Autor: Walter Kraus

Ich bin, also denke ich.
Thus Love

Thus Love – All Pleasure

Einfach mal weg, komplett ohne störende Einflüsse, und das eigene Ding durchziehen: Nach dem Achtungserfolg ihres Einstands „Memorial“ suchten Thus Love nach neuen Wegen. Bassist und Gründungsmitglied Nathaniel van Osdol verließ die Band, dafür wuchs man zum Quartett an und verlegte den Lebensmittelpunkt komplett nach Brattleboro, eine Kleinstadt im US-Bundesstaat Vermont. Und dann zog man sich für die Aufnahmen des Nachfolgers in eine zum Studio umgebaute Scheuen am Land zurück, liebevoll ‚Hobbithöhle‘ genannt, fernab vom Schuss. Die Mission für die Arbeiten an „All Pleasure“ war klar: Was keine Freude bringt, wurde sofort verworfen.

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Razorlight

Razorlight – Planet Nowhere

Für Fans von Razorlight neigt sich eine lange Leidenszeit dem Ende zu. Nach drei erfolgreichen Alben und mehrfachen Platin-Auszeichnungen zerbrach das klassische Line-up. Einzig Sänger Johnny Borrell verblieb, die Arbeiten an einer neuen Platte stockten und es kam zu einer langen Pause, die für ein wenig ertragreiches Solowerk genutzt wurde. Obwohl es 2018 doch noch für ein neues Razorlight-Album reichte, fehlte etwas. Seit 2021 ist die Besetzung der großen Erfolge wieder zusammen, die Chemie stimmt wohl ebenso wie die Kreativität. „Planet Nowhere“ ist die erste Platte in diesem Line-up seit 16 Jahren und markiert zugleich die Rückkehr zu bewährter Form.

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Amyl And The Sniffers

Amyl And The Sniffers – Cartoon Darkness

Von Dreck und Chaos in kleinen australischen Bars bis zu den großen Bühnen der Welt: Der Aufstieg von Amyl And The Sniffers in den letzten Jahren bereitete Freude. Der räudige, pointierte und angenehm ehrliche Sound des Quartetts aus Melbourne um Amy Taylor schaffte es zuletzt sogar fast in die deutschen Top 20 und erreichte mit dem zweiten Album „Comfort To Me“ Platz 2 in der Heimat. Darauf will man sich – natürlich – nicht ausruhen und geht stattdessen noch beherzter zu Werk. Auf „Cartoon Darkness“ befassen sich Taylor und Band mit Politik, Klimakrise, KI und der zunehmenden emotionalen Taubheit der Menschen in einer von Informationen gefluteten Welt.

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Courteeners

Courteeners – Pink Cactus Café

Wenige Wochen vor dem ersten Lockdown veröffentlichen Courteeners ihr sechtes Studioalbum „More. Again. Forever.“ und hingen dann erst einmal, wie so viele andere, in der Luft. Sänger und Hauptsongwriter Liam Fray stolperte sogleich in einen, wie er es nennt, Panik-Songwriting-Modus. Ob das Material für seine Band, ein Nebenprojekt oder gar ein Soloding eingesetzt werden sollte, blieb erst einmal offen. Fray setzte sich mit diversen Freunden und Bekannten in Verbindung, und so finden sich so viele Gäste, so viele Mitstreiter wie nie auf einem Courteeners-Album. „Pink Cactus Café“ ist ohne Frage die bunteste und poppigste Platte des Quintetts. Ob es damit, wie im Vorjahr für den Re-Release ihres Einstands „St. Jude“, noch einmal für die UK-Spitze reicht?

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Pom Pom Squad

Pom Pom Squad – Mirror Starts Moving Without Me

Eine kalte Hand fährt durch den Erdboden, die Cheerleaderin ist noch nicht ganz tot. Mit ihrem spannenden ersten Album „Death Of A Cheerleader“ machte Mia Berrin aka Pom Pom Squad vor drei Jahren ordentlich von sich hören. Die kurzweilige Mischung aus Punk, Pop, Grunge und etwas Rock war eine rohe und doch harmoniebedürftige Überraschung gewesen. Gleichzeitig war es für Berrin gar nicht so einfach, sich laufend mit den Meinungen anderer – positiv wie negativ – befassen zu müssen. Diese kreierten verschiedene Versionen ihrer selbst, die sogar im Kopf der Protagonistin herumzugeistern begannen. Der Zweitling „Mirror Starts Moving Without Me“ geht mit diesem bizarren Phänomen offensiv um und bemüht zugleich spannende Weiterentwicklung.

