Schlagwort: Indie Pop/Rock

Blondshell

Blondshell – Violins

Mit jedem Album findet Blondshell weiter zu sich, zu ihrem Sound und zu ihrer vollen Stärke als Songwriterin. Während die beiden Vorgänger elementare Themen in den Kontext von Beziehungen setzten, geht die Endzwanzigerin nun wesentlich deutlicher und direkter an jene Dinge heran, die ihr wichtig sind. „Violins“ stellt die inhärente, zunehmende Gewalt in dieser Welt der gleichzeitigen Schönheit gegenüber und sucht nach einem Einklang zwischen beiden Extremen, der in der Regel nicht so leicht gelingen will. Wenig überraschend werden die elf neuen Songs von einer gewissen, nicht gänzlich von der Hand zu weisenden Schwere untermalt.

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Ciao Lucifer

Ciao Lucifer – Sunset Riders

Ciao Lucifer verlängern den Sommer ordentlich – das wäre nach den vergangenen Monaten eher nicht nötig gewesen. Das Duo aus Amsterdam geht seinen Indie-Sound voller Elan und Energie an, ist seit Jahren Fixgast auf unzähligen europäischen Festivals und zählt zu den stärksten Livebands des Kontinents. Dahinter stecken Texte mit Tiefgang, die schon mal mit Unsicherheiten, Beziehungen und Widersprüchen ringen, während der Sound beste Laune macht. Dieses Mal wollten Marnix Dorrestein und Willem Wits ihre Bühnenenergie einfangen, nahmen fast alles in einem Take auf und machten einfach. „Sunset Riders“ profitiert davon hörbar.

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Steaming Satellites

Steaming Satellites – The Great Lime Paradigm

Ein Grund zum Feiern: Salzburgs Indie-Institution Steaming Satellites veröffentlichte vor 20 Jahren ihr erstes Album. Seither erschienenen mehrere Platten, man tourte durch Europa und die USA und supporte unter anderem Portugal. The Man, White Lies und alt-J. Wenig überraschend wird das große Jubiläum mit frischem Stoff begangen, denn Stillstand hat keine Chance. Das soll auch die Musik zeigen, die sich vom Ballast der Welt befreien und der kargen Existenz die Stirn bieten will. Weniger Pop, mehr Gitarren und Kanten sollen ein wenig an den Garagen-Sound der Anfänge erinnern, ohne jüngere Entwicklungen zu ignorieren. Entsprechend bunt und dringlich gibt sich „The Great Lime Paradigm“.

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Kaktus Einarsson

Kaktus Einarsson – Factoid Happiness

Glück und Freude – was das genau ist, beschäftigt Kaktus Einarsson seit geraumer Zeit. Der Musiker und Songwriter aus Island konzentriert sich auf seinem dritten Album darauf, wo man Happiness (angeblich) finden kann. Vermeintliche Wege zur Fröhlichkeit gibt es viele, als bloße Halbwahrheiten verkauft, von Algorithmen bestimmt und letztlich doch oft nur davon abhängig, ob man daran glaubt. Was sich zugegebenermaßen verkopft und abstrakt liest, liefert die durchaus philosophische Basis für „Factoid Happiness“, ein Werk über die Herausforderungen und Reizüberflutung des modernen Lebens, die Kommodifizierung des Glücks und der Schönheit des Gemeinsamen.

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Olafur Mowa

Olafur Mowa – Post Internet Era

Ist das Internet tatsächlich tot? Seit geraumer Zeit grassieren Theorien, dass weite Teile des Web und der Diskussionen in sozialen Medien und Kommentarspalten von Bots geführt werden, von Unmengen an Werbung (YouTube ohne entsprechende Block-Technologie ist … eine Erfahrung) und künstlicher Intelligenz ganz zu schweigen. Olafur Mowa befasst sich auf seinem ersten Soloalbum mit der Zeit danach. Neben GiGi Blow hatte er Bock, auch mal den einen oder anderen Track ohne Partybezug zu schreiben, über Coming of Age jenseits der Teenagerzeit. Musikalisch zwischen unzähligen Genres und Epochen angesiedelt, kultiviert „Post Internet Era“ den Charme des Seins im digitalen Zeitalter.

