Schlagwort: Indie Pop/Rock

Owen

Owen – The Falls Of Sioux

Ob mit American Football, Cap’n Jazz oder LIES – Mike Kinsella ist immer für eine kleine musikalische Überraschung gut und entwickelt, quasi im Vorbeigehen, seine Songwriting-Skills deutlich weiter. Das merkt man vor allem, wenn er sich seinem Solo-Schauplatz Owen zuwendet. Knapp vier Jahre nach dem Release von „The Avalanche“, das sich mit den emotionalen Tiefs Kinsellas (unter anderem die Nachwehen seiner Scheidung) befasste, klingt der Nachfolger gefasster und erwachsener. Auf „The Falls Of Sioux“ geht es unter anderem um Situtationen, die bei einem deutlich jüngeren Protagonisten Panik ausgelöst hätten, die nun jedoch geradezu abgeklärt weggesteckt werden.

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gglum

gglum – The Garden Dream

Die erst 21jährige Singer/Songwriterin Ella Smoker wird mit ihrem ersten Album vorstellig. Bereits 2020 hatte die Londonerin unter ihrem Künstlernamen gglum einen kleinen viralen Pandemie-Hit, später sollten zwei EPs folgen. Nun darf es also eine komplette Platte sein, die nicht als Konzeptwerk gedacht war, durch Fiebertraum-artige Erzählungen allerdings zwischen starken Erinnerungen und unterdrückten Vorstellungen wandert. „The Garden Dream“ entpuppt sich als Balanceakt auf dem schmalen Grat zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein, gekleidet in verträumte bis treibende Bedroom-Chic-Arrangements.

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Elbow

Elbow – Audio Vertigo

Wie auch immer ein vorhersehbares Elbow-Album aussehen mag, das Quintett versucht seit einiger Zeit, ein solches nicht aufzunehmen. Für das unter besonderen Umständenen entstandene „Flying Dream 1“ mieteten sie zuletzt sogar ein Theater und setzten auf vergleichsweise ruhige Momente. Der Nachfolger soll nun deutlich direkter und dreckiger ausfallen. Man probte zusammen in kleinen, garagenartigen Zimmern, groovte ordentlich und wählte dafür einen um Welten frontaleren Ansatz. „Audio Vertigo“ fällt somit auch irgendwie aus dem Rahmen und erfüllt doch im besten Sinne sämtliche Erwartungen.

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Boeckner

Boeckner – Boeckner!

Seit über zwei Jahrzehnten zählt Daniel Boeckner zu den prägenden Figuren der kanadischen Indie-Landschaft. Als Teil so unterschiedlicher Formationen wie Handsome Furs, Operators, Divine Fits, Future Kits, Atlas Strategic und – seine wohl bekannteste Band – Wolf Parade bestimmt er seit Beginn der Nuller-Jahre den Alternative-Sound des nördlichsten Nordens Amerikas mit. Was im Portfolio des 46-jährigen bislang noch fehlte, war ein Soloalbum. Hier nennt er sich einfach nur Boeckner, die dazugehörige Platte trägt den Titel „Boeckner!“. Um wenn es da wohl gehen könnte …

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Everything Everything

Everything Everything – Mountainhead

Die intensive, geradezu intime Auseinandersetzung mit Technologie, KI und vielen weiteren Aspekten der vermeintlichen Moderne gehört für Everything Everything sozusagen zum guten Ton. Für ihr letztes Album „Raw Data Feel“ entwickelten sie sogar ein eigenes KI-Tool und fütterten dieses mit Unmengen an Daten. Nun schlägt das Quartett eine deutlich dystopischere Richtung ein. Eine Technologie der Zukunft stürzt die Menschheit in eine tiefe Krise. Auf der gesellschaftlichen Leiter thront eine Elite, während die Menschen am anderen Ende gezwungen sind, sie zu erhalten. „Mountainhead“ findet in dieser albtraumhaften Vision Parallelen zur Gegenwart. Und zarte Ansätze von Hoffnung.