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Interlaker

Interlaker – Interlaker

Ein musikalisches Meet-Cute über Instagram brachte den ehemaligen Lonely The Brave-Frontmann David Jakes, der 2018 aus Mental-Health-Gründen ausgestiegen war, und Drummer Jack Wrench von den viel zu früh aufgelösten Arcane Roots zusammen. Die gemeinsame Liebe für Bands wie R.E.M. und Pearl Jam führte zu einer musikalischen Partnerschaft: Interlaker. Ihr erstes Album schrieben die beiden fast komplett online, trafen sich nur einmal gegen Ende der Arbeiten und verstanden sich auch persönlich prima. Musikalisch kann man sich ungefähr ausmalen, wohin die Richtung geht. Schlicht „Interlaker“ betitelt, ist ihr Erstling ein hymnischer und ausdrucksstarker Wellenbrecher geworden.

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Lydsyn

Lydsyn – Højspændt

Das süße Nichtstun kennt Uffe Lorenzen nicht. Als seine Band Baby Woodrose 2016 eine Pause auf unbestimmte Zeit einlegte, wechselte er zu seiner dänischen Muttersprache zurück und ließ drei Soloalben vom Stapel. Im Anschluss holte er sich Palle Demant (The Sledge) am Bass und Jens Eye am Schlagzeug hinzu, um mit Lydsyn eine komplett neue Band ins Leben zu rufen. Das erste, schlicht „Lydsyn“ betitelte Album war 2022 ein kleiner Erfolg mit seinem fieberhaften Mix aus Hard Rock aus der Garage und psychedelischen Ausflügen. „Højspændt“ (auf Deutsch in etwa „Hochspannung“) knüpft daran nun ganz locker an.

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Trauma Ray

Trauma Ray – Chameleon

Ein Slowdive-Konzert vor sechs Jahren inspirierte Uriel Avila und Jonathan Perez zur Gründung einer eigenen Band. Als Kernduo und Haupt-Songwriter widmen sie sich mit Trauma Ray – angelehnt an das deutsche Wort ‚Träumerei‘ – selbstverständlich ebenso Shoegaze, verpassen diesem eine ganz eigene Note zwischen verträumter Leisetreterei und der noisigen, verzerrten Wucht von gleich drei Gitarren. Nach diversen EPs und Singles ist das Quintett aus Forth Worth, Texas nun bei Dais Records gelandet, wo das packende erste Album „Chameleon“ eine passende, verdiente Heimat findet.

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Japandroids

Japandroids – Fate & Alcohol

Was für ’ne Scheißnachricht: Japandroids lösen sich auf. Das kanadische Duo Brian King und David Prowse, alte Uni-Freunde, spielten unzählige Gigs, betourten die ganze Welt und veröffentlichten drei starke Alben, auf denen sie sich musikalisch laufend weiterentwickeln. Das letzte davon ist aber auch schon wieder sieben Jahre her. Einfach so Abschied nehmen, das geht natürlich nicht, und so setzt es noch ein finales Statement aus dem Studio. „Fate & Alcohol“ bricht ganz bewusst mit Erwartungen, reißt letzte Grenzen ein und definiert noch einmal neu, was einen Japandroids-Song eigentlich ausmacht.

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Blaudzun

Blaudzun – Latter Days

Der überaus fleißige Johannes Sigmond aka Blaudzun, benannt nach einem dänischen Rennradfahrer, meldet sich mit seinem siebten Studioalbum binnen 16 Jahren zurück. Seit einer gefühlten Ewigkeit ist der Niederländer gerade in seiner Heimat Garant für kleine Radiohits und charmante Pop-Perlen mit Indie-Touch, die hierzulande ein etwas unverdientes Randdasein fristen. Ob sich das nun endlich ändern kann? Zumindest rein musikalisch stehen alle Türen offen: „Latter Days“ bringt Frische und Offenheit in die Suche nach Sinn und Veränderung ein, in der sich der Protagonist mit Isolation und Frustration konfrontiert sind.

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