Comic Sans – Todas las cosas que nos salieron mal

Ihr Name mag von einer Schriftart kommen, die ganze Lager mit Nachdruck teilt, doch über die musikalischen Qualitäten von Comic Sans kann es tatsächlich keine zwei Meinungen geben. Das Quartett aus dem spanischen San Sebastian schreibt sympathische Songs rund um Midwest-Emo-Szenerien, die ehrlich, direkt und gerne mal humorvoll rüberkommen, zugleich durchaus in Richtung Pop Punk, Math Rock und Alternative schielen. Ihr drittes Album heißt „Todas las cosas que nos salieron mal“ (dt. „All die Dinge, die schiefgegangen sind“) und konzentriert sich tatsächlich auf genau das – allerlei Probleme, Misserfolge und Frustationen, mit einem gewissen Fokus auf die Liebe.
Bereits im Opener „Mantequilla y mermelada“ taucht eine kurze, intensive, aber letztlich gescheiterte Beziehung auf und dominiert mit einen Mix aus Emo und Pop Punk, der schon mal gerne an Blink 182 erinnert, der ein klein wenig neben der Spur operiert und mit leicht schräger Hook sowie plötzlichen Uptempo-Parts nicht mehr loslässt. Hingegen hat „Cosas que salen mal“ den Verlust bereits halbwegs überwunden und geht mit mächtig Energie nach vorne. Eine gewisse poppige Energie lässt sich nicht von der Hand weisen, während die melancholischen, basslastigen Einschübe ebenfalls große Freude bereiten.
Für „Gasolina mutante“ nimmt sich das Quartett etwas mehr vor und schafft es tatsächlich, fünf Minuten kurzweilig zu gestalten. Wieder und wieder übernehmen nachdenkliche Klänge die Geschicke und werden zwischenzeitlich von launischem Math Rock abgelöst. Die hibbelige Präsentation zweier musikalischer Welten, die sich scheinbar widersprechen und letztlich doch nur gemeinsam so richtig funktionieren können, macht Laune. Die prägnante Kürze von „Godzilla vs Rayquaza“, ein Song über den Frust der Arbeitslosigkeit, unterhält mit einem hymnischen Chorus, der alles zerlegt. In „Estos no son los droides que buscáis“ taucht sogar schroffer Uptempo-Punk mit Post-Hardcore-Schlagseite auf – eine weitere spannende Facette, die gerne weiter verfolgt werden darf.
Erneut lassen sich die Spanier in aller gebotener Kürze von unter 27 Minuten richtig viel einfallen und zaubern eine angenehm vielseitige, nicht immer einfache Platte, an der rein gar nichts schiefgeht. Im Gegenteil, „Todas las cosas que nos salieron mal“ stellt sich noch etwas breiter auf, lässt sogar den einen oder anderen (natürlich leicht schiefen) Ohrwurm zu und reitet auf sympathischen Hooks, die nicht perfekt sein müssen; das Leben ist es schließlich auch nicht. Das spanische Quartett kocht weiterhin ein sehr eigenes Süppchen mit durchaus vertrauten Zutaten und nimmt gebrochene Herzen an die Hand – einfühlsam, aber angenehm bestimmt.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 13.03.2026
Erhältlich über: Through Love Records (Indigo)
Bandcamp: comicsans.bandcamp.com
Instagram: www.instagram.com/comicsanstheband
