Mariachi El Bronx – Mariachi El Bronx IV

Trompetern raus, Geigen und Vihuela her: Es ist Mariachi-Zeit! Bei The Bronx war das zuletzt eher selten der Fall, denn neben diversen regulären angepunkten Platten erschien das letzte Album von Mariachi El Bronx bereits 2013. Und doch passend die selbstgenähten Kostüme immer noch, mehr oder minder. Auf ihrem mittlerweile vierten Album, ursprünglich als Auseinandersetzung mit dem Kampf zwischen Liebe und Tod begonnen, verarbeiten sie eine sehr chaotische, unruhige, immer hässlicher werdende Welt um sie herum, und erweitern zugleich den musikalischen Horizont erneut. „Mariachi El Bronx IV“ galoppiert durch die Nacht.
Wilde, zwielichtige Gestalten, zerbrochene Beziehungen und schummriges Licht begleiten die zwölf Songs, eingeläutet durch „Forgive Or Forget“. In diesen viereinhalb Minuten finden sich sämtliche Trademarks mit klassischer Mariachi-Instrumentierung, einem Hauch texanischer Wüstenkunst und Calexico-Charme – energisch, treibend und doch wundervoll zurückgelehnt. Das Spiel mit feinen Kontrasten setzt sich unter anderem in „El Dorado“ fort. Zwar klingt das Akkordeon durchaus alpin, statt auf die Skihütte geht es aber an den Strand. Die flotte, tanzbare Nummer spielt mit einer Prise Spanglish und Unmengen an Charme.
Letzteren besitzt auch „RIP Romeo“ in rauen Mengen. Die deutlich prominentere Rolle der Geige und das flotte Tempo kommen gut. Im Abschied schwingt ein bittersüßes Lächeln mit, denn zum fast fröhlichen, frenetischen Arrangement gesellen sich Gedanken über einen herben Verlust und den Schmerz der Hinterbliebenen. Es ist dies einer der stärksten Songs dieser Platte – eine Kategorie, in die sich „Bandoleros“ nahtlos einreiht. Fast schunkelndes Tempo, cineastische Soundtrack-Stimmung und die herrlich ominöse Atmosphäre machen Laune. Eben jene bringt auch „Into The Afterlife“ mit, bloß mit einem Hauch Western-Vibes ausgestattet. Die Gitarren signalisieren Schwere, das Lächeln ist selbst im Angesicht des Untergangs sehr prominent.
Unmengen an Energie und noch mehr Herz schwingen in diesem sympathischen Album mit. Das etwas unerwartete und doch so willkommene Comeback von Mariachi El Bronx bringt selbst in den schweren Momenten eine gewisse Leichtigkeit mit, die nicht nur aktuell so dringend benötigt wird. Zudem bewegt sich der Achter in vertrauten Gefilden, mit seiner ureigenen Interpretation von Mariachi-Musik – traditionsbewusst und doch frisch. Zudem glänzt „Mariachi El Bronx IV“ – wenig überraschend – durch exzellentes Storytelling, durch diese kleinen Fenster in ganz andere, hochgradig spannende Welten. Auf dass dieser Schauplatz künftig wieder häufiger beackert werden möge.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 13.02.2026
Erhältlich über: ATO Records / PIAS
Website: www.mariachielbronx.com
Facebook: www.facebook.com/mariachielbronx
