ZAHN – Purpur

Bunt. Üppig. Unwirklich. Ausdrucksstark. ZAHN planen Großes für ihr drittes Album. Das Trio aus der Hauptstadt zeigte sich auf „Adria“ von seiner vielfältigen, gerne mal unwirklichen und dabei stets spannenden Seite. Urlaubende Getriebenheit transportierte sie durch verschiedenste Kraut-, Noise- und Elektro-Gefilde. Daran soll der Nachfolger anknüpfen und zugleich neue Pfade beschreiten, zugleich rockiger und elektronischer klingen. Mit Gästen wie Kjetil Nernes (Årabrot) und Fabian Bremer (Radare, Aua) sowie Magnus Lindberg (Cult Of Luna) am Mix und Mastering geht „Purpur“ in jeder Hinsicht in die Vollen.
„Alhambra“ ist ein wundervolles Beispiel für diesen Ansatz, mit knapp sieben Minuten längster Song dieser Platte und angenehm vielschichtig. ZAHN tauchen vorsichtig in mystische Gefilde ein, lassen die Gitarren verzerrt und dreckig erklingen, spielen sogar mit einem Hauch von Math. Immer, wenn das Arrangement abzuheben droht, lockert eine kleine Zäsur auf. Urplötzlich lichtet sich der Nebel, am Ende gibt es sogar ein paar legere Beats obendrauf. Das zwingende „Butter“ bettet hoffnungsvolle Melodien in ein Meer an Distortion ein und arbeitet auf ein gewaltiges Post-Rock-Crescendo hin. Derlei Anschwellen steht dem Trio gut zu Gesicht.
Und doch hat man mit diesen beiden Tracks bestenfalls kleinere Facetten dieser Platte erkundet. Im Vorboten „Solex“ ist es wundervoller Minimalismus, der die grollende Rhythmusabteilung mit federleichten Gitarren und stoischer, leicht psychedelischer Elektronik konfrontiert. Die Patt-Situation bleibt eine solche und überrascht mit cineastischem Feingefühl. Hingegen geht „Gensher“ nach dem synthetischen Intro stoisch und wütend in noisigen Druckwellen auf, bäumt sich mächtig auf, gar bedrohlich, und droht kurz zu explodieren. Das vergleichsweise kurze, pointierte „Katamaran“ geht es ähnlich laut an, bloß auf drei Minuten kondensiert und mit plötzlichem Abriss vor einem metallischen Finale gesegnet.
ZAHN fahren die Ellenbogen aus, nehmen zwischenzeitlich in den Arm und machen damit alles richtig. Anstatt ein weiteres Mal beim nächsten Autogrill einzukehren, erweitern sie ihren Sound um mächtige, reichhaltige und vollends für sich einnehmende Texturen. Die erstaunliche Härte steuert ab und an sogar Metal-Gefilde an, während feinsinnige Post-Rock-Arrangements eine prominentere Rolle zugewiesen bekommen. „Purpur“ schöpft aus dem Vollen, wirkt energisch und belebend, im richtigen Moment erstaunlich kantig, ja sogar abstoßend. Und das einmal mehr wort-, doch nie sprachlos – ZAHN unterstreichen ihre starke Form.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 20.02.2026
Erhältlich über: Crazysane Records (Cargo Records)
Facebook: www.facebook.com/zahn.band
