Exsonvaldes – Ninety Seconds To Midnight

Exsonvaldes
(c) Marta Mingorance

Mit ihrem Überraschungs-Comeback 2023 etablierten sich Exsonvaldes sofort wieder an der Speerspitze der französischen Indie- und Alternative-Landschaft. Und doch soll dies für das Trio aus Paris nur der Anfang sein. Mit dem Nachfolger wollen sie ein paar Schritte zurückgehen und an die Dringlichkeit ihrer Anfangstage vor mittlerweile einem Vierteljahrhundert anknüpfen. „Ninety Seconds To Midnight“ (ein Verweis auf die Weltuntergangsuhr) kramt wieder deutlich mehr Gitarren hervor und ignoriert doch keinesfalls die Entwicklungen späterer Jahre, als die Band zu Alternative-Pop-Meistern gereift war.

Die ersten beiden Songs illustrieren die Bandbreite dieses Albums gekonnt. Da wäre zunächst „Paris Bruxelles“, das seine Leichtfüßigkeit mit Betonklötzen versieht. Poppiger Feinsinn, sympathische Schwere und ein unbeschwerter wie unbequemer Chorus bringen zusammen, was zusammengehört. Das kann auch „Rockets“, wenngleich auf gänzlich andere Art. Für den flotten Uptempo-Track orientieren sich Exsonvaldes am Indie-Sound um die Jahrtausendwende, lassen die Gitarren schrammeln und hauen eine Hook nach der anderen raus – als würden Razorlight, The Futureheads und Phoenix aufeinandertreffen.

Und das ist doch nur ein kleiner Einblick in die Vielfalt dieser Platte. Da wäre beispielsweise „French Keyboard“, das nach eigenen Angaben in Text und Ton an Weezer erinnert. Tatsächlich geht der Vergleich in dieser seltsam eingängigen Nummer auf. Das flotte, hibbelige „Malaga“ lebt hingegen von unendlichen Melodien und charmanten französischen Lyrics. Die hat auch „Est-ce qu’on parle enfin de moi?“ im Gepäck. Einzig aus Gesang und Piano bestehend, entwickelt sich ein packender Sog. Einen solchen erzeugt auch „Abandoned Water Park“, bloß auf komplett andere Weise. Funkelnder Indie Pop trifft bezaubernde, bizarre Melancholie. Mit „Tate (Like The Museum)“ setzt es eine überraschende Dosis Hard Rock im Refrain, die mit jeder Wiederholung mehr Spaß bereitet.

Ein kompromissloses Rock-Album mag es vielleicht nicht geworden sein, kommt diesem jedoch so nahe wie seit langem nicht. Exsonvaldes gehen befreiter nach vorne, bauen ein paar zusätzliche Ecken und Kanten ein und bemühen ab und an sogar so etwas wie Heavyness. Und doch vergessen die Franzosen nie auf ihr poppiges, geschmackvolles Feingefühl, das wieder und wieder spannende, schräge, stets bekömmliche Blüten treibt. „Ninety Seconds To Midnight“ ist sich dem Untergang bewusst, ringt mit dem Vergessen und Verschwinden, klingt dabei in jeder Sekunde lebendig und lebensbejahend. Dieser Spagat macht Laune und zeigt das Trio aus Paris von seiner besten Seite.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 13.02.2026
Erhältlich über: Finalistes / V2 Records (Bertus)

Website: www.exsonvaldes.net
Facebook: www.facebook.com/exsonvaldes