José González – Against The Dying Of The Light

Ist die Zukunft künstlich oder echt? Welche Rolle spielt ehrliche Kunst in Zeiten zunehmenden KI-Einsatzes, der kreative Einstiegshürden senkt und doch nie auch nur annähernd Individualität schafft? Diese und ähnliche Fragen stellt sich José González auf seinem ersten Album seit Herbst 2021. Die Rolle von Künstlicher Intelligenz sieht er zwiespältig, wenngleich verantwortungsbewusster Einsatz womöglich nicht verkehrt sein mag. Wie kann das aussehen? Wie groß ist die Bedrohung wirklich? Und wie geht ein Familienmensch mit immer düster werdenden Zeiten um? All das und noch viel mehr beantwortet „Against The Dying Of The Light“ hochgradig eindrücklich.
Bereits im eröffnenden „Against The Storm“ tauchen eklatante Zukunftssorgen laut und deutlich auf. Technologisch optimiertes Aufrüsten steuert langsam, aber sicher in Richtung Kontrollverlust. Kann die Trendwende noch geschafft werden? Mal eindringlicher, dann wieder glockenheller Gesang und eine furiose Gitarre machen im besten, im schönsten Sinne Lärm. „Losing Game (Sick)“ greift dieses Thema an anderer Stelle erneut auf und klingt wie von der jüngsten Zusammenarbeit mit Tinariwen beeinflusst. Leicht bluesig, etwas perkussiv, die Vocals wie lose Fäden aufgenommen und fallen gelassen – das ist großes Kino im Kleinen.
Seltene lichte Momente, wie das an González‘ vierjährigen Sohn gerichtete „Pajarito“ (inklusive sympathisch gepfiffener Melodie), sind mehr als wichtig. Vor allem wenn „Sheet“ mit dem Unwissen über Unwissenheit hart ins Gericht geht. Oder wenn der Titelsong „Against The Dying Of The Light“ zum Widerstand gegen einflussnehmende Kräfte aufruft. Das erst herrlich verloren anmutende, dann mit Spoken Word und plötzlicher Hektik aufwartende „Gymnasten“ ist auf andere Weise groß, der Sechsminüter „For Every Dusk“ nicht nur aufgrund seiner ausladenden Dimensionen. Und „Joy (Can’t Help But Sing)“ deutet letztlich doch wieder einen Hauch Hoffnung an.
Hier schwingen ordentlich Frust und Wut mit, und das ist nur zu verständlich. José González beobachtet globale Entwicklungen schon lange mit einer gewissen Sorge, doch geht der Niedergang, das Drehen der Teufelsspirale seit ein paar Jahren immer schneller. Schadhafte KI ist natürlich ein wichtiges Thema, zugleich aber symbolisch für größere Zusammenhänge und Konzepte zu sehen. Zugleich bemüht sich „Against The Dying Of The Light“ um eine Portion Hoffnung, ruft vertrauten Humanismus und Optimismus an. Dennoch ist dies eine seiner eindringlichsten Platten seit langem geworden, zeigt González laut, intensiv und pointiert, doch immer wieder mit sympathischer bis einfühlsamer Intimität versehen. Dieses schwierige wie wichtige Album hallt noch lange nach.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 27.03.2026
Erhältlich über: Imperial Recordings / City Slang
Website: jose-gonzalez.com
Facebook: www.facebook.com/josegonzalezmusic