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ACUA

ACUA – Flood My Eyes

Das Leben on tour kann eine Band verändern. Nach dem Release von „Is There More Past Or More Future“ spielten ACUA mehr als 50 Konzerte, tourten fleißig – unter anderem in Kanada, Japan und Großbritannien – und gewannen vor allem einiges an Erfahrungen. Keyboarderin und Sängerin Maja machte die Kölner zum Quartett, zudem entstand die neue Platte deutlich kollaborativer. Alle vier Musiker:innen brachten sich ein, singen sogar ab und an Leads, während zugleich dem Pop deutlich mehr Platz eingeräumt wurde. „Flood My Eyes“ traut sich in jeder Hinsicht mehr und lässt frischen Wind wehen.

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Casafungo

Casafungo – Killing Time Without Injuring Eternity

Die Lübecker Bucht ist unter Wind- und Kitesurfern sowie Stand-up-Paddlern mehr als beliebt. Ob das den Sound von Casafungo beeinflusste, ist allerdings nicht bekannt. Christopher Langkauf und Lucas Weinknecht kennen sich bereits seit mehreren Jahren aus verschiedenen Bands. Eher zufällig trafen sie bei einer Jam-Session auf die vielfach ausgezeichnete Jazz-Sängerin Ella Burkhardt, die Chemie stimmte sofort. Als Casalungo widmet man sich einer poetischen Mischung aus Indie, Dream-Pop und eben Surf Rock. „Killing Time Without Injuring Eternity“ ist das erste komplette Album des Trios aus Lübeck.

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Family Stereo

Family Stereo – The Thread

Als sich Everything But The Girl 2023 mit ihrem ersten Album seit fast 14 Jahren zurückmeldeten, war die Überraschung groß. Im Hintergrund brachte sich bereits die nächste Generation in Position: Blake Watt ist eines der Kinder der EBTG-Masterminds Tracey Thorn und Ben Watt, veröffentlicht seit 2020 diverse EPs unter dem Künstlernamen Family Stereo. Seine musikalische Identität befasst sich aber vor allem mit Folk, Singer/Songwriter und ein wenig Indie. Im Laufe der Zeit gestaltete sich Watts Songwriting nach eigenen Angaben zusehend schlichter und reduzierter, auf das Wesentliche eines Songs konzentriert. „The Thread“ ist das erste komplette Album.

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JJerome87

JJerome87 – The Canyon

Normalerweise empfindet Joe Newman eine gewisse kreative Erschöpfung, wenn ein Album seiner Band alt-J fertiggestellt wurde. Als deren jüngste Platte „The Dream“ schließlich im Kasten war, ging es aber einfach weiter. Unter dem Eindruck der Geburt seiner Tochter und dem Dasein als junger Vater begann er, diese Erfahrungen mit Erinnerungen aus seiner Kindheit und Jugend zu neuen Geschichten zu verweben, die sich sowohl thematisch als auch musikalisch ein wenig außerhalb vertrauter Muster bewegen. Nachdem der Solo-Einstand „The Canyon“ vergangenen Dezember etwas unorthodox auf seiner Homepage zu kaufen war und als ZIP-Datei übermittelt wurde, wagt er als JJerome87 nun doch noch einen breiten Release.

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The Veils

The Veils – Fragile World

Mit kompakterem Budget auf der Haben-Seite und bewusst schwermütig ausgerichteten Streichern als Begleiter gaben sich The Veils auf „Asphodels“ so ermattend wie selten. Finn Andrews konnte mit einer Art Chamber-Music-Vision von Indie Pop Anfang 2025 durchaus überraschen. Die Antwort ließ überraschenderweise keine 18 Monate auf sich warten. Bewusst lebendiger und kraftvoller ausgerichtet, beruht „Fragile World“ auf Texten aus Andrews‘ Londoner Zeit als Kettenraucher und erkundete die dazugehörigen Arrangements und die begleitende Instrumentierung über weite Strecken erst im Studio – ein mutiger Schritt, der sich hörbar lohnt.

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