The Birch – Vicious Mind

Drei junge Menschen aus Quedlinburg in Sachsen-Anhalt transportieren den Sound vergangener Generationen ins Hier und Jetzt. The Birch verstehen sich auf Psychedelic Rock mit starkem Blues-Einschlag und bemühen sich um eine gewisse Retro-Note, ohne tatsächlich wie ein x-belibiger Retro-Act zu klingen. Für ihr zweites Album verschlug es das Trio nach Miami Beach, was dem Sound natürlich einen gewissen internationalen Einschlag verlieh, ohne auf die psychedelischen, rockenden Basics zu vergessen. Irgendwo dazwischen macht es sich „Vicious Mind“ gemütlich, der Einstand für Tonzonen, und könnte der Auftakt einer ganz großen Reise sein.
Begleitet wird diese von unterschiedlichen, nach Vinylseite aufgeteilten Facetten. Die A-Seite steht im Zeichen einer gewissen Düsternis und Schwere, die sich in Songs wie „‚Till You’re Gone“ äußert. Es geht um zerrissene Herzen, im Zeichen des Blues vorgetragen, voller Kraft und Intensität. Lucas Habenreichs kraftvolle Stimme bringt die nötige Präsenz mit, während das klassische Genre-Motiv langsam verschwimmt. „Trinity“ krallt sich ein relativ klassisches Rock’n’Roll-Riff, startet erst einmal furios durch und spielt sich in der zweiten Hälfte in einen psychedelischen Rausch. Zunehmende Entfremdung, willkommene Space-Rock-Anteile und das finale Durchstarten kommen gut.
Deutlich weicher und rockiger geht es hingegen die B-Seite an. „Downpour“ passt da natürlich prima ins Bild, erdig und doch leichtfüßig. The Birch ließen sich von den morgendlichen Stürmen in Miami inspirieren und lassen den Song zunehmend den Boden unter den Füßen verlieren. Während sich die Arme und Herzen dem Himmel öffnen und sachte durch den luftleeren Psych-Rock-Raum gleiten, stellenweise fast krautig anmuten, stellt sich ein Gefühl beseelter Zufriedenheit ein. „Roll’n’Rock“ mag es hingegen direkt und dreckig, arbeitet mit einem einfachen wie genialen Rock-Motiv und überzeugt durch seine bloße Spielfreude.
Es braucht nur eine halbe Stunde zum vollkommenen Glück, doch The Birch nutzen die knapp bemessene Zeit fantastisch aus. Ihr zweites Album hat tatsächlich alles, von bluesiger Schwere über furiosen Rock bis hin zu psychedelischer Leichtfüßigkeit, in wechselnder Zusammensetzung und – natürlich – mit etatmäßigen Querverweisen zu längst vergangenen Tagen. Dennoch gelingt es „Vicious Mind“ immer wieder, dank frischem Wind und purer Spielfreude, dem Geschehen den eigenen, unverkennbaren Stempel aufzudrücken. Neue Ideen, knackige Riffs, starker Gesang und eine vielseitige Rhythmusabteilung verbannen die Mottenkugeln und lassen das noch nicht schüttere Haupthaar im Wind wippen. Eine richtig schöne Angelegenheit, von vorne bis hinten.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 21.11.2025
Erhältlich über: Tonzonen Records (Cargo Records)
