congratulations – Join Hands

Hände reichen und gemeinsam ab auf die Tanzfläche: congratulations aus Brighton veröffentlichen seit vier Jahren immer wieder Singles und Kleinformate und spornen Indie-Klänge zu euphorischer Bewegung an. Kantiger Indie Rock der Nullerjahre trifft 80s-Pop, Groove, Funk und ordentlich Elektronik, während die Texte mitreißen möchten, im Angesicht persönlicher und gesellschaftlicher Probleme. Entsprechend unbekümmert, deutlich und zugleich herzensgut gibt sich ihr erstes komplettes Album. Passend dazu der aufrüttelnde, energische und anfeuernde Titel: „Join Hands“.
Das kämpferische „Fought 4 Love“ ist funky wie sonst was, sucht nach mehr Cowbell und hat hörbar Spaß am kunterbunten Wahnsinn. Leah Stanhope spielt mit ihrer Stimme, lässt sich immer wieder unterstützen, während das hibbelige Arrangement mehr und mehr Melodien offenbart. Scharfkantige Gitarren und Retro-Pop-Flair finden zusammen, sogar für eine cheesy Muzak-Interlude bleibt Platz. Der Grinser lässt sich kaum verbergen, ebenso wenig beim famosen „Dr. Doctor“. Zurückgelehnt und doch frontal treibend, so tänzelt das Ding nach vorne, mit allerlei Beeps und Bleeps versehen. Wenn schließlich eine Prince-Gitarre das Heft in die Hand nimmt, ist alles eitel.
Beste Laune zieht sich durch die gesamte Platte. Selbst wenn „I Feel Severe“ mit einer komplett entstellen Gitarre auftrumpft, die man auch bei den Queens Of The Stone Age finden könnte, bevor stampfendes Noise-Chaos mittendrin übernimmt, bleibt die Stimmung blendend. Der Sound von congratulations hat etwas Ansteckendes an sich, was sich auch in „Nevagonna“ zeigt. Nach langem Intro taucht ein legeres Beat-Konstrukt auf, das entfernt an die Solo-Anfänge von Justin Timberlake erinnert. Mächtig Bass, vorwitzige Vocals sowie ein entfremdetes Saxofon nebst leicht alpinen Einflüssen im Abgang wissen zu unterhalten.
Wo – und wie – soll man dieses Machwerk bloß einordnen? Eine Antwort fällt alles andere als leicht; besser ist es, diesen Einstand einfach wirken zu lassen. Und exakt das macht „Join Hands“ charmant, denn die Art und Weise, wie diese zehn Songs wieder und wieder überrollen, hat Unterhaltungswert. Natürlich steckt da viel Vertrautes drinnen – Blondie, Yeah Yeah Yeahs und LCD Soundsystem, um ein paar ungefähre Eckpfeiler zu nennen – doch zerlegen congratulations all das in seine Einzelteile, packen die unbändige Energie einer großartigen Sängerin und einer nicht minder starken Band dazu. Fertig ist ein kurzweiliger Frühlingsbote, der künftig in keiner Indie-Disco fehlen darf.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 13.02.2026
Erhältlich über: Bella Union (Bertus)
Website: www.congratulationsband.com
Facebook: www.facebook.com/congratulationstheband
