IST IST – Dagger

IST IST
(c) Kind Violence Records

Harte Arbeit und Mundpropaganda brachten IST IST das verdiente Scheinwerferlicht ein. In den letzten zehn Jahren erschienen vier Alben, fünf EPs und mehr als zehn Live-Platten. Zuletzt gelang mit „Light A Bigger Fire“ sogar erstmals der Einstieg in die britischen Top 40. Und doch widersteht das Quartett aus Manchester weiterhin dem Ruf größerer Labels, veröffentlicht abermals über die eigene Plattenfirma und bleibt komplett selbstbestimmt. Diese kreative Freiheit macht sich auch auf ihrem mittlerweile fünften Studiowerk bezahlt: „Dagger“ bewegt sich einmal mehr in vertrauten Gefilden zwischen düsterem Post Punk, funkelndem Wave-Pop und zügellosen Indie-Gitarrenwänden.

Das eröffnende Doppel zeigt sofort, dass IST IST rein gar nichts an ihrer Strahlkraft eingebüßt haben. „I Am The Fear“ beginnt schroff und tanzbar, überrascht mit dezenten EBM-Einflüssen und lässt hinter dem prominenten Synthesizer konzentriert vertraute Klänge durchschimmern. Adam Houghton klingt angenehm bedrohlich, die kleine melodische Hook beißt sich fest. Im Anschluss serviert „Makes No Difference“ vergleichsweise klassische Klänge, konzentriert sich auf das Wesentliche und bietet frontalen, drückenden Post Punk der ermattenden, erschütternden Sorte. Natürlich geht der Refrain nicht mehr aus dem Ohr, kleine Parallelen zu „Tainted Love“ sind ein willkommener Zufall.

Hinter dieser Spitze ohne Eisberg lauert etatmäßige Vielschichtigkeit. Da wäre beispielsweise das erst vorsichtig anrollende, dann zwingende „I Remember Everything“ mit romantischem Unterbau, einer feinen Prise Kitsch und doch unheimlich viel Kraft in jeder Note. „Burning“ gibt sich großspurig, wie eine Post-Punk-Antwort auf den Glam von Suede, schließlich auf wundervolle Weise angsty und erdrückend. Es gibt eben keine Fassung zu verlieren, wenn selbige nie gewonnen worden war. Im abschließenden „Ambition“ öffnen die Briten die Schleusen und servieren eine kleine Indie-Hymne, ins vertraute Soundgewand eingebettet, mit schrammelnden Gitarren und Interpol-Flair aber so zwingend wie selten.

Kleinere frische Nuancen treffen auf massig vertraute Kost – ein geschickter Spagat, den IST IST mittlerweile gekonnt beherrschen. Auf ihrem fünften Studioalbum binnen sechs Jahren wird das Rad nicht neu erfunden, zudem gibt es manch einen vertrauten Moment für alte Fans. Während das Fundament weiterhin auf eingängiger und zugleich ominöser Düsternis beruht, sorgen vorwitzige laute und intime Details für die nötige Würze. Etwas EBM hier, ein wenig Glam da, dazu wohlige Melancholie – „Dagger“ hat all das und noch viel mehr zu bieten. Das Quartett aus Manchester setzt seinen starken Lauf mehr als souverän fort.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 06.02.2026
Erhältlich über: Kind Violence Records (Indigo)

Website: www.ististmusic.com
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