Vicious Rain – The Anatomy Of Surviving

Die Schweiz verfügt über eine kleine aber feine Metalcore-Szene. Bei den bekannteren Namen wie Breakdown Of Sanity, My Last Hour oder Expellow können sich spätestens seit ihrem mehr als ordentlichen Debütalbum „There Is Beauty In Letting Go“ aus dem Jahr 2024 auch Vicious Rain einordnen. Das Quintett aus Baden um den Leadsänger David Häusermann hatte darauf den typischen Mix aus brachialen Riffs, atmosphärischem Post-Hardcore und hoffnungsvollen Singalongs perfektioniert. Anno 2026 will die Truppe mit ihrem Zweitwerk „The Anatomy Of Surviving“ nun die nächste Sprosse auf der Karriereleiter erklimmen.
Das kurze Intro „The Anatomy Of Surviving“ mag mit seinem Autotune-Extremsteinsatz und den darauf folgenden Dark Metal-Anleihen zunächst verwirren, doch spätestens beim ersten vollwertigen Song „Gods Of Glass & Wire“ ist klar, was den Hörer in der nächsten knappen halben Stunde erwarten wird. Vicious Rain brettern hier voll los und liefern eine knallharte Metalcore-Bombe ab, die den klassischen hymnischen Refrain aber dennoch nicht vermissen lässt. Für diesen ist übrigens nicht der Leadshouter zuständig, stattdessen sorgt Gitarrist Mauro Gugerli für den Klargesang als melodisches Gegengewicht. Das folgende „A Spotless Mind“ klingt im Intro dann voll nach Synthwave, aber weder das typische Shouting noch die klassischen Metalcore-Riffs lassen lange auf sich warten. Insgesamt fällt der Track zwar mindestens eine Spur ruhiger aus als der Vorgänger, sorgt damit aber auch schon früh für die nötige Abwechslung.
„Silent Therapy“ schallt anschließend recht düster aus den Boxen – tempomäßig geht man hier zwar mit angezogener Handbremse zu Werke, dafür knallen die Riffs aber umso härter und mächtiger. Thematisch taucht die Band hier tief in die psychische Aufarbeitung ab, wobei das Wechselspiel zwischen David und Mauro wie ein innerer Dialog wirkt: Auf die verzweifelten, geshouteten Fragen folgt die melodische, fast tröstende Antwort. „Trading Hearts“ geht im Anschluss als ganz klassische Metalcore-Nummer modernerer Prägung in den Zieleinlauf. „Spitting Blood Again“ lässt es dann schon vom Songnamen her erkennen: Hier gehen Vicious Rain wirklich knallhart zu Werke, die eingängigen Melodien werden auf ein Minimallevel zurückgefahren. Im Gegenzug klingt „Red Noise“ dann fast schon poppig und kann sich mit seinen powervollen Hooks sofort im Ohr festsetzen.
Bevor sich der Vorhang schließt, sticht unter den verbleibenden Tracks die Abschlussnummer „Intertwined“ heraus. Als fast schon zerbrechliche Abschlussballade konzipiert, zeigt sie eine völlig neue, ruhige Facette der Band und lässt das Album emotional ausklingen. Trotz all der Begeisterung bleibt jedoch ein kleiner Wermutstropfen: Mit lediglich acht vollwertigen Songs und einer Gesamtlaufzeit von gerade einmal 29 Minuten fällt das Vergnügen doch recht kurz aus – hier hätte man sich dann doch etwas mehr Material gewünscht. Dennoch: „The Anatomy Of Surviving“ ist ein handwerklich mindestens gutklassiges Stück Metalcore, das den Spagat zwischen roher Gewalt und eingängiger Melancholie meistert. Vicious Rain festigen ihren Ruf als eine der spannendsten Neuentdeckungen des Genres und liefern ein Werk ab, das trotz der knappen Spielzeit kaum Schwächen zeigt.
Wertung: 3,5/5
Erhältlich ab: 13.03.2026
Erhältlich über: Arising Empire (Edel)
Website: viciousrain.com
Facebook: www.facebook.com/viciousrainband
