Balu Brigada – Portal

Balu Brigada
(c) WMG

Darf es eine Portion Pop mit Ecken und Kanten sein? Balu Brigada aus Neuseeland schaffen es wie nur wenige andere, ein Radio- und Streaming-Publikum ebenso zu bedienen wie die Alternative- und Indie-Fangemeinde. Das Brüderduo Henry und Pierre Beasley macht seit knapp zehn Jahren Musik, veröffentlichte zwei EPs und schaffte zuletzt mit „So Cold“ seinen Durchbruch – weit über 30 Millionen Streams, US-Late-Night-Auftritte und ein Platz auf dem ‚EA FC 25‘-Soundtrack. Stolze drei Jahre arbeiteten sie an ihrem ersten Album, unter anderem in Los Angeles, Berlin, New York und der Heimat, nun ist „Portal“ bereit für den großen Wurf.

Besagtes „So Cold“ lauert direkt nach dem Intro und klingt immer noch fantastisch – ein treibender, groovender, sommerlicher Popsong mit tanzbaren Gitarren, der gerne mal an Vampire Weekend und (frühe) Foster The People erinnert. Herrlich legere Vocals, Dancefloor-taugliche Synergien und diese kleine, fast versteckte Hook, die sich doch einbrennt, machen ebenso Laune wie das bewusst mit deepen Klängen flirtende „The Question“. Kurz vor dem House-Absprung tauchen Balu Brigada in einen schwingenden, basslastigen Track mit unbeschwerter Leichtigkeit inmitten dröhnender Wucht ein und klingen trotz erdrückender Lautstärke tiefenentspannt.

Es geht aber auch ganz anders: „Backseat“ ist eine über sechs Minuten lange Tour de Force, die kaum überdrehter und wahnwitziger ausfallen könnte. Technoides Stampfen, schrubbende Gitarren mit Stadionenergie, ein plötzlicher Disco-Einschub und schließlich psychedelische Formveredelung – das sollte eigentlich zu viel sein, macht aber Laune. Auch „What Do We Ever Really Know“ zeigt eine komplett andere Facette und serviert nüchternen Indie Rock aus der Garage, der an die ersten beiden Strokes-Alben erinnert und den Geist New Yorks einfängt. Wieder ein paar Türen weiter liefert „Golden Gate Bridge“ überdrehten Pop zwischen The Naked And Famous und Empire Of The Sun, der doch prima zum Bandsound passt.

Was eigentlich überfordern sollte, ist das große Ass im neuseeländischen Ärmel. Nach dem ersten Durchlauf wirkt „Portal“ fast too much, nimmt zig Ideen mit und versucht diese in eine neue Form zu pressen – etwas vertraut und doch ganz anders. Letztlich geht aber genau das auf, denn Balu Brigada beherrschen diesen vielseitigen, vorwitzigen Wahnsinn wie nur wenige andere. Sie schreiben Pop-Songs mit kleinen Ecken und Kanten, fühlen sich im Indie Rock ebenso wohl wie auf der Tanzfläche, untermalen laue Sommernächte und nachdenkliche Momente ungefilterter Melancholie. Und doch wirkt nichts davon unnatürlich, aufgesetzt oder gar überladen, sondern fließt gar organisch ineinander. Der Einstand von Balu Brigada ist ein kleines Kunststück, das gefühlt immer besser wird und die beiden Brüder zugleich als musikalische Hoffnungstäger etabliert.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 29.08.2025
Erhältlich über: Atlantic Records / ARRO Records / Warner Australia

Website: www.balu-brigada.com
Facebook: www.facebook.com/BaluBrigada