Akem Manah – Threnodies

Vierzehn Jahre Funkstille – das ist selbst für eine dem schleppenden Sound zugewandte Doom Metal-Band eine lange Zeit. Doch tatsächlich ließen Akem Manah, eine Formation aus dem flämischen Teil Belgiens (die nicht zu verwechseln sind mit der US-amerikanischen Band gleichen Namens) so lange Zeit, um sich nun endlich mit ihrem neuen Album „Threnodies“ zurückzumelden. Das Quartett, das sich nach dem zoroastrischen Dämon des „bösen Denkens“ benannt hat, konnte mit seinem Debütalbum „The Testament Of Sealant Mound“ 2010 für einige Aufmerksamkeit sorgen, doch danach gab es bis auf eine EP wenig zu hören. Die Rückkehr der Band stellt sich auch deswegen als unglaublich spannend heraus, da „Threnodies“ mehr ist als nur ein Album – es ist ein zehnteiliger Zyklus menschlichen Zerfalls, der den Hörer direkt in die Leere führt.
Dass sich die Bandmitglieder hinter kryptischen Kürzeln wie XDS oder GVC verbergen, verstärkt das Gefühl einer unpersönlichen, fast schon geisterhaften Präsenz. Es scheint, als wolle das Quartett jegliches Ego ausblenden, um den Fokus allein auf die musikalische Manifestation von Verfall und Wahnsinn zu richten. Dieser Ansatz spiegelt sich auch im Sound wider – bereits das Orgel-Intro „The Inevitable Fate Of Francis Cobb“ hinterlässt beim Hörer ein ungutes Gefühl, ehe der Opener „The End Of Earnest Hollow“ ihn endgültig mit in die Abgründe der Finsternis reißt. Obwohl sich Frontmann XDS (Xavier De Schuyter) mit Growls hier zumeist zurückhält und stattdessen beschwörenden Klargesang zum Besten gibt, umweht den Song eine unglaublich intensive und finstere Aura. Auch bei „The Mystery Of Mosef Mehul“ webt die Band ihre Hörer in ein monolithisches, tiefschwarzes Netz aus schleppendem Doom Metal ein, der mit einer eisigen Prise Black Metal durchsetzt ist.
Dass Akem Manah für die Aufnahmen von „Threnodies“ Fabio Alessandrini als Gastdrummer gewinnen konnten, erweist sich spätestens bei „The Burning Of John Briggs“ als Glücksgriff. Während die Gitarrenfront um GVC und JT bleischwere, fast schon körperlich spürbare Riffs aufschichtet und Gastviolinist German Dmitriev die melancholischen Akzente setzt, sorgt Alessandrini für ein massives, aber dennoch variables Fundament. In diesem Track verschmelzen Doom-Tradition und die technische Finesse des Black Metal zu einer bedrückenden Einheit, die den Hörer förmlich in den brennenden Scheiterhaufen der Titelfigur hineinzieht. Ein besonderes Ausrufezeichen setzt das Quartett schließlich mit „The Fall Of Maximillian Montagne“. Hier überraschen Akem Manah mit einem Riffing, das in seinen besten Momenten an die glorreichen frühen Tage von Paradise Lost erinnert. Es ist diese Dynamik zwischen traditionellem Gothic Doom und moderner Finsternis, die den Song zu einem der stärksten Momente des Albums macht.
Auch unter den übrigen Nummern findet sich nicht ein einziger Ausfall, so dass man „Threnodies“ neben „The Bereaved“ von Marianas Rest ganz klar zu einem der frühen Doom Metal-Highlights des Jahres 2026 rechnen muss. Unterstützt wird dieser Eindruck durch eine glasklare, aber dennoch angenehm erdige Produktion. Akem Manah ist nach 14 Jahren ein monolithisches Comeback gelungen, das die Brücke zwischen der majestätischen Trauer von My Dying Bride und der eisigen Kälte des Black Metal schlägt. „Threnodies“ ist ein tiefschwarzer Zehnteiler, der in seiner atmosphärischen Dichte nahezu makellos bleibt. Wer sich auf diese Reise in den Abgrund einlässt, wird so schnell nicht wieder auftauchen wollen.
Wertung: 4,5/5
Erhältlich ab: 03.04.2026
Erhältlich über: Black Lion Records
Facebook: www.facebook.com/OfficialAkemManah
