Autor: Walter Kraus

Ich bin, also denke ich.
We Are Scientists

We Are Scientists – Lobes

Die unkaputtbaren We Are Scientists scheinen mittlerweile unaufhaltsam und legen schon wieder eine neue Platte vor, ihr bereits achtes Werk. Für den „Huffy“-Nachfolger setzte man auf Altbewährtes und verschob den Fokus zugleich noch weiter in poppige Gefilde. „Lobes“ – Chris Cain und Keith Murray mögen das Wort und finden es witzig – entstand fast zur gleichen Zeit wie das erst im Oktober 2021 erschienene Werk, geht aber gänzlich andere Wege. Glitzernde Disco-Weisheiten, pumpende Hymnen und knackige Melodien rücken das kreative Duo mehr denn je in Radionähe, ohne sich dabei auch nur im Geringsten abgeschmackt zu geben.

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Emanuel Harrold

Emanuel Harrold – We Da People

Seit Jahren hält sich Emanuel Harrold etwas im Hintergrund auf. Als Drummer und Komponist arbeitete er unter anderem mit De La Soul, Gregory Porter und Damon Albarn, veröffentlichte zudem zwei Solo-EPs mit allerlei Begleitung. Seine bevorzugte Fusion verschiedenster Genres wirft nun endlich ein komplettes Album ab, das sich irgendwo zwischen Jazz, Soul, RnB, Funk und Gospel bewegt. „We Da People“ wartet mit cleverer Musikalität, prominenten Stimmen und einer Armada hochkarätiger Gastmusiker*innen auf.

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VV

VV – Neon Noir

Eine der interessantesten Rockstimmen der letzten Jahrzehnte meldet sich endlich wieder zurück. Als Sänger von HIM feierte Ville Valo große kommerzielle Erfolge, allen voran die Überhits „Join Me In Death“ und „The Funeral Of Hearts“, bevor sich die Band Ende 2017 verabschiedete. Nach einer Platte mit Agents sowie einer ersten Solo-EP feiert sich Valo unter dem Pseudonym VV endlich ein Comeback auf Albumlänge. „Neon Noir“ knüpft an den Sound seiner früheren Formation an und scheut ebenso wenig vor freundlichen, melodischen, nahezu poppigen Einschüben zurück.

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Margo Price

Margo Price – Strays

Die Suche nach dem eigenen Sound, der eigenen Stimme, nach Selbstbestimmung – für Margo Price ist die selbstbewusste und zugleich fragile Präsentation ein zentraler Ankerpunkt ihrer Musik, die sich in den letzten Jahren deutlich veränderte. Ursprünglich als Country-Hoffnungsträgerin gestartet, ging es zuletzt stärker in Richtung Rock. Davon will „Strays“ jetzt noch mehr. Price baut sich selbst wieder auf, sagt ihren Dämonen den Kampf an und geht unverblümt mit diesen um. Quasi im Vorbeigehen entsteht ihr bislang bestes Album.

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The Subways

The Subways – Uncertain Joys

Acht Jahre, acht lange Jahre hat das selbstbetitelte Werk von The Subways inzwischen auf dem Buckel. Auch wenn es in der Zwischenzeit ein paar kleinere (Re-)Releases und Touren gab, fällt die lange Albumpause doch auf. In der Auszeit studierte Frontmann Billy Lunn englische Literatur in Cambridge und musste drei Jahre lang am Campus verweilen, Corona-bedingt zogen sich die Aufnahmen gewaltig, und dann verließ Schlagzeuger und Gründungsmitglied Josh Morgan Ende 2020 die Band aus familiären Gründen. Seine Rolle nahm Camille Phillips, die einst bei der Ramones-Cover-Band The Ramonas spielte, ein. „Uncertain Joys“ ist nun endlich für die Welt bereit.

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James Yorkston, Nina Persson And The Second Hand Orchestra

James Yorkston, Nina Persson And The Second Hand Orchestra – The Great White Sea Eagle

Vor zwei Jahren bemühte James Yorkston einen frischen musikalischen Ansatz. Gemeinsam mit dem schwedischen Kollektiv The Second Hand Orchestra spielte er „The Wide, Wide River“ ein. Die Idee dahinter: Nur Yorkston sowie Bandleader Karl-Jonas Winqvist kannten die Tracks vor dem Studio, die Arrangements wurden dann im Kollektiv aufgenommen. Für den Nachfolger stieg der Schotte von der Gitarre aufs Klavier um. Winqvist schlug eine weitere Stimme vor – plötzlich war die legendäre Nina Persson von The Cardigans im Boot. Am Aufnahmeprozess änderte sich jedoch herzlich wenig, und das hört man dem funkelnden „The Great White Sea Eagle“ auch im besten Sinne an.

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The True Faith

The True Faith – Go To Ground

Ihre synthetischen Pop-Anfänge mögen The True Faith mittlerweile zwar hinter sich gelassen haben, und doch bleibt dem Quintett aus Boston ein gewisses Faible für charmante Eingängigkeit erhalten. Der durchaus plüschige, süffige Ansatz funktionierte bereits im November 2021 auf dem ersten Album „They Can Always Hurt You More“ hervorragend. 14 Monate später steht der Nachfolger ins Haus und zeigt eine Band, die sich nach eigenen Angaben musikalisch wie persönlich weiterentwickelt hat. „Go To Ground“ präsentiert fünf Musiker, die an neuen Punkten in ihren Leben angelangt sind, die aber auch ihren Platz in der Subkultur finden konnten.

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Plight

Plight – Plastic Sun

90s-Gemächlichkeit ist bei Gitarrenbands aktuell wieder angesagt. Shoegaze und Slowcore, gepaart mit Indie und Alternative, haben Hochkonjunktur, und Plight begehen das neue Jahr mit intensiver Behäbigkeit, die nach Hoffnung inmitten der Katerstimmung sucht. Das New Yorker Quartett veröffentlichte bereits 2017 ein Demotape und machte sich seither vor allem in seiner Heimat einen Namen, arbeitete sich am eigenen Sound ab und verfeinerte diesen. Nun landet das erste Album „Plastic Sun“, dessen beklemmende Heavyness offene Türen einrennt … oder zumindest antaucht.

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Anti-Flag

Anti-Flag – Lies They Tell Our Children

Nach über drei Jahrzehnten zählen Anti-Flag weiterhin zu den wichtigsten politischen Punk-Bands der Szene. „20/20 Vision“ war eine messerscharfe Abrechnung mit dem amerikanischen Status Quo, der in den drei Jahren seit dem Release aus vielen Gründen deutlich schlimmer geworden ist. Vor diesem Hintergrund entstand das erste Konzeptalbum in der langen Karriere des Quartetts, das sich diversen zentralen Problemen – beispielsweise dem desolaten US-Gesundheitswesen – aus einer historischen Perspektive nähert. Zudem lädt sich „Lies They Tell Our Children“ ordentlich Gäste ins Studio ein.

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Eese

Eese – This All Will Fade

Anspruchsvolle, gehaltvolle, experimentelle und stets unterhaltsame Popmusik, dafür stehen Eese. Das Kölner Trio geht gerne den synthetisch-elektronischen Weg und ist um Alternativen bemüht, die jedoch niemals zulasten der Eingängigkeit gehen dürfen – siehe und höre unter anderem Foals, Everything Everything oder alt-J. Nach mehreren spannenden Singles landet nun ihr erstes Album „This All Will Fade“, das sich gerne weit hinauswagt und doch immer wieder gekonnt zurück in sichere, stets aufregende Gefilde findet.

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