Motorpsycho – The Gaia II Space Corps

Das Unerwartete hat bei Motorpsycho einmal mehr Hochkonjunktur. Wohin sie die kreative Reise mal eben zieht, weiß man vorher nur selten – mal akustisch und verspielt, dann psychedelisch, krautig und möglichst ausladend. Eine relativ direkte, trocken rockende Platte servieren die Veteranen aus dem hohen Norden aber selten. Allerdings gefielen ihnen Tracks wie „Stanley (Tonight’s The Night)“ und „The Comeback“ von ihrem jüngsten Album so gut, dass diese direkt als Vorlage des Nachfolgers dienen durften. „The Gaia II Space Corps“ wirkt so unmittelbar und gitarrenlastig wie lange nicht, ohne jedoch komplett aus dem Rahmen zu fallen.
„Fanny Again, Or“ legt mit ordentlich Druck und Elan los und unterstreicht die Mission dieser neuen Platte. Der Sound fällt fast protometallisch aus, Groove und Riffs geben sich die Klinke in die Hand, während die Vocals ähnlich stinkig wirken. Und doch wagen Motorpsycho wieder und wieder kleinere psychedelisch angehauchte Ausritte – kurz, pointiert, genial. Das zunehmend eskalierende „TSMcR“ setzt diese Mission doppelt gut um. Mit einer bärenstarken Rhythmusabteilung im Rücken können Distortion und Entfremdung höchste Höhen erklimmen. Ein höllischer Jam fällt im Zeitlupentempo über einen imaginären Abhang und steuert doch immer wieder zurück zum Leitmotiv.
Ein Song wie „The Oracle“ durfte natürlich nicht fehlen und holt das Maximum aus der 70s-lastigen Produktion heraus. Blumige Melodien, luftig stampfende Drums und massig Effekte auf den Vocals stolpern durch unendliche, spacige Weiten und wirken dabei verschwitzter als der Großteil der letzten Motorpsycho-Alben zusammen. Im packenden „The Great Stash Robbery“ treten die Gitarren wieder und wieder gegeneinander an, mit duellierenden Riffs und Soli, während verfremdeter Gesang und die jazzig agierende Rhythmusabteilung alles zusammenhalten. Die sehr melodische Schlagseite von „Black As Night“, die den Faden in Richtung Woodstock spinnt und stellenweise sogar etwas an die Beatles erinnert, passt da auch ins Bild, irgendwie.
Das hier ist sogar für Motorpsycho sehr schräg und gerade deswegen mehr als passend: Statt Prog, Kraut, Acoustic und reinen psychedelischen Eskalationen geht ihr neuester Streich so gitarrenlastig wie selten nach vorne und ergibt sich voll und ganz der Essenz der 1970er. Eine kräftige Portion Hard Rock, oft an der Grenze zu Heavy Metal, spielt mit obligatorischer Psychedelia und erinnert damit stellenweise mehr an Spidergawd als an den eigenen Katalog. „The Gaia II Space Corps“ fällt in jeder Hinsicht ungewöhnlich, schräg und damit fast erwartungsgemäß aus. Oder eben nicht. Motorpsycho lassen einmal mehr mit massig Fragen zurück und rotzen mal eben eine Gitarrenplatte mit viel Dreck hin – kann man machen, ist richtig gut, darf es künftig gerne ab und an geben.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 27.02.2026
Erhältlich über: NFGS (Cargo Records)
Website: motorpsycho.no
Facebook: www.facebook.com/motorpsycho.official
