Sea I“ und „Drink The Sea II“, innerhalb 14 Tagen separat erschienen.

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Mirador

Mirador – Mirador

Gesucht und gefunden, so könnte man die Freundschaft von Jake Kiszka und Chris Turpin nennen. Die beiden Herren lernten sich kennen, als Turpins Band Ida Mae für Kiszkas Greta Van Fleet 2018 den Support gab, bereits im Folgejahr begann man Backstage zu jammen. Mit Mikey Sorbello an den Drums und Nick Pini am Bass und am Keyboard – zwei ehemalige musikalische Partner Turpins – war schnell eine komplette Band gefunden, die als Mirador im Vorjahr fleißig tourte. Wenig überraschend klingt das erste Album, schlicht „Mirador“ genannt, wie die Schnittmenge beider Bands.

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Spite House

Spite House – Desertion

Trauer ist eine unwillkommene Konstante im Leben von Sänger und Gitarrist Max Lajoie. 2019 rief er Spite House ins Leben, kurz nach dem Krebstod seiner Mutter. Sein guter Freund Marc Tremblay übernahm die Drums, später stieß Nabil Ortega am Bass hinzu. Das erste Album, drei Jahre später erschienen, diente eher als Weckruf, um das eigene Leben in die Hand zu nehmen. „Desertion“ liefert nun jedoch Trauerarbeit in Reinkultur und widmet sich auch Lajoies Vater, der zehn Jahre vor der Mutter freiwillig aus dem Leben schied. Der Frontmann gibt an, dass diese elf Songs rein gar nichts Fröhliches an sich haben, doch sind sie vielleicht gerade deswegen so unfassbar wichtig.

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gas station.

gas station. – A Collection Of Songs For Saying Goodbye

Ist das hier schon wieder eine neue Emo-Welle? Wenn ja, gehören gas station. dazu? Obwohl der Klang des Trios aus Buffalo gerne in emotional aufgeladene Gefilde vordringt und dabei durchaus Heavyness mitbringen kann, stellen sie sich musikalisch bevorzugt vielseitig auf. Und auch thematisch muss man etwas genauer hinsehen bzw. hinhören. „A Collection Of Songs For Saying Goodbye“ ist nicht etwa eine Sammlung trauriger Lieder, sondern befasst sich mit der schweren, geradezu erdrückenden Stille nach einem Ende oder Abschied, wenn sich alles verändert und doch die Worte fehlen.

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Boy & Bear

Boy & Bear – Tripping Over Time

In ihrer australischen Heimat zählen Boy & Bear mittlerweile zum Inventar. Mit ihren bisherigen fünf Alben ging es jeweils in die Top 10, zudem erfreut sich ihr folkiger, bekömmlicher Sound speziell live großer Beliebtheit. Eben jene Serie soll sich nun fortsetzen. Um das besondere Bühnenerlebnis einzufangen, wurden alle Songs live eingespielt, zudem durfte es das eine oder andere Experiment geben. „Tripping Over Time“ bemüht sich darum, das Leben so zu nehmen, wie es ist, mit all seinen schönen und weniger schönen Seiten, voller Charme und Chaos, reich an Widersprüchen und Überraschungen.

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Health

HEALTH – Conflict DLC

Der Wahnsinn hat einmal mehr ordentlich Beute gemacht: Mit ihrem ureigenen, poppigen Industrial-Ansatz verwirren und verzaubern HEALTH seit Jahren. Zuletzt erweiterte „Rat Wars“ den eigenen Sound durch eine Vielzahl an Extremen, lauter und leiser zugleich. Der Nachfolger „Conflict DLC“ versteht sich als eine Art Begleitalbum, das im gleichen musikalischen Universum spielt und insgesamt härter und direkter ausfällt. Dafür verzichtete man dieses Mal auf eine große Armada an Gästen und konzentrierte sich stattdessen auf den üblichen, vertrauten Kampf mit existenzieller Bedeutungslosigkeit im Angesicht des unvermeidbaren eigenen Untergangs.

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Melody's Echo Chamber

Melody’s Echo Chamber – Unclouded

Ihre Musik, so Melody Prochet, bewegt sich stetig in einer Art Schwellenzone zwischen Realismus und Fabeln. Es ist diese unwirkliche Unmittelbarkeit, die ihre Releases als Melody’s Echo Chamber seit dem Einstand 2012 auszeichnen. Die französische Musikerin vertritt eine ganz eigene, im besten Sinne unnachahmliche Art von Psychedelic Pop, verträumt und doch konkret, die zu schier endlosen Gedankenreisen einlädt. Für ihr erstes Album seit dreieinhalb Jahren holte sie sich unter anderem Mitglieder von Wunder und Dina Ögon als Session-Musiker und Co-Songwriter an Bord sowie Malcom Cotto, der unter anderem bereits für DJ Shadow und Madlib zu den Drumsticks griff. „Unclouded“ schwebt über den Wolken.

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