TAU 5 – Kreise

TAU 5
(c) Constantin Flux

Seit drei Jahren schrauben TAU 5 an ihrer Musik. Hinter dem ominösen Namen stecken fünf erfahrene, prominente Jazzmusiker mit gemeinsamer Basis in Berlin: Philipp Gropper (Tenorsaxophon, Sopransaxophon), Philip Zoubek (Synthesizer, Keys), Ludwig Wandinger (Electronic, Mix, Edit), Petter Eldh (Bass, Electronics) und Moritz Baumgärtner (Schlagzeug). Ihren gemeinsamen Ansatz verstehen sie als Mischung aus Jams, Notationen, erneute Session-Improvisationen und Editing-Schnittwerk. Entsprechend losgelöst und gekonnt wild gibt sich das Debütalbum „Kreise“, das mit Sicherheit eben solche ziehen wird.

Das (oder der?) eröffnende „Madman Of Naranam“, als erster Exkurs bereits seit geraumer Zeit bekannt, deutet schon mal an, wohin die Reise geht. Stete Zäsuren, urplötzliche Wendung und grandiose Instrumentalkunst bilden das Rückgrat dieses Albums. Entsprechend vielfältig und vielschichtig zeigt sich bereits der Opener, dessen hektischer Start schnell in komplette Entfremdung und verstörenden Minimalismus mit Soundtrack-Qualitäten übergeht. Ausgelassene, recht freie Jams und komplexe Drum-Patterns tragen dieses erste Highlight, das vor allem im Mittelteil atemberaubende Dimensionen annimmt.

Vielschichtiger und packender wird es sonst nur noch in „Scream“. Kurz vor Ladenschluss bäumt sich dieser Zehnminüter auf, wogt bedrohlich hin und her. Jeder Musiker bekommt ordentlich Platz, um sich kreativ auszutoben. Philipp Groppers Saxophon nimmt gerade im Mittelteil eine zentrale Rolle ein, wahrend Moritz Baumgärtner als Taktgeber den herrlich ausufernden Track zusammenhält. Das kurzweilige, ungemütliche „Circles“ mit seinem Fokus auf Elektronik und einen feinen Hauch Neue Musik brennt sich ebenso ein, während das lautmalerische und doch zurückgelehnte „Fuego“ beinahe die Antithese dazu sein könnte.

Einfach fallenlassen, schon ist die Welt in Ordnung: „Kreise“ erfüllt angesichts der beteiligten Musiker sämtliche Erwartungen und mehr. Ellenlange Improvisationen, Überarbeitungen und Versionen entfremden und wirken zugleich heimelig – ein packender Widerspruch, der nie komplett aufgelöst wird und gerade darin Methode findet. TAU 5 spielen mit Genregrenzen und den Möglichkeiten der Jam-Situation. Das Ergebnis: Kopfkino zwischen Hektik, Neuland und Soundtrack-Qualitäten. Spannendes Happening.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 20.11.2020
Erhältlich über: Fun In The Church (Bertus / Zebralution)

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