Maruja – Pain To Power

Maruja
(c) Samuel Edwards

Seit Jahren brodelt es in der Szene Manchesters. Wer Maruja einmal live gesehen hat, ist Fan. Der eigenwillige Sound der Band passt in kleine Schublade – Jazz, Noise, Alternative, Post Punk, Art Rock und zig weitere, gerne Jam-artige verarbeitete Ideen durchzogen diverse EPs. Über ein Jahrzehnt nach Bandgründung gibt es tatsächlich doch noch das erste reguläre Album, und das hinterlässt mächtig Eindruck. „Pain To Power“ ist auf der Suche nach dem Flow-Zustand, den die Band seit Jahren erfolgreich auf der Bühne kultiviert, und zeigt sich hörbar politisch gezeichnet – von den politischen Verhältnissen in den USA, aber auch von der unmenschlichen Situation in Gaza.

Der wütende, furiose Opener „Bloodsport“ soll als Drum’n’Bass durch einen Punk-Filter verstanden werden, war in nur zwei Stunden fertig und packt eine Unmengen an Silben in eine Abhandlung über Mental Health, die zugleich den musikalischen Wahnsinn des britischen Quartetts auf den Punkt bringt – hektisch, roh, noisig, dank Saxofon zudem von gewissen Jazz-Vibes beflügelt. An anderer Stelle finden sich Maruja in den „Trenches“ wieder, ebenfalls laut und schroff, wenngleich fast entschleunigt. Wütende Gesten und fast metallische Druckwellen treffen auf Überlegungen zur Rolle von Bands und Musik in einer Gemeinschaft, wo diese zur Lebensader werden können.

Immer wieder stürzt sich das Quartett in die Überlänge und der Zehnminüter „Born To Die“ bringt das auf wundersame Weise auf den Punkt. Art Rock, jazzige Vibes und ein urplötzlicher Freakout mit Post-Rock-Untertönen kollidieren mit dem eigenen Verständnis von Spiritualität, mit wachsenden Klangwänden und konzentrierter Beklemmung. „Reconcile“ ist unwesentlich kürzer und bringt den eingangs erwähnten Flow-Zustand auf den Punkt. Ein Song, der die Wichtigkeit von Liebe betont, öffnet seine Arme immer weiter und wird selbst inmitten der emotionalen Flut zum Rettungsanker. Die Schönheit der Gegensätze taucht hingegen in „Saoirse“ auf, einem anmutigen wie aufwühlenden Track über die Nähe zwischen Irland und Palästina.

Auf allen Ebenen herausfordernd, gerne mal anstrengend und erschöpfend, doch stets lohnenswert: Maruja bestätigen sämtliche Qualitäten auf Albumlänge, ohne es jedoch sich und ihrem Publikum auch nur eine Sekunde leicht zu machen. Der Quasi-Missing-Link zwischen Squid und black midi sucht und findet so etwas wie Magie, sofern dieser Begriff das hier Gehörte überhaupt beschreiben kann. Stete Unruhe, greifbares Zappeln und der omnipräsente Fluss widersprüchlicher Gefühle rahmt „Pain To Power“ geschickt ein – kunstvoll, lärmend, jazzig, vertrackt und doch so klar, so deutlich, wenn es gerade notwendig ist. Dieses harte Stück Arbeit braucht viel Geduld und Verständnis, setzt sich schon mal in die Nesseln und findet diese erstaunlich anschmiegsam. Sollte man erlebt haben.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 12.09.2025
Erhältlich über: Music for Nations (Sony Music)

Website: www.marujaofficial.co.uk
Facebook: www.facebook.com/Marujaband