Martyr – Dark Believer

Martyr
(c) Marvin Wassink

Die Niederlande haben in der Metalszene vielleicht nicht den gleichen Status wie die skandinavischen Länder, doch gibt es durchaus einige Szene-Größen, die weit über die Landesgrenzen Bekanntheit erlangt haben. Seien es die großen Symphonic Metal-Bands wie Within Temptation oder Epica, das Prog-Projekt Ayreon, die Hard Rocker von Vengeance oder echte Death Metal-Größen wie Asphyx, Legion Of The Damned, Pestilence und Gorefest – sie alle waren oder sind durchaus prägend. Lediglich im klassischen Heavy Metal spielen die Niederlande keine größere Rolle – und das, obwohl die Utrechter von Martyr zumindest im Underground Bekanntheit erlangt haben. Ihr 1985er Debütalbum „For The Universe“ gilt als Kult, doch nach einem ordentlichen Nachfolger kam es schnell zur Auflösung. Seit 2011 veröffentlicht das Quintett aber wieder regelmäßig Alben. Mit „Dark Believer“, ihrem siebten Album, erscheint nun das beste Album seit ihrem Comeback!

Dass es bei Martyr über alle Maßen traditionell zugeht, ist bereits beim Opener „Darkness Before Dawn“ mehr als offensichtlich. Klassischer Heavy Metal Iron Maiden’scher Prägung trifft hier auf den US Metal-Sound der 80er Jahre – Genregrößen wie Crimson Glory, frühe Queensryche, Vicious Rumors oder auch Jag Panzer poppen am Erinnerungshorizont auf. Das Niveau dieser legendären Bands wird vielleicht nicht ganz erreicht, dennoch ist der Song aber über alle Maßen hörenswert und qualitativ sehr wertig. Die gleiche musikalische Mischung bekommt man auch bei den folgenden Songs geboten, die allesamt ein mindestens ordentliches Qualitätsniveau halten, oft aber auch weit darüber angesiedelt sind. Besonders der Titelsong „Dark Believer“ reißt mit Uptempo-Drumming, krachenden Riffs und einem hypnotischem Gitarrensolo sofort mit.

Die musikalische Stimmung variiert auf „Dark Believer“ zwischen düster, aggressiv und dezent melancholisch, Letzteres insbesondere bei der 7 Minuten-Hymne „Cemetery Symphony“. Sehr düster und stellenweise fast schon doomig schallt hingegen „The Weight Of Words“ aus den Boxen. Bei den beiden Titeln handelt es sich um die Glanzlichter des Albums, während „Venoms Scent“ im Albumkontext den Tiefpunkt darstellt – schlechter als Mittelmaß ist aber auch dieser Song nicht. Glücklicherweise steigern sich Martyr danach auch wieder und packen mit „Harvest Of Souls“ eine weitere düstere Hymne und mit „Legions Of The Cross“ einen echten Heavy-Kracher ans Ende der Scheibe.

Wer sich für traditionellen Heavy Metal mit starker US-Schlagseite begeistern kann, der sollte hier unbedingt zugreifen, denn Martyr haben hier wirklich ein starkes Album abgeliefert, der ihre bisherigen eher mittelmäßigen Comeback-Scheiben vergessen lässt. Die Band hat den Bogen anscheinend endlich wieder raus und alle Stellschrauben genau richtig gesetzt. Man sollte zwar keinen zukünftigen Genre-Klassiker erwarten, doch davon ab ist „Dark Believer“ ein wirklich starker Genre-Beitrag geworden, dessen Songs auch live bestimmt eine gute Figur machen werden.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 15.08.2025
Erhältlich über: Rock of Angels Records (Edel)

Website: www.martyronline.nl
Facebook: www.facebook.com/MARTYRONLINE