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Would

Would – Be Okay To Not Be Okay

Palila-Fans geht es aktuell richtig gut. Kein Jahr nach dem Release des wunderbaren „Mind My Mind“ wagt sich Sänger Matthias Schwettmann an seinen relativ neuen Solo-Schauplatz Would. Dort verarbeitet der Mann mit der Charakterstimme vor allem Songs, die bei der Hauptband nicht so ganz reinpassen, die insgesamt etwas näher an Indie-lastigen Singer/Songwriter-Klängen angelehnt sind. Was im Kleinformat bereits hervorragend funktionierte, erhält nun ein komplettes Album: „Be Okay To Not Be Okay“ bringt alten und neuen Stoff gekonnt zusammen.

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Mother Mother

Mother Mother – Grief Chapter

Seit annähernd zwei Dekaden kultivieren Mother Mother ihren in Indie und Alternative verwurzelten Pop/Rock-Sound, landeten gerade in der kanadischen Heimat mehrmals in den Top 10 und durften sich dank mehrerer viraler TikTok-Hits ab Ende 2020 über verdiente Gold- und Platin-Auszeichnungen freuen. Was sich wie digitaler Hype liest, ist tatsächlich das Ergebnis langjähriger harter Arbeit sowie von verdammt gutem Songwriting. Für ihr neuestes Werk, das nunmehr neunte Studioalbum, widmet sich das Quintett schweren Themen wie Tod, Trauer und Akzeptanz. „Grief Chapter“ bezieht daraus die Kraft, die Schönheit des Lebens und der Vergänglichkeit zu schätzen.

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Declan McKenna

Declan McKenna – What Happened To The Beach?

Platz 2 in den britischen Album-Charts und doch alles andere als entspannt: Mit seinem zweiten Album „Zeros“ gelang Declan McKenna nicht nur eine spannende Glam-Rock-Häutung, sondern ein mehr als verdienter Charterfolg, dem ausverkaufte Tourneen und große Festivalauftritte folgen sollten. Dennoch kämpfte der erst 25jährige mit Selbstzweifel und Impostor-Syndrom, suchte nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten. Das neue Material sollte mehr Raum zum Atmen bekommen, und so zog es ihn nach Kalifornien, um mit Gianluca Buccellati (u. a. Lana Del Rey, Arlo Parks) einen neuen Sound zu finden. „What Happened To The Beach?“ ist die dritte musikalische Häutung auf dem dritten Album und überrascht mit vergleichsweise luftigen, aufgeräumten bis chaotischen Tönen.

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Kapelle Petra

Kapelle Petra – HAMM

Die wohl größten Sympathieträger der deutschen Indie-Szene haben ihrer Heimatstadt ein Denkmal gesetzt, zumindest musikalischer Art. Seit mehr als einem Vierteljahrhundert sind Kapelle Petra nicht mehr wegzudenken, mit stets sympathischen Releases auftrumpfend, 2019 schließlich erstmals – und hoch verdient – mit „Nackt“ in den Album-Charts gelandet. Auf den EP-Zyklus zu den vier Jahreszeiten folgt nun eben „HAMM“, ein Ort des Ankommens und des Weiterreisens, symbolisch für das Leben, dessen schöne Momente und endlosen Irrwege. Exakt davon singt das Trio mit Schmelz und Elan.

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Bill Ryder-Jones

Bill Ryder-Jones – Iechyd Da

So stolz wie jetzt war Bill Ryder-Jones nach eigenen Angaben seit dem 2013 erschienenen „A Bad Wind Blows In My Heart“ nicht mehr auf ein Album, erklärt aber im gleichen Atemzug, dass es sein bislang aufwendigstes Werk war. Gut fünf Jahre nach „Yawn“ gibt es wieder Solo-Nachschub, für den Ryder-Jones sich dieses Mal möglichst breit aufstellen wollte, unter anderem beflügelt von diversen Produktionen für eigene Künstler in seinem eigenen Studio. Mit diesem Selbstbewusstsein, mehr musikalischer Vielfalt und bewusst pointierten Lyrics gibt sich „Iechyd Da“ (walisisch für „Gute Gesundheit“) direkter und doch komplexer denn je.

